Zweite Liga

Union war nie besser aufgestellt als vor dieser Saison

Erstmals scheint der Union-Kader auf nahezu jeder Position doppelt gut besetzt. Das lässt auf eine Klasse-Saison des Zweitligisten hoffen. Optimistisch sind vor allem die Fans.

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Vielleicht liegt es ja an den sommerlichen Temperaturen. Vielleicht sind auch die WM- und EM-freien Wochen (bei allem Respekt, liebe Fußball-Frauen) Schuld, dass die Lust auf Fußball in der Sommerpause steigt. Mit Sicherheit sind es jedoch die Auftritte der Profifußballer, dass der Run auf die Dauerkarten beim 1. FC Union knapp eine Woche vor dem Saisonstart gegen den VfL Bochum (Sonntag, 15.30 Uhr, Alte Försterei) weiter anhält.

Mehr als 8000 Saisontickets hat der Zweitligist bereits an den Fan gebracht, mehr als in der vergangenen Spielzeit, wo die Kapazität des Stadions wegen des Neubaus der Haupttribüne eingeschränkt gewesen ist. Dass dies ein neuer Rekord ist, versteht sich von selbst.

Spielt ab Sonntag dann im besten Stadion, das Union je hatte, auch die beste Mannschaft, die die Köpenicker jemals ins Rennen schicken werden?

Ausfälle besser zu kompensieren

Uwe Neuhaus ist bei dieser Frage hin- und hergerissen. „Darüber können wir uns im Mai nächsten Jahres unterhalten“, antwortet der Trainer: „Man versucht ja immer, die Mannschaft so zu ergänzen, dass man glaubt, dass sie stärker geworden ist. Im Moment glaube ich es noch.“ Dennoch ist sich auch der 53-Jährige sicher, „dass wir nun Ausfälle besser kompensieren können“.

In der Tat erscheint der Kader der Rot-Weißen so gut besetzt wie nie zuvor. Und nicht nur gut, sondern eben doppelt gut. Das sagt sogar jemand, der erst seit kurzer Zeit Tag für Tag an der Alten Försterei seinen Dienst tut. „Ich spiele ja seit sechs Jahren jedes Jahr gegen Union und denke, dass ich dass ganz gut einschätzen kann“, sagt Sören Brandy also, der erst vor gut drei Wochen vom Zweitliga-Zwangsabsteiger MSV Duisburg an die Alte Försterei gewechselt ist.

Und er erklärt: „Wir haben diese Saison einen extrem breiten Kader, fast jede Position ist doppelt besetzt. Es gibt auf jeder Position einen Zweikampf. Ich denke schon, dass es auch ein Zeichen von Qualität ist, dass der Trainer so viele Auswahlmöglichkeiten hat, der Konkurrenzkampf so enorm ist und sich keiner auch nur eine Trainingseinheit zurücknehmen kann.“

Qual der Wahl, die eigentlich keine ist

Und genau das haben die Profis in den vergangenen gut vier Wochen getan: jede Übungseinheit mit der nötigen Entschlossenheit absolviert, jeden Test mit der höchstmöglichen Konzentration gespielt. Das hält den sportlichen Level hoch und gibt dem Coach die Qual der Wahl, die eigentlich gar keine ist.

Erst recht, wenn alle Spieler gesund durch die Vorbereitung gekommen sind und auch heute im letzten Test beim brandenburgischen Achtligisten 1. FC Finowfurt (18 Uhr) zur Verfügung stehen. „Ich weiß selber noch nicht, welche Mannschaft gegen Bochum auflaufen wird. Natürlich habe ich Dinge vor Augen, die man machen könnte. Aber trotzdem hat man genug Alternativen“, verdeutlicht Neuhaus.

Nicht ohne einen dringenden Appell an die Seinen zu richten: „Auch diese Trainingswoche ist wichtig für jeden Einzelnen, auch für mich. Jeder Spieler muss mich noch mal überzeugen, dass er der Richtige ist.“

Sieben Stammplätze scheinen vergeben

Blickt man auf die beiden Härtetests gegen die schottischen Erstligisten Dundee United und Celtic Glasgow zurück, scheinen in der 4-4-2-Formation sieben Startplätze für das Bochum-Spiel vergeben. Vor Stammtorwart Daniel Haas agieren in der Abwehrreihe Marc Pfertzel (rechts), Mario Eggimann und Fabian Schönheim. Auf der linken Seite entscheidet wohl die Tagesform das Duell der Freunde Michael Parensen (offensivere Variante) und Patrick Kohlmann. Für Eggimann oder Schönheim kann aber auch Christian Stuff einspringen.

Im defensiven Mittelfeld hat Damir Kreilach seinen Platz sicher. Doch auch der kroatische Zugang darf sich nicht zu sicher fühlen, denn mit Parensen und auch Baris Özbek stehen gute Alternativen bereit. Im offensiven Mittelfeld haben Özbek (rechts) und Kapitän Torsten Mattuschka im Zentrum die besten Karten.

Auch für dieses Duo gilt: nicht nachlassen. Vor allem der spielstarke Mittelfeldzugang Martin Dausch sitzt beiden im Nacken – wenn er sich nicht gerade mit Benjamin Köhler um den Platz auf der linken Seite duelliert. Und im Angriff heißt es für Adam Nemec, Simon Terodde, Steven Skrzybski und eben Brandy Vier aus Zwei.

Kopplin, Quiring und Puncec sind Verlierer der Vorbereitung

Bei so viel Siegern gibt es natürlich auch Verlierer. Innenverteidiger Roberto Puncec wird sich ebenso hinten anstellen müssen wie Abwehrspieler Björn Kopplin und Mittelfeldflitzer Christopher Quiring auf rechts. Neuhaus: „Björn hat die ersten beiden Wochen in der Vorbereitung völlig verschlafen. Jetzt kommt er so langsam, weil er gemerkt hat: Oh, so geht’s nicht, ich muss ein bisschen mehr tun.“ Gleiches trifft wohl auch auf Quiring zu.

Gleichwertige Alternativen bedeuten weniger Leistungsabfall – die erste Voraussetzung, wenn man um die Aufstiegsplätze mitspielen will. Union hat sich dies einiges kosten lassen: Beim Rekordetat von erstmals über 20 Millionen Euro dürfte allein die Hälfte auf das kickende Personal entfallen.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt: Der Union-Jahrgang 2013/14 kann eine große Zukunft vor sich haben. „Wir sind in der Breite sehr gut aufgestellt. Wenn mal etwas passieren sollte, sind Spieler da, die das eins zu eins ersetzen können“, erklärt Kapitän Mattuschka. Wohl wissend, in welch komfortabler Position er sich befindet: „Das ist auch für den Trainer gut, keiner kann sich zurücklehnen. Das wird manchmal sicher fies, eine Entscheidung zu treffen. Zum Glück bin ich kein Trainer.“