Testspiel

Zweitligist Union feiert ein letztes Schützenfest in Finowfurt

Beim 21:0 gegen den brandenburgischen Achtligisten kamen jene Spieler zum Einsatz, die zuletzt zuschauen mussten. Doch schon vorher hatten die Zweitliga-Trainer die Köpenicker auf dem Aufstiegszettel.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Es scheint fast so, als hätte sich die zweite Reihe den Frust einmal so richtig von der Seele geschossen. Jene Spieler des 1. FC Union, die in den beiden Vorbereitungs-Highlights gegen die schottischen Erstligisten Dundee United (4:1) und Celtic Glasgow (3:0) zumeist nur von der Bank aus das Geschehen auf dem Rasen verfolgen durften. Am Dienstagabend kam nun ihr großer Moment – beim 21:0 (13:0) gegen den brandenburgischen Achtligisten 1. FC Finowfurt.

Allein Stürmer Silvio erzielte fünf Tore, auch Mittelfeldspieler Christopher Quiring traf zweimal. Beide hatten sich in der schottischen Union-Woche mit der Reservistenrolle begnügen müssen. Wie auch Torwart Jan Glinker oder Björn Kopplin. Der Rechtsverteidiger spielte gegen Finowfurt ebenso über die gesamte Spielzeit wie seine drei Leidensgenossen. Die weiteren Tore schossen Steven Skrzybski, Simon Terodde (je 3), Adam Nemec, Michael Paarenden (je 2) sowie Benjamin Köhler, Christian Stuff, Martin Dausch und Sören Brandy.

Dausch mit Problemen

Einziger Wermutstropfen: Mittelfeldspieler Dausch, nach der Pause für Köhler eingewechselt, musste vor 2000 Zuschauern nach nur einer halben Stunde schon wieder vom Feld. Der Zugang klagte über Oberschenkelprobleme.

Dass das Schützenfest von Finowfurt die Köpenicker jetzt noch mehr in die Rolle des Geheimfavoriten für den Aufstieg in die Bundesliga gedrängt hat, darf zwar bezweifelt werden. Der Status, den sich die Berliner in der Vorbereitung durch die Zugänge und die sechs Siege in sieben Testspielen erarbeitet haben, hingegen nicht. Unter den 18 Trainer der Zweiten Liga zählt der 1. FC Union jedenfalls als Geheimtipp.

Ansonsten werden die üblichen Verdächtigen genannt, wenn es um die ersten drei Plätze geht. Topfavorit ist der Vorjahresdritte 1. FC Kaiserslautern. „Es spielen etliche Mannschaften um den Aufstieg. Wir gehören dazu“, sagte der Lauterer Coach Franco Foda selbst. Und steht damit eigentlich stellvertretend für die gesamte Liga.

Kaiserslautern ist der Topfavorit

„Sie haben den besten Kader“, sagte St.-Pauli-Coach Michael Frontzeck. „Kaiserslautern ist der Topfavorit, dort ist man jetzt vor allem in der Offensive brutal gut aufgestellt“, ergänzte Alexander Schmidt von 1860 München. Und Cottbus-Trainer Rudi Bommer hat den FCK vor allem wegen des „unglaublichen Fanpotentials“ auf dem Zettel.

Zumal die Enttäuschung aus der Vorsaison offenbar vergessen ist. In der Relegation scheiterte der viermalige Deutsche Meister erst an 1899 Hoffenheim. „Wir sind nicht aufgestiegen, aber deswegen war nicht alles schlecht“, sagte Foda, der mit Karim Matmour und Olivier Occéan (beide Eintracht Frankfurt) gleich zwei erstligaerfahrene Profis dazubekam. Allerdings mit Alexander Baumjohann (Hertha BSC) auch einen Abgang verkraften musste.

Fast komplett neu aufstellen müssen sich dagegen die Absteiger aus der Bundesliga. Sowohl Fortuna Düsseldorf als auch die SpVgg Greuther Fürth verloren wichtige Stützen. Inwieweit die beiden Klubs den Vorschusslorbeeren der Konkurrenten gerecht werden können, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die neu formierten Teams finden.

Beim 1. FC Köln, nach einer starken Aufholjagd in der vergangenen Saison auf Platz fünf, wird dagegen viel von der Integration des neuen Trainers abhängen. Auf dem Schleudersitz beim rheinischen Traditionsverein hat nun der Österreicher Peter Stöger Platz genommen.

Gute Quote für Neuhaus

Einig sind sich die Wettanbieter derweil, dass Uwe Neuhaus trotz seiner Verweildauer von nun schon sechs Jahren noch längere Zeit bei Union bleiben wird. Pünktlich zum Saisonstart gibt es die Quoten auf den ersten Trainer-Rauswurf. In der vergangenen Saison traf es Oliver Reck (MSV Duisburg) nach gerade einmal drei Spieltagen.

Aktuell führt Dynamo Dresdens Peter Pacult beim Anbieter Tipico die Liste an, mit einer Quote von 1:4,5, gefolgt von Alexander Schmidt (München, 1:6) und Falko Götz (Aue, 1:7.). Unions Trainer Neuhaus hingegen teilt sich den letzten Platz mit Benno Möhlmann (FSV Frankfurt) und Stefan Krämer (Bielefeld) – mit einer Quote von 1:50. Mit Blick auf die Aufstiegskandidaten liegt Union bei Tipico jedoch nur auf Rang neun.