Zweite Liga

1:2 gegen Bochum - Geheimfavorit Union patzt zum Saisonstart

Union will in die erste Liga. Doch zum Saisonstart enttäuschte der Geheimfavorit. Die Köpenicker unterlagen Bochum mit 1:2. Es ist für die Berliner die erste Heimniederlage seit November 2012.

Foto: Soeren Stache / dpa

Das Gefühl war neu. Wenn die Liga sonst begann, musste der 1. FC Union stets reisen. Jedes Jahr seit dem Wiederaufstieg in die zweithöchste Spielklasse des deutschen Fußballs. Etwas ausgemacht hat es den Köpenickern zwar nicht, verloren wurde nämlich dabei seit 2009 nie. Aber zu Hause ist es doch am schönsten. Und schöner als jetzt war das Stadion an der Alten Försterei ganz sicher nie. Alles neu und schick, mit ultramoderner, gerade eingeweihter Haupttribüne. Da mussten die Spielplaner ein Einsehen haben. Sie schickten den VfL Bochum zum Auftakt der Saison 2013/14 vorbei. Der Wettergott machte auch mit und ließ die Sonne gleißend über Köpenick erstrahlen. Alles war perfekt.

Neuhaus sichtlich verärgert

Fast, denn trotz der Umstände, die eigentlich zu einer großen Feier einluden, passten zwei nicht unerhebliche Details nicht in diesen Sonntagnachmittag. Lange war der Ball von Danny Latzka unterwegs, aus 31 Metern hatte der Bochumer abgezogen, und schlug im Netz von Torhüter Daniel Haas ein (64.). War der haltbar? „Bei gefühlt 60 Metern ja“, sagte Trainer Uwe Neuhaus. Aber als schlimmer erachtete er, dass die Berliner nach dem Ausgleich von Damir Kreilach per Freistoß (86.) umgehend per Elfmeter das 1:2 durch Marcel Maltritz kassierten (88.). „Die ganze Entstehung war unnötig“, knurrte der Coach spürbar angefressen. Dass Innenverteidiger Mario Eggimann ziemlich ungelenk den Ball mit der Hand spielte, interessierte Neuhaus dabei nicht so sehr. Die Fehler waren breit gestreut bei diesem Treffer. Dumm, überflüssig, unnötig – Neuhaus‘ Wortwahl für die Niederlage fiel kreativer aus als das Spiel seiner Mannschaft vor den 18.823 Zuschauern.

Sein Pendant, Bochums Trainer Peter Neururer, holte weit aus für die Beschreibung des Sieges. „Sporthistorisch“ nannte er ihn. Neururer hatte bereits mit zwei Klubs versucht, bei Union zu gewinnen, nun gelang es ihm zum ersten Mal. Quasi als kleine Revanche, denn am letzten Spieltag der Vorsaison hatte Union in Bochum gewonnen - 2:1. Nun war es andersherum. „Glücklich, aber nicht unverdient“, wie Neururer fand. Womit er nicht falsch lag.

Unions Sieg in Bochum war damals der erste Auswärtserfolg seit November 2012. Jetzt bedeutete die Niederlage den ersten Misserfolg im eigenen Stadion seit Oktober 2012 (0:1 gegen Paderborn). „Das ist besonders bitter, weil wir uns viel vorgenommen hatten“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka. Euphorie begleitete die Berliner in die Saison, mehr als nur ein bisschen davon. Der Verein prosperiert, weist Bestmarken auf allen Gebieten auf. Und sportlich verfügt Neuhaus über so viele Alternativen wie nie, der Kader wurde qualitativ deutlich verstärkt. Bis in die Kabine übertrug sich diese Hochstimmung, die um den Verein herum herrscht. „Es war ein unheimliches Kribbeln da, wir haben uns sehr heiß gemacht und erwarten sehr viel von uns“, sagte Mario Eggimann. Aber: „Vielleicht haben wir uns zu sehr unter Druck gesetzt.“ Das könnte ein Ansatz sein, zumindest wirkte die Mannschaft recht verkrampft über weite Teile des Spiels.

Union fehlt es meist an Präzision

Anfangs allerdings noch nicht, Union begann druckvoll. „Aber dann hat Bochum die Räume eng gemacht“, so Neuhaus. Die Gäste operierten aus einer gut gestaffelten Defensive und garnierten sie mit gut gesetzten Vorstößen. „Dagegen ist uns nicht viel eingefallen“, befand Mattuschka. In der ersten Halbzeit reichte es gerade mal zu ein paar Torschüsschen. Bochum dagegen hätte nach einer Chance von Richard Sukuta Pasu eigentlich führen müssen, doch nachdem er Torhüter Haas umspielt hatte, traf er den Ball nicht richtig (30.).

Wenn die Berliner es mal so weit nach vorn schafften, fehlte es meist an Präzision. Die ohnehin viel zu seltenen Flanke flogen oft meterweit an den Adressaten vorbei. Zwar bemühte sich Union, das Spiel zu prägen, blieb aber zu oft in Ansätzen stecken. „Alle haben sich reingekniet“, attestierte der Trainer seinen Spielern. Obwohl er sich gewünscht haben dürfte, ein oder zwei Wechsel vielleicht etwas früher getätigt zu haben. Mit Steven Skrzybski, der für Sören Brandy kam (63.), und dem für Benjamin Köhler auflaufenden Martin Dausch (70.) wurde Union lebendiger. Wobei der Auslöser für den aktionsreicheren Schluss auch in Latzas Sonntagsschuss gelegen haben könnte.

Eggimann bekam einen Stoß

Mit Dauschs Einwechslung standen schließlich alle fünf Neulinge der Köpenicker zeitweise auf dem Platz, Kreilach mit seinem Tor und Eggimann mit dem Handspiel hinterließen dabei besonders bleibende Eindrücke, während Brandy und Köhler kaum auffielen.

Letzteres hätte sich im Nachhinein auch Mario Eggimann sicher gewünscht. „Ich habe einen Stoß von hinten bekommen, sonst passiert das nicht“, sagte der Schweizer zu seinem Fauxpas, der die Berliner einen Punkt kostete. Und ihnen das erste Spiel im nach vielen Jahren nun komplett renovierten Stadion an der Alten Försterei schon mehr als nur ein bisschen vermieste.