Zweite Liga

Für Verzweiflung ist es in Köpenick noch viel zu früh

Der 1. FC Union hatte sich viel vorgenommen für die neue Saison. Die Umsetzung fällt jedoch schwerer als gedacht mit den vielen Neulingen im Kader. Spielerisch hinkt der Klub den Erwartungen hinterher.

Foto: Soeren Stache / dpa

Es ging nicht um Tempo, sondern nur um regeneratives Radeln. Auf in Vereinsfarben gehaltenen Fahrrädern. Ein bisschen durch den Wald mussten die Profis des 1. FC Union am Montagvormittag fahren, um die Strapazen des ersten Saisonspiels in der Zweiten Fußball-Bundesliga aus den Beinen zu bekommen. Und dieser Anblick hätte jedem Verkehrserzieher ein seliges Lächeln ins Gesicht gezaubert, denn die kleine Ausfahrt wurde trotz ruhigen Tempos und großer Hitze vorbildlich mit Kopfschutz absolviert.

Der Kopf wurde am Tag nach der Partie gegen den VfL Bochum immer wieder angesprochen. In einer Teamsitzung verarbeiteten alle Spieler gemeinsam mit Trainer Uwe Neuhaus die Erlebnisse des Auftaktspiels, das 1:2 verloren ging. „Wir müssen jetzt den Kopf freikriegen und weiterarbeiten“, sagte Stürmer Sören Brandy nach der Analyserunde. Insgesamt sei alles abgehakt, aber jeder für sich dürfe ruhig noch einmal darüber nachdenken, wo die Gründe für die Niederlage zu suchen sind.

Heimfluch beim Auftakt

Mit höheren Mächten dürfte sie nichts zu tun haben, obwohl Neuhaus kurz einwarf, dass der Heimauftakt der Berliner seit geraumer Zeit wie verflucht sei. Zum vierten Mal in Folge vergeigte Union das erste Saisonheimspiel. Das ist an sich nicht gut und hilft nicht bei der Suche nach Stabilität und Selbstvertrauen.

In diesem speziellen Fall schadet es aber auch wohl nicht. „Ich habe jetzt einen neuen Topfavoriten“, verkündete Neuhaus und klang dabei fast ein wenig erleichtert. Union wurde ja von mehreren Seiten bereits als Geheimfavorit für den Bundesligaaufstieg gehandelt. „Peter hat da mit dem Finger auf uns gezeigt“, so Neuhaus über den Bochumer Kollegen Neururer. Diese von den Berlinern nicht als hilfreich empfundene Unterstellung gab Neuhaus nun zurück. Und wenn nach der Niederlage das Gerede von der Bundesliga im Zusammenhang mit Union verhaltener ausfällt, dann hatte das Spiel für Neuhaus sogar etwas Gutes.

Nicht so befreit wie in der Vorbereitung

Die Fahndung nach dem spielerisch Positiven fällt schon schwerer. „Wir haben wenig gezeigt von dem, was wir wollten“, sagt Michael Parensen. Er redete von Aufbruchstimmung um den Verein herum, welche die Mannschaft weitertragen wollte. Von der Bank aus merkte der Trainer aber, dass „ein bisschen Druck da war“. Sein Team spielte, als es um Punkte ging, auch unter dem Eindruck der guten Entwicklung des Klubs, nicht so befreit und sicher auf wie noch in der Vorbereitung, die ohne Niederlage ablief.

Angesichts der doch gravierenden Veränderungen im Kader liegt es nah, dass die Mannschaft noch im Prozess der Findung ist. Alle fünf Zugänge standen auf dem Feld, vier davon von Beginn an. „Dass am ersten Spieltag oder an den ersten drei Spieltagen noch nicht alles so läuft, wie man sich das vorstellt, ist auch klar“, sagt Parensen, der im Zuge der Veränderungen nun die Position des linken Verteidigers bekleidet.

Standhaftigkeit bremst Spielfreude

In den Testspielen wirkte sich die personelle Erneuerung nicht sonderlich aus, Union präsentierte sich weitgehend frei von Problemen. „Aber Bochum hat vielleicht ein bisschen mehr Gegenwehr geleistet“, konstatiert Brandy. Auf der anderen Seite fehlte es an Inspiration, um sich mit den neuen Gegebenheiten zu arrangieren. Unter der Standhaftigkeit und Bissigkeit der Gäste litt die Spielfreudigkeit der Berliner. Impulse nach vorn blieben lange aus. „Bei Sachen, wo es um Zentimeter oder Millisekunden geht, haben wir uns falsch entschieden. Gerade im Offensivspiel gab es zu viele individuelle Fehler“, so Parensen. So bekam etwa der kopfballstarke Stürmer Adam Nemec keine gute Flanke aufgelegt.

Glaube an die eigene Stärke

Zum Verzweifeln ist die Lage deshalb nicht. „Es war jetzt nicht so, dass wir versagt haben. Das muss man mal festhalten“, erzählt Parensen. Bitter waren vor allem der Patzer von Torhüter Daniel Haas, der einen haltbaren Weitschuss passieren ließ und sich auch am Montag nicht dazu äußern wollte, und das Handspiel von Mario Eggimann, das direkt nach dem Ausgleich durch Damir Kreilach den Siegtreffer für Bochum durch einen Elfmeter ermöglichte. Union zeigte, dass es den Ereignissen entsprechend reagieren kann und erhöhte den Druck nach dem 0:1 deutlich. Das festigte bei Kapitän Torsten Mattuschka den Glauben an die eigene Stärke: „Ich weiß, dass wir eine gute Mannschaft haben, wenn wir abrufen, was wir können.“

Erfahrung mit schlechten Startphasen

Ihn macht die Niederlage offenbar nicht nervös. In den vergangenen Jahren konnte Mattuschka den Umgang mit längeren schlechten Startphasen lernen. So weit ist es jetzt noch gar nicht. Schon am Freitag ist Union wieder an der Reihe, beim Aufsteiger in Bielefeld. „Wir müssen eine Reaktion zeigen“, so Mattuschka, „das ist uns in den letzten Jahren immer wieder gelungen.“ Voraussetzung dafür, dass es auch diesmal klappt, ist laut Mattuschka, dass das Spiel gegen Bochum schnell aus den Köpfen ist.

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