1. FC Union

Union ist nach dem Sieg gegen Celtic in der Zwickmühle

Der erfolgreiche Härtetest gegen Glasgow und die Eröffnung der neuen Haupttribüne lassen die Bundesliga mehr und mehr ins Bewusstsein des Union-Umfelds rücken. Trainer und Team ist das nur bedingt recht.

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Nun ist es also doch passiert. Obwohl mit allen Mitteln versucht wurde, es zu verhindern. Schon nach dem Sieg gegen Dundee United (4:1) vor einer Woche hatte Trainer Uwe Neuhaus klargestellt: „Ich sehen dem Saisonstart optimistisch entgegen, aber nicht euphorisch.“ So ähnlich dürfte die Stimmungslage insgesamt beim 1. FC Union gewesen sein.

Doch während des 3:0 gegen Celtic Glasgow im Rahmen der Haupttribünen-Einweihung waren von den Rängen erstmals Rufe zu hören, die es bislang nicht gegeben hat. Auch wenn sie nur vereinzelt zu vernehmen waren, klang doch deutlich hindurch: „Nie mehr Zweite Liga, nie mehr, nie mehr.“

Es ist nicht mehr wegzudiskutieren: Die Euphorie an der Alten Försterei ist da. Dafür haben die Neuhaus-Schützlinge mit ihrer gelungenen Generalprobe gegen den schottischen Meister und der Verein mit der Vollendung des Stadions selbst gesorgt.

Mattuschka setzt auf die Fans

„Die Erwartung ist natürlich gestiegen nach so einem Spiel. Ist doch klar, dass die Fans euphorisch sind, wenn man gegen Celtic Glasgow 3:0 gewinnt“, erklärte Kapitän Torsten Mattuschka: „Wir hoffen, dass uns die Fans auch so unterstützen, wenn es gegen Bochum vielleicht nicht so rund laufen sollte. Wir können endlich mal mit einem Heimspiel in die Saison starten. Das wollen wir natürlich gewinnen, und dann werden wir sehen, wir lange die Euphorie anhält.“

Die reibungslose Vorbereitung, dazu die Leistungen und Ergebnisse in den Härtetests gegen die beiden schottischen Erstligisten haben die Köpenicker in eine Zwickmühle gebracht. Zum einen ist da immer wieder vom guten Gefühl die Rede, mit dem man dem Saisonstart am nächsten Sonntag gegen Bochum entgegenblickt. „Wir haben Selbstbewusstsein und wissen, dass wir uns jederzeit Chancen erarbeiten können“, sagte Mattuschka.

Auch Trainer Neuhaus sieht „eine Menge Selbstvertrauen“, das gesammelt wurde: „Wir haben alles Mögliche getan, um gut gerüstet in das Spiel gegen Bochum zu gehen.“ Doch der Übungsleiter ist es auch, der nicht in die neue Begeisterung im Umfeld des Klubs einstimmen mag und mit Begriffen wie Geheimfavorit für den Aufstieg fremdelt. „Das interessiert mich relativ wenig. Wir wissen, dass wir gegen einen hochkarätigen Gegner ein gutes Spiel gemacht haben. Wir wissen aber auch, dass dies keine Garantie ist.“

Tausende besichtigen die neue Haupttribüne

Dem Zuspruch durch die Fans tut dies keinen Abbruch. Jene Tausende von Schaulustigen, die am Sonnabend das Innenleben der neuen Tribüne besichtigten, werden festgestellt haben, was bei Union möglich sein kann. Kaum jemand hätte vor sechs Jahren, als mit der Sanierung der Stehplatztraversen begonnen wurde, damit gerechnet, nun durch schmucke Vip-Logen und modernste Spielerkabinen wandeln zu können. Doch mit dem Neubau und den Auftritten der Mannschaft in den Tests manifestiert sich der Begriff Bundesliga mehr und mehr im Bewusstsein aller Unioner.

Dass einem Trainer die entfachte Euphorie nicht unbedingt recht ist, ließ Neuhaus nach dem Celtic-Spiel wissen. „Ich glaube, dass alle, die am Sonntag gegen Bochum ins Stadion kommen werden, von uns einen Sieg erwarten und verlangen“, so Neuhaus: „Dann wird man sehen, wie die Mannschaft damit umgeht, wenn es nach einer halben Stunde noch 0:0 steht und die ersten Murmeleien auf der Tribüne anfangen. Diese Dinge spielen ja keine Rolle, wenn man nicht um Punkte spielt.“ Doch die Geister, die Union am Freitagabend rief, wird der Klub wohl so schnell nicht wieder los werden.