Zweite Liga

1. FC Union hat ein Problem in der defensiven Zentrale

Der Kroate Damir Kreilach soll das Spiel von Union lenken. Vom Ost-Derby in Dresden will er mit einem guten Resultat zurückkommen. Doch der Neuling muss seine kommunikativen Fähigkeiten noch ausbauen.

Foto: Oliver Krato / dpa

Die Manieren stimmen bei Damir Kreilach, höflich verabschiedet er sich mit Handschlag, obwohl er die anderen nicht wirklich gut kennt. Dazu lächelt er sehr einnehmend; Kreilach ist einer, der die Herzen von Schwiegermüttern im Sturm erobern könnte, wenn er denn wollte. Aber dazu würde ihm zumindest im Moment auch die Zeit fehlen, denn der 24-Jährige muss pausenlos Deutsch lernen, um seine Aufgabe noch besser erfüllen zu können.

Die ist nicht gerade unwichtig. Ein ganzer Klub setzt auf den kroatischen Fußballprofi. Beim Zweitligisten 1. FC Union ist er der zentrale Mann für das defensive Mittelfeld – und einer von denen, die Unions Streben nach höheren Weihen vorantreiben sollen. Ein Sieg bei Dynamo Dresden an diesem Freitag würde nach bisher nur einem Punkt aus zwei Spielen dabei helfen (18.30 Uhr, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost). „Wir müssen mit einem guten Resultat zurückkommen“, sagt Damir Kreilach.

Seit gut zwei Monaten ist er in Berlin, zwischen Trainingsplatz und Schulbank pendelt er seitdem hin und her. „Meine Tage sind ganz schön vollgepackt“, erzählt er. Dafür wird es langsam immer besser mit der neuen Sprache. Zwar traut er sich noch nicht so richtig beim Sprechen, da zieht er Englisch vor. Aber er versteht schon viel.

Und er weiß, dass von ihm viel erwartet wird. Im defensiven Mittelfeld spielt der Vermittler zwischen Abwehr und Angriff, der nach hinten absichern muss und nach vorn Impulse geben. Wie harmonisch, wie ausgewogen eine Mannschaft auftritt, hängt oft von dieser Position ab. Union hatte jemanden in der vergangenen Saison, der diese Aufgabe gut ausführte. In der Winterpause verkaufte der Klub Markus Karl jedoch überraschend nach Kaiserslautern, obwohl man um den Aufstieg mitspielen konnte. Union würde damit seine Ambitionen verkaufen, hieß es vorwurfsvoll.

Vom Trainer bekommt der Vertrauen

Kleiner geworden sind die Ziele trotzdem nicht. Nach Ersatz suchten die Berliner lange und sehr intensiv, Kreilach stand in der kroatischen Liga in Rijeka mehrfach unter Beobachtung. Als „Top-Favorit“ auf dieser Position bezeichnete Trainer Uwe Neuhaus ihn bei der Verpflichtung Ende Mai. Der Spieler wurde, eher untypisch für Union, sogar aus dem Vertrag gekauft. Das unterstreicht, welches Vertrauen seinen Fähigkeiten entgegengebracht wird.

Mit einem Freistoßtreffer beim 1:2 gegen Bochum führte sich Kreilach gut ein, in den Spielen danach gegen Bielefeld (1:1) und auch im Pokal gegen Regensburg (2:1) zeigte der Kroate allerdings einige Unsicherheiten, die zu gefährlichen Situationen führten. „Das war ein bisschen unglücklich“, sagt er. Sorgen um seinen Platz muss sich Kreilach dennoch nicht machen.

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Sehr behutsam geht der Trainer mit dem Neuling um, will ihn aufbauen. Beim Test gegen Flota Swinemünde (2:2) war er der einzige Stammspieler, der von Beginn an spielte; er sollte Praxis bekommen, fiel aber auch da durch Fehler auf. Es sind die ersten Gehversuche des jungen Profis außerhalb seiner Heimat, da lässt der Trainer etwas mehr durchgehen als bei anderen. Vor allem tut er das aber deshalb, weil Kreilach in seinen Planungen eine wichtige Rolle spielt und es keinen richtigen Ersatz gibt.

Einer, der die Partie lenken soll

Dem widerspricht Neuhaus zwar: „Ich kann auch Michael Parensen dort spielen lassen, das haben wir gegen Ende der vergangenen Saison probiert.“ Ideal erscheint diese Verschiebung trotzdem nicht. Vielleicht wird sie gar nicht nötig, wenn Kreilach sich weiter eingewöhnt. Neuhaus hat ihn als spiel- und zweikampfstark kennengelernt, als jemanden, der eine Partie lenken kann. Dazu muss er sich mit den Kollegen aber auch gut verständigen können. Bislang reicht es nur für „links, rechts, Hintermann“ auf dem Platz. Deutsch lernen ist für Kreilach also genauso wichtig wie das Training mit dem Team, seine Tage werden noch eine Weile vollgepackt bleiben.