Zweite Liga

Beim 1. FC Union werden aus Freunden Kontrahenten

Beim 1. FC Union hat Patrick Kohlmann seinen langjährigen Stammplatz als Linksverteidiger an Michael Parensen verloren und wird auch am Montag im Pokal in Regensburg wohl zunächst zuschauen müssen.

Foto: Jörg Carstensen / pa/dpa

Drei Jahre alt ist sein Sohn erst, aber er merkt schon, was vor sich geht. Deshalb kommt Patrick Kohlmann manchmal ein bisschen in Erklärungsnot. Normalerweise sieht Liam den Papa immer auf dem Feld, wenn der 1.FC Union spielt. Nun aber nicht. „Ich sage ihm dann, dass wir viele gute Spieler haben“, erzählt Kohlmann. Das reicht, zwei Minuten später sei es ohnehin nicht mehr wichtig. Also für den Sohn, den Papa beschäftigt der Umstand weit mehr.

Zwei Partien sind in der Zweiten Fußball-Bundesliga absolviert, in der ersten schaute Kohlmann nur zu, in der zweiten wurde der linke Verteidiger in der 66. Minute eingewechselt. „Ich freue mich über jede Minute, da gehört man wieder dazu“, sagt er. Wenn die Berliner am Montag im Pokal bei Jahn Regensburg antreten (18.30 Uhr), wird er wohl wieder erst einmal zuschauen.

Das ist neu für Kohlmann, seit die Berliner in der Zweiten Liga spielen, gehört die linke Abwehrseite ihm. Nun jedoch nicht mehr, er ist Ersatzspieler. „Das hat mich nicht aus heiterem Himmel getroffen“, sagt er. In der Vorbereitung sieht jeder, wie gespielt wird, auch welche Trainingsformen bevorzugt werden. „Ich konnte mich ein bisschen darauf einstellen.“ Gewöhnen kann er sich nicht daran.

Natürlich lassen sich Gründe finden für die Versetzung ins zweite Glied. Vergangene Saison lief es nicht so gut wie sonst bei Kohlmann, es gab Höhen, aber auch Tiefen. „Es ist legitim, da auch mal eine Alternative auszuprobieren. Ich bin nicht der einzige, der nicht auf die Bank darf“, sagt der 30-Jährige. Außerdem sind bei Union einige gute Spieler hinzugekommen, die Mannschaft ist breiter aufgestellt. Es war klar, dass sich einiges ändern würde.

Gutes Gespräch mit dem Trainer

Vor dem Spiel in Bielefeld nahm sich Trainer Uwe Neuhaus den Verteidiger zur Seite, es gab ein längeres Gespräch. Das hat Kohlmann gut getan. „Ich konnte mir schon vorstellen, wie es in ihm aussieht. Er hat mir nicht zu der Entscheidung gratuliert“, sagt Neuhaus. Die beiden kommen gut miteinander aus, sie kennen sich sehr lange. Schon in Dortmunds zweiter Mannschaft war Neuhaus der Trainer von Kohlmann, 2008 holte er ihn zu Union. Zwischen beiden besteht ein Vertrauensverhältnis, das war bei dem Gespräch zu spüren.

Kohlmann kennt seine Situation nun besser. „Erst mal bin ich hinten dran und muss auf meine Chance warten. Wer weiß, wie schnell die kommt“, sagt er. Der Trainer hat ihm ein paar Dinge mit auf den Weg gegeben, und festgestellt, dass sich die neue Situation im Training nicht negativ auf den Spieler auswirkt. „Ich muss das professionell angehen, das ist mein Beruf“, sagt Kohlmann. Das wird allerdings noch ein wenig schwerer, wenn auch private Aspekte hinzukommen. Auf seiner Position spielt nun nämlich Michael Parensen.

Beide spielten schon in Dortmund zusammen

Die beiden kennen sich auch aus Dortmunder Zeiten, sind befreundet. Fragen dazu mag Kohlmann nicht mehr hören. „Kohle ist absolut nicht glücklich darüber, dass er nicht spielt“, sagt Parensen. Für beide heißt es jetzt, die Freundschaft etwas auszublenden, wenn sie zum Training gehen. „In erster Linie geht es darum, dass du den Trainer überzeugen kannst, dass du der bessere Spieler bist. Dann ist es egal, wer dein Konkurrent ist“, sagt Parensen. Für Sentimentalitäten fehlt da der Raum.

Bislang gab es dieses Problem nie, Parensen ist vielseitig, meist spielte er vor dem kompromisslosen Abräumer Kohlmann im linken Mittelfeld. Aber dafür wurden mit Martin Dausch und Benjamin Köhler zwei Neue geholt. Union wollte insgesamt mehr Qualität in den Kader bekommen, um höhere Ziele anpeilen zu können. Daher funktioniert die alte Variante vorerst nicht. Denn das hieße auch, die Neuen schon in Frage zu stellen. „Das kommt mir ein bisschen früh“, sagt der Trainer. Dafür zeigt Kohlmann Verständnis.

Kein großer Abstand zwischen beiden Spielern

Also geht das Duell der beiden Freunde weiter. „Andere Spieler haben die gleichen Erfahrungen machen müssen. Die Frage ist nur, wie man da wieder rauskommt“, sagt Patrick Kohlmann zu seiner Rolle als Ersatzmann. Weit hinten dran dürfte er nicht sein. Egal, wen er aufstelle, einen Fehler könne er da nicht machen, sagt Neuhaus. Solche Feinheiten sind für Kohlmanns Sohn nicht wichtig: „Der hat auch Spaß am Leben, wenn ich nicht spiele.“