In der 67. Minute kehrte der alte Bekannte am Dienstagabend noch einmal auf den Rasen des Stadions An der Alten Försterei in Berlin-Köpenick zurück. Vor zwölf Jahren stand Ferdinand Chiffon im Kader des 1. FC Union, schoss im Uefa-Pokal ein Tor für die Berliner und flüchtete später klammheimlich aus dem Trainingslager.

Nun arbeitet er bei Flota Swinemünde, einem Fußballteam aus der polnischen Zweiten Liga, das die Berliner sich zu einem Testspiel eingeladen hatten. Eigentlich als Co-Trainer, diesmal musste er aber aufs Feld, sogar länger, als er wollte, weil seine Spieler müde wurden.

Seinen Einsatz hatte Chiffon den Köpenickern zu verdanken. Die zeigten sich nach dem unbefriedigenden Start in die Zweitligasaison recht spielfreudig und ließen bis zum Ende nicht locker. Obwohl es letztlich nur zu einem 2:2 (1:2) reichte, äußerte Uwe Neuhaus seine Zufriedenheit. „Nach schwachem Beginn haben wir uns aufgerafft und den Gegner Stück für Stück immer mehr in die Knie gezwungen“, so der Trainer der Berliner.

Eigentor durch Unions Kreilach

Neuhaus tat genau das, was er beabsichtigt hatte und gab in dem Testspiel den Reservisten die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Vier Profis, die bislang noch gar keine Einsatzminuten in der Zweiten Liga aufweisen, standen auf dem Platz: Björn Kopplin, Roberto Puncec, Christopher Quiring und Jan Glinker. Dazu kamen viele, die mal ein- und mal ausgewechselt worden sind. Einzig Damir Kreilach, der defensive Mittelfeldspieler, stand bisher in beiden Partien in der Anfangsformation.

Der Beginn unterschied sich jedoch trotz des veränderten Personals nicht von den bisherigen Pflichtspielen gegen Bochum (1:2) und Bielefeld (1:1). Offenbar hatten sich die Berliner noch gar nicht richtig sortiert, da traf Mateusz Szalek per Freistoß zur Führung für die Usedomer (2.). Das trug nicht dazu bei, dass Union die Partie in Ruhe angehen konnte. Flota setzte die Gegenspieler stark unter Druck und ging bei den Zweikämpfen so vor, als wäre jeder Ballgewinn ein großer Erfolg. Daraus erwuchs eine Überlegenheit auf dem Feld, die sogar zum 2:0 führte. Kreilach drückte den Ball nach einer Hereingabe ins eigene Tor (13.). „Das hatte was mit Wettkampf zu tun, so kann man nicht trainieren“, sagte Neuhaus. Er freute sich über rustikale Gangart des Gegners und die Herausforderung.

Quiring und Skrzybski erzielen die Treffer für Union

Mit dieser kamen die Berliner dann allerdings besser zurecht. Union übernahm vor 718 Zuschauern die Initiative, so wie der Trainer sich das gewünscht hatte. „Ich finde, dass alle sich total engagiert gezeigt haben“, sagte der Coach.

Die Köpenicker, bei denen auch der abwanderungswillige Silvio eingewechselt wurde (63.), spielten mit verschiedenen Varianten, brachten gute Pässe durch die Mitte und über außen. Quiring (27.) und Steven Skrzybski (67.) erzielten die Treffer, Chancen für weitere waren da. Wer sich weiter an die Stammformation herangespielt hat, will Trainer Neuhaus jetzt in Ruhe auswerten.