1. FC Union

Der Franzose Pfertzel mit der deutschen Arbeitsmoral

Dank seiner Disziplin hat sich Marc Pfertzel bei Union behauptet. Für ihn spricht seine Erfahrung, aber auch sein Engagement. „Ich lasse keine Bequemlichkeit zu“, sagt er vor dem Spiel in Bielefeld.

Foto: Soeren Stache / PA/dpa

Marc Pfertzel kommt schon ganz lässig rüber. Schnittiger Wagen, coole Haltung, verschmitztes Lächeln. So einem würde man es auf den ersten Blick zutrauen, dass er es nicht immer so genau nimmt. „Die Südländer-Mentalität ist ein bisschen so und so“, sagt er. Etwas davon steckt auch in ihm drin, er ist Franzose. Eigentlich ist er inzwischen aber auch ganz schön deutsch. Deswegen stand er zum Saisonauftakt des 1.FC Union auch in der Startelf. In Bielefeld, wo der Berliner Zweitliga-Fußballklub am Freitag (18.30 Uhr, Sky) antritt, wird das nicht anders sein.

Sechs Jahre lebt der 32-Jährige nun bereits in Deutschland, da hat einiges auf ihn abgefärbt. Den Fußball hier fand er schon immer interessanter als in seiner Heimat, die Disziplin und die harte Arbeit, die hat er hier kennengelernt. „Mir gefällt das“, sagt der Abwehrspieler, „obwohl es manchmal ein bisschen anstrengend vom Kopf her ist.“ Mit der Zeit ist das aber so auf ihn übergegangen, dass er das ganz Lässige gar nicht vermisst. Obwohl er äußerlich kaum etwas davon verloren hat.

Konkurrenzkampf mit Kopplin

Mit seinem Fokus auf die Aufgaben, die vor ihm liegen, schafft er es sogar, deutscher zu sein als mancher Kollege. Björn Kopplin jedenfalls musste zuschauen zum Auftakt. Die beiden kennen sich seit Jahren, in Bochum machte ihm Kopplin einst den Stammplatz auf der rechten Abwehrseite streitig. Vergangene Saison wechselte Kopplin zu Union – und setzte sich in der Rückrunde erneut gegen Pfertzel durch. „Das war eine schwere Zeit für mich. Aber es gibt Phasen in einer Saison, da ist man nicht so gut drauf“, sagt er. Das gehört für ihn genauso zum Beruf wie Konkurrenz.

Die ist bei Union auf vielen Positionen größer geworden, manche müssen erst noch lernen, damit umzugehen. Pfertzel kennt es nicht anders. Er musste immer mit starken Kollegen um den Platz streiten. Da kann es vorkommen, dass man auch mal auf der Bank landet. „Wenn du das nicht akzeptieren kannst, musst du etwas anderes machen. Ich hätte dann Tennis gespielt“, so Pfertzel. Fußball lag ihm doch näher.

In drei ersten Ligen gespielt

Gespielt hat er den schon in der Bundesliga, in der ersten italienischen und griechischen Liga. „Er verfügt über einen großen Erfahrungsschatz“, sagt Trainer Uwe Neuhaus. Und von einer Schwächephase in der letzten Saison will er gar nicht reden. Pfertzel und Kopplin seien gleich gut. Dass Kopplin nun nicht spielt, liegt vor allem an ihm selbst. „Er hat ein bisschen die Vorbereitung verschlafen. Erst in der Endphase Gas zu geben, um spielen zu können, mache ich nicht mit“, sagt der Trainer. Solche Aussetzer sind bei Pfertzel etwas Seltenes: „Ich lasse keine Bequemlichkeit zu.“

Das war auch gegen Bochum zu sehen. Der Franzose mit der deutschen Arbeitsmoral gehörte zu den Aktivsten auf dem Platz, rannte die rechte Seite rauf und runter. Pfertzel lebt das Spiel, seine Freude an der Bewegung, sein Engagement können die Fans förmlich spüren. Dass macht ihn beliebt beim Anhang, nicht wenige bevorzugen den wuseligen Elsässer, dem zwar nicht jede Flanke glückt, in der Startelf als den soliden, aber emotional sparsamen Kopplin, der dem eigenen Nachwuchs entstammt.

Anhänger schätzen seine Arbeit

Den Rückhalt der Anhänger kennt Marc Pfertzel, als er nicht spielte, kamen viele zu ihm und machten ihm Mut. „Es ist wichtig für einen Spieler zu wissen, dass seine Arbeit geschätzt wird“, sagt der Verteidiger, der die Niederlage gegen den VfL Bochum (1:2) zum Auftakt nicht zu hoch hängt: „Die Vorbereitung war gut, das bedeutet, dass die Mannschaft gut und fit ist. Deshalb sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen.“ Das tut er schließlich auch nicht, wenn der Konkurrenzkampf ihn mal wieder pausieren lässt. Mit seiner alles andere als lässigen Einstellung hat er es nämlich immer geschafft, sich seine Einsatzzeiten zu holen.