1. FC Union

Für 90 Minuten keine Freunde mehr, sondern Gegner

Christoph Menz spielte 13 Jahre beim 1. FC Union. Im Sommer wechselte er zu Dynamo Dresden und ist dort anders als in Berlin nun Stammspieler. Am Freitag trifft er erstmals auf seinen alten Klub.

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Ein paar Tage vorher ist alles noch normal, aber je näher der Zeitpunkt rückt, desto eigenartiger das Gefühl. So stellt sich Christoph Menz das vor. Plötzlich laufen sich dann neben ihm Leute warm, die alte Freunde sind, deren Trikot er bis vor kurzem selbst noch getragen hat. „Das vergisst man nicht so einfach“, sagt der 24-Jährige. Aber er wird es verdrängen müssen, wenigstens 90 Minuten lang, ausblenden, dass er 13 Jahre und damit mehr als sein halbes Leben zu den anderen gehört hat. Zum 1. FC Union.

Dynamo, das haben ihm ein paar Fans mit zwinkerndem Auge mit auf den Weg gegeben, hätte es nicht unbedingt sein müssen. Beim Köpenicker Zweitliga-Fußballklub kommt eben noch immer nicht gut an, was in der DDR die Staatsmacht symbolisierte. Aber das ist lange her und Dynamo Dresden ein Verein, „bei dem Fußball im Umfeld gelebt wird“. Irgendwo vor 5000 Leuten spielen, das wollte Menz nicht. Deshalb war Dynamo eine gute Option, als er merkte, dass seine Zeit bei Union abgelaufen ist. Außerdem liegt Dresden auch nicht so weit entfernt von Berlin.

Vor allem aber darf er in Dresden auf den Platz. Deshalb erlebt der Mittelfeldspieler nun eine Premiere, am Freitag spielt zum ersten Mal gegen Union (18.30Uhr). 25.000 Fans kommen bestimmt, wahrscheinlich mehr. Ein paar davon sind Familie und Freunde von Menz, „die immer noch Union die Daumen drücken. Ich weiß, dass das kein normales Spiel wird“, sagt er.

Der Abschied gefiel ihm nicht

Im Mai endete seine Köpenicker Episode, „schön und erfolgreich“ war die Zeit. Gut, zuletzt nicht mehr. Vergangene Saison schaute Menz oft zu oder hatte Kurzeinsätze. Bei seinem letzten offiziellen Spiel durfte er nicht einmal auflaufen. Nach so vielen Jahren im Klub, das fand er nicht gerecht. Menz hätte sich gern im Trikot von den Fans verabschiedet. Union-Trainer Uwe Neuhaus hat ihm nie gesagt, warum er das nicht möglich machte. Es ging ja sportlich um nichts mehr.

Für Dynamo schon, Dresden kämpfte in der Relegation – und Menz zitterte. Für zwei Jahre hatte er unterschrieben, aber nur für die Zweite Liga. Dynamo hielt die Klasse, das neue Kapitel in seinem Leben konnte beginnen. War es schwer? „Nicht schwer, aber ungewohnt, wenn du das erste Mal wechselst“, erzählt Menz. Es hat ihm gut getan, denn es ist schon etwas anders, der Junge aus dem eigenen Nachwuchs zu sein oder ein Spieler, der von einem Konkurrenten kommt.

Menz bringt Erfahrung mit und spürt: „Dadurch ist eine andere Wertschätzung da. Die muss ich jetzt aber auch bestätigen.“ Bislang tat er das. Trainer Peter Pacult schickte ihn in den beiden ersten Spielen, die jeweils Unentschieden endeten, von Beginn an aufs Feld, als defensiver Mann im zentralen Mittelfeld hat er seinen Platz gefunden. Bei Union musste er oft Lücken füllen.

Nichtabstieg als erstes Ziel mit Dynamo

Es interessiert ihn noch sehr, was die alten Kumpel so treiben. „Die ersten beiden Spiele habe ich komplett gesehen“, sagt er. Auch in der Vorbereitung sammelte er Eindrücke. „Die Mannschaft hat schon eine sehr gut Qualität, auch wenn der Start holprig war“, findet Menz. Die Bezeichnung als Geheimfavorit für den Aufstieg gilt für ihn noch immer. Mit Dynamo ist nach der vergangenen Saison der Nichtabstieg das erste Ziel. „Aber wir haben vorn gute Leute und denken, dass es auch ein Stück weiter nach oben gehen kann“, erzählt der Profi.

Aus den Fernsehstudien weiß er, wie die Berliner zu stoppen sind: „Wir müssen kompakt stehen und die Mitte zu machen, dann wird es für Union schwer.“ Bei der Umsetzung fällt ihm eine entscheidende Rolle zu im defensiven Mittelfeld. Union-Kapitän Torsten Mattuschka dürfte ihm als zentraler Mann im Berliner Angriff oft über den Weg laufen. Und der mag es nicht, wenn in der Mitte kein Platz ist. Egal. Er ist dann für 90 Minuten kein alter Freund mehr, sondern nur der Gegner.