Zweite Liga

Bei Union war das Gerangel um die Stammplätze nie größer

Weil jede Position beim 1. FC Union erstmals doppelt gut besetzt ist, wird um die Startelf gekämpft wie nie zuvor. Vor allem auf drei Positionen hat Trainer Uwe Neuhaus ab sofort die Qual der Wahl.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Der Trainer hatte es angekündigt. Dass Uwe Neuhaus die Startformation im Testspiel gegen den tschechischen Zweitligisten Banik Most (2:2) dann tatsächlich 90 Minuten lang durchspielen ließ, überraschte trotzdem. Mehrheitlich wurde mit Wechseln nach 70 Minuten gerechnet.

„Es waren schwierige Bedingungen und ein Gegner, der richtig dagegen gehalten hat“, bilanzierte der Coach die Partie: „Natürlich hätte ich das Spiel lieber gewonnen, aber es ist auch wichtig, dass die Spieler mal über 90 Minuten gehen. Ich glaube, auch dieses Spiel bringt uns weiter.“

Kein Problem für Sören Brandy. Unions neuer Stürmer kam gestern nach der routinemäßigen Untersuchung beim Internisten zum Termin für das Mannschaftsfoto geschlendert, verpasste damit die Trainingseinheit am Vormittag. Nachwirkungen ob der ersten 90 Minuten im Union-Dress: „Ein wenig, aber morgen sind dann die Anderen dran“, sagte der Ex-Duisburger.

Babelsberg wird zum Prüfstein

Am Mittwoch spielen die Köpenicker beim Regionalligisten Babelsberg 03 vor (19 Uhr, Karl-Liebknecht-Stadion). Dann müssen „die Anderen“ den guten Eindruck, den die Elf gegen Most hinterlassen hat, mindestens bestätigen.

Im Falle von Baris Özbek könnte das schon schwierig werden. Der Mittelfeldspieler zählte gegen die Tschechen zu den Aktivposten. „Auch wenn das nur ein Freundschaftsspiel ist, will ich es nicht verlieren. Ich habe auch den Jungs gesagt: Ihr dürft das nicht nur als Freundschaftsspiel sehen, jeder sollte in solchen Spielen auch Kondition sammeln. Das bringt alles Kraft für das nächste Spiel“, sagte Özbek.

Eines ist in jedem Fall sicher. Nie war der Kampf um einen Platz in der Anfangsformation beim 1. FC Union härter als in diesem Jahr. Denn erstmals scheint der Kader auf jeder Position doppelt gut besetzt zu sein. „Es ist immer wichtig für eine Mannschaft, dass viel Konkurrenzkampf ist. Das bringt ein Team nur weiter“, weiß Özbek: „Im vergangenen Jahr war das nicht so, da hatte man eher den Eindruck: Ach, ich spiele ja sowieso. Das ist jetzt viel besser. Wenn ich schwach bin, dann soll ein neuer Spieler kommen und sich voll reinhauen.“

Das Personallotto beginnt

Und genau das tun die Spieler seit nunmehr gut zwei Wochen. Vor allem auf drei Positionen geht es heiß her in diesen Tagen. Stichwort Innenverteidigung. Mit Mario Eggimann, Fabian Schönheim, Christian Stuff und Roberto Puncec hat Neuhaus wie gewünscht ein Quartett, aus dem er wählen kann. Da der Bundesliga-erfahrene Eggimann (32) gesetzt sein dürfte, heißt das Personallotto eins aus drei.

Und Chancen hat jeder aus dem Trio. Schönheim (26) dank einer guten Saison 2012/13, Stuff (30) dank seiner hinlänglich bewiesenen Qualitäten als Spätstarter und Puncec (21) ob seines jungen Alters. Schon in der vergangenen Spielzeit machte der Abwehrmann einen Sprung nach vorn, an der Seite von Eggimann dürfte ihm der nächste Schritt gelingen.

Stichwort linkes Mittelfeld. Da Björn Jopek nach seinem Kreuzbandriss noch Monate ausfällt, wurde Benjamin Köhler verpflichtet. Der gebürtige Berliner hat sich in seiner Bundesligazeit den Ruf als Kämpfer erarbeitet. Sein Konkurrent Martin Dausch wiederum zeigte auch im Test gegen Most wieder, dass er Union spielerisch weiter voranbringen kann.

Parensen kann auch Abwehr

Nicht zu vergessen ist Michael Parensen, lange auf der linken Außenbahn gesetzt. Doch der Vize-Kapitän eröffnet dank Dausch/Köhler einen anderen Zweikampf: den links in der Abwehr mit Patrick Kohlmann. Wählt der Trainer dort eine offensivere Variante, hätte Parensen keine schlechten Karten.

Stichwort Angriff. Sören Brandy macht mit seiner Variabilität im Sturm dem Duo Adam Nemec/Simon Terodde mächtig Dampf. Und da die Torjäger der Vorsaison sich vom Spielertyp her ähneln, ist es gut möglich, dass sich einer von beiden schon mal auf der Bank wiederfindet – so wie Terodde gegen Most.

„Ich finde es wichtig, dass wir nicht nur gute Fußballer, sondern auch gute Charaktere verpflichtet haben“, sagte Özbek, der sich mit Dausch und Brandy schon gut versteht. Und es macht den härtesten Kampf um die Stammplätze vielleicht ein wenig erträglicher.