Zweite Liga

Union zeigte beim Pokalsieg neue spielerische Klasse

Die Fußballer aus Köpenick schöpfen nach dem 2:1-Pokalsieg in Regensburg Selbstvertrauen. Der kommende Gegner heißt Dynamo Dresden. In diese Partie gehen sie nun etwas entspannter.

Foto: Armin Weigel / dpa

Auswärtsspiele sind oft eine Tortur. Besonders, wenn sie spät anfangen. Auf den Platz, spielen, oft verlieren, unter die Dusche, in den Bus, tief in der Nacht in Berlin ankommen und dann vormittags noch trainieren. So sieht das oft aus bei den Profis des 1. FC Union.

Im Vergleich dazu war diesmal nun vieles anders. Auf den Platz, spielen, gewinnen, ins Hotel, ein bisschen Wellness, morgens entspannt in den Flieger, am frühen Nachmittag trainieren. Fast kam das Gefühl auf, die Berliner Fußballer wollten sich belohnen für den ersten Pflichtspielsieg der Saison. Doch es waren nur die kommenden Ereignisse, denen sich der Zweiliga-Klub anpasste. Schließlich muss man schon am Freitag bei Dynamo Dresden spielen.

In diese Partie gehen die Köpenicker nach dem Montagabend etwas entspannter. „Das war ganz wichtig für den Kopf“, sagt Marc Pfertzel über das 2:1 beim Drittligisten Jahn Regensburg in der ersten Runde des DFB-Pokals, „wenn du gewinnst, hast du ein ganz anderes Gefühl.“

Das mussten sich die Berliner hart erarbeiten, da Pfertzel 20 Minuten vor dem Ende vom Platz gestellt worden und ein Pokalspiel gesperrt ist. Neben viel Kampfgeist und Glück fiel aber noch etwas auf bei Union: Es gab Momente im Spiel, in denen die neue Qualität der Berliner aufblitzte.

„So stellt man sich Fußball vor“

Bislang wurde von der nur viel gesprochen. Die Zugänge kamen schließlich mit guten Namen nach Köpenick. Doch stockend verliefen die ersten beiden Spiele in der Liga, das erschrak so manchen. Mittlerweile finden die Neuen und die Alten zusammen. Wie beim 2:1, Pfertzel lupft wunderbar in die Tiefe, Sören Brandy ahnt das und nutzt das für eine herrliche Flanke auf Benjamin Köhler. „Das war nicht schwer zu spielen“, sagt Pfertzel. Brandy, neben Köhler einer von fünf Zugängen, sagt: „Das war ein optimaler Angriff, so stellt man sich Fußball vor. So schnell kommt man von der Mittellinie vor das Tor.“

Es gab mehrere dieser Kombinationen, meist über Köhler und Brandy, die beiden Spieler auf den Außenbahnen, die vorher nicht überzeugen konnten. Und sie waren kein Zufall. „Wir haben vor dem Spiel darüber gesprochen. Das ist die Art, auf die wir auf Dauer gefährlich werden wollen“, erzählt Brandy. Er ist zufrieden, dass sie endlich ein Stück vorangekommen sind: „Es ist ein Anpassungsprozess, wenn neue Spieler kommen, alle müssen erst Spielweise und Laufwege kennenlernen.“ Als abgeschlossen betrachtet er diese Phase nicht, ihm waren das zu wenige dieser hellen Momente. Doch die Fortschritte vermitteln dem Team, dass ihr Weg stimmt.

Gefeiert wurde nach Regensburg kaum

Das immerhin stärkt der Selbstvertrauen. „Wir müssen nun versuchen, dass Positive mit rauszunehmen aus dem Pokal“, sagt Brandy, der nach dem Spiel zwar erleichtert, aber nicht groß in Feierstimmung war. Alle dachten schon wieder an Dresden, an die Liga. „Unser täglich Brot ist die Meisterschaft, da stehen wir unbefriedigend da mit einem Punkt nach zwei Spielen“, so der Offensivakteur, der später für Pfertzel auch hinten aushelfen musste.

Neben Dynamo Dresden gibt es aber nach dem Sieg in Regensburg einen anderen Aspekt, der in den Köpfen der Berliner herumschwirrt. Am Sonnabend wird die zweite Runde des DFB-Pokals ausgelost. Die Berliner stellen sich irgendetwas zwischen groß und machbar vor. In diese Kategorie würde eigentlich Lokalrivale Hertha BSC ganz gut zu passen. „Hertha wäre sicher ein Fußballfest“, sagt Sören Brandy. Und selbst eine Auswärtsfahrt wäre keine Tortur für die Köpenicker.