Zweite Liga

Fabian Schönheim wird Unions neues Sprachrohr

Der Innenverteidiger hat sich in nur einem Jahr von einem Neuling zu einem Führungsspieler der Köpenicker entwickelt. Wenn ihm etwas nicht passt, kann er deutliche Worte finden.

Foto: Soeren Stache / pa / dpa

Die eigenen Erlebnisse mit dem Pokal und dem 1. FC Union fielen gewiss nicht zufriedenstellend aus, aber schlimm war es auch nicht. Vergangene Saison, als Fabian Schönheim als Neuling zu den Berlinern kam, zog der Klub immerhin in die zweite Runde ein. Im Vergleich zu den Vorjahren ein Erfolg.

Von der problematischen Beziehung der Köpenicker Fußballprofis und dem DFB-Pokal hat Schönheim aber gehört. „In den letzten Jahren gab es einige Überraschungen bei Union“, so Schönheim. Dann fügt er an: „Das sollten wir schleunigst ändern!“

Mit dieser Absicht trägt sich jeder beim Köpenicker Zweitligisten, aber es fügt sich gut, dass gerade Schönheim sie ausspricht. Wie erwähnt, der Innenverteidiger hat erst eine Spielzeit im Trikot der Unioner verbracht, doch er hat sich entwickelt und in nur einem Jahr den Sprung zum Wortführer vollzogen. Unbedingt zu erwarten war das nicht.

Ein bisschen jungenhaft wirkt das Gesicht des 26-Jährigen. Dafür ist der Körper stämmig, genau richtig für einen Innenverteidiger, der resolut sein muss, der dazwischen grätschen muss. Dass er in seinem Fach Qualität bietet, davon waren die Berliner nicht restlos überzeugt, er wurde ausgeliehen. Immerhin vom Bundesligisten Mainz.

Gespielt hat er da fast nicht, zuvor in der Dritten Liga in Wiesbaden schon, auch ein bisschen in der Zweiten in Kaiserslautern. „Aber vergangene Saison war mein erstes Jahr, in dem ich konstant viele Spiele gemacht habe“, sagt der gebürtige Pfälzer. Er wusste zu überzeugen, so sehr, dass er Ende April fest verpflichtet wurde und ausgestattet mit einem Vertrag bis 2015.

Zur Verantwortung gehört auch Kritik

Ganz das, was Trainer Uwe Neuhaus erwartet, konnte Schönheim allerdings noch nicht zeigen, die Gegentore wurde auch mit ihm nicht weniger. Doch der Coach erkannte das Potenzial, dass der Abwehrmann zum Führungsspieler reifen kann. Bei den Kollegen wird er offenbar gut akzeptiert, vor der Saison wählten sie ihn in den Mannschaftsrat. „Das freut mich“, sagt er. Diese neue Rolle will er nun ausfüllen. „Das gibt mir mit Sicherheit ein Stück mehr Verantwortung, auch mal kritische Worte zu finden“, so der Profi. Nach dem Start mit einem Punkt aus zwei Spielen gab es dazu schon Gelegenheit.

Die nutzte er und räumte gleich mal auf mit großen Träumen. „Ich habe von Anfang an angesagt, dass das Gerede von Aufsteig und Geheimfavorit absolut nicht meins ist, weil ich glaube, dass man in dieser schweren zweiten Liga bescheiden bleiben sollte“, so Schönheim. Acht Teams wollen in die Bundesliga, die Liga sei so schwer wie selten. Und dann noch dieser Ballast. Das kennt er doch noch aus der Vorsaison: „Immer, wenn dieses Thema aufkam, hat es jedes Mal nicht funktioniert.“ Unions Spielfluss gerät ins Stocken, wenn vom Aufstieg geredet wird. „Es fällt uns schwer, mit der Rolle umzugehen, wenn wir da reingedrängt werden“, hat er festgestellt.

Konzentration auf das Hier und Jetzt

Kleinreden will er die Mannschaft aber nicht, seine Worte sollen nur die Konzentration auf das Hier und Jetzt lenken und die Gedanken an das Ferne verscheuchen. „Das Gerede vom Aufsteig wirft uns mehr zurück, als dass es uns nach vorn bringt“, so Schönheim. Nach den jüngsten Resultaten spricht ohnehin niemand mehr davon. Das kommt ihm entgegen. Wenn ihm demnächst wieder etwas nicht passt, wird er das benennen und deutliche Worte finden. Nach dem Pokalspiel in Regensburg am Montag möchte aber er möglichst keinen Anlass für Kritik finden.