Fußball

Zweitligist 1. FC Union ist bereits in sehr guter Form

Zwei Wochen vor Ligabeginn schlug Union den schottischen Erstligisten Dundee United mit 4:1 (2:0). Stürmer Adam Nemec erzielte für die Köpenicker die ersten beiden Treffer.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Den ersten Jubel gab es schon lange vor dem Anpfiff. Rund 40 Minuten, bevor am Sonntagabend das Testspiel zwischen dem 1. FC Union und Dundee United im Stadion An der Alten Försterei angepfiffen wurde, waren fast schon ekstatische Schreie aus dem Pressecontainer zu vernehmen.

Das halbe Dutzend schottischer Journalisten, das die Reise mit dem Premier-League-Klub nach Berlin angetreten hatte, ließ es sich nicht nehmen, ihren neuen Tennishelden zu feiern.

Gebannt und mit einem Lächeln schauten sie auf den Flachbildschirm im altehrwürdigen Pressebereich des Köpenicker Klubs, als Andy Murray die 77 Jahre dauernde Durststrecke endlich beendet hatte und mit dem goldenen Pokal in den Händen als erster britischer Wimbledonsieger seit 1936 über den grünen Rasen des All England Clubs schritt. Ein wahrlich erhebender Moment.

In zwei Wochen wird es ernst

Auch das Ergebnis auf dem gut gepflegten Grün an der Alten Försterei stimmte. Union gewann gegen die Schotten mit 4:1 (2:0) und fuhr vor 4118 Zuschauern den vierten Sieg im fünften Testspiel ein. Das kann sich durchaus sehen lassen.

Lange vor der Partie war auch klar, dass die Testphase beim 1. FC Union vor der in zwei Wochen beginnenden Zweitliga-Saison abgeschlossen ist. „Dass es jetzt so langsam dem Ende zugeht, ist ja nichts Neues. Natürlich versucht man jetzt nicht mehr, komplett durchzuwechseln oder auszuprobieren“, hatte Trainer Uwe Neuhaus angekündigt. Dass sich die Berliner für den ersten echten Härtetest erneut eine Mannschaft von der britischen Insel ausgesucht hatten, kommt nicht von ungefähr. „Ich habe schon ein Faible für britische Mannschaften. Schon als Spieler war es für mich wegen der Stimmung in den Stadien mit das Beste, was es gibt“, gestand Neuhaus, „und der ganze Verein tickt ja auch so.“

Wer einen Blick auf die nahezu vollständig fertige neue Haupttribüne wirft, kommt nicht umhin, beim Bau mit seiner Optik und der Klinkerfassade britische Einflüsse zu erkennen.

Stammformation kristallisiert sich langsam heraus

Sportlich wollte der Coach die Partie gegen den Sechsten der vergangenen schottischen Erstligasaison nicht als klaren Beleg auf eine mögliche Stammformation verstanden wissen. „Es haben sich auch schon einige im letzten Vorbereitungsspiel rausgespielt oder in den letzten Einheiten raustrainiert“, sagte der Coach: „Diese Möglichkeit halte ich mir natürlich auch dieses Mal wieder offen.“

Deutliche Hinweise, wie die Startelf für das erste Punktspiel gegen den VfL Bochum (21. Juli) aussehen könnte, gab es dennoch. So agierte vor Torwart Daniel Haas eine Viererkette mit Mario Eggimann und Fabian Schönheim in der Innenverteidigung sowie Marc Pfertzel (rechts) und Michel Parensen (links) außen. Auch das Mittelfeld mit Damir Kreilach auf der Sechserposition, Baris Özbek rechts und Kapitän Torsten Mattuschka im Zentrum wird man so im Laufe der Saison sicherlich des Öfteren spielen sehen.

Couragierter Auftritt von Steven Skrzybski

Auf links durfte Benjamin Köhler ran, Martin Dausch saß dafür zunächst auf der Bank. Und im Angriff spielte Steven Skrzybski neben Adam Nemec.

Konzentriert und auch zielstrebig ging Union zu Werke. Laufbereitschaft, Einsatzwillen, Spielfreude – alle drei Komponenten waren gestern Abend zu sehen. Vor allem der 20-jährige Skrzybski wollte offensichtlich Pluspunkte sammeln im Kampf um die Stammplätze. Seine Chancen (18., 23., 24.) fanden jedoch nicht den Weg ins Tor. Sturmkollege Nemec war da schon zielsicherer. Nach einer Vorlage von Parensen erzielte der Slowake aus Nahdistanz das 1:0 (29.), neun Minuten später erhöhte er nach einem Eckball auf 2:0 für die Hausherren.

Zur zweiten Halbzeit wechselte Dundee-Coach Jackie McNamara nahezu die komplette Mannschaft aus. Union-Trainer Neuhaus schickte derweil die gleiche Elf zurück aufs Feld – mit einer Ausnahme: Für Schönheim spielte nun Christian Stuff im Abwehrzentrum neben Eggimann. Und nun hatte auch Skrzybski sein Erfolgserlebnis. Von Nemec angespielt, legte sich der Angreifer der Ball kurz zurecht und schloss ins linke untere Eck zum 3:0 ab (62.).

Trainer Neuhaus ist dennoch nicht ganz zufrieden

Dann war auch bei Union Wechselzeit. Mit großem Jubel wurden Köhler, Skrzybski und Nemec verabschiedet, Sören Brandy, Martin Dausch und Simon Terodde kamen (65.). Prompt erhöhte Terodde auf 4:0 (68.), kurz darauf köpfte Brian Graham noch den Ehrentreffer (70.). „Das Gegentor hat mich geärgert“, sagte Neuhaus. Der schottische Erstligist befindet sich übrigens erst seit einer Woche in der Saisonvorbereitung, was die gute Leistung der Berliner aber keinesfalls schmälern soll.

Um gleich einmal Euphorie vorzubeugen meinte der nicht ganz zufriedene Neuhaus: „Wir hätten eher in Führung gehen müssen und haben noch viel Arbeit vor uns.“