Zwei große Tonnen stehen an der Ecke neben dem sattgrünen Trainingsplatz. Randvoll mit frischem Wasser. Sie werden ganz schön oft angesteuert an diesem Vormittag bei mehr als 30 Grad in der prallen Sonne. Manche Fußballprofis tauchen etwas schüchtern nur die Hände ein und kühlen sich kurz das Gesicht, andere stecken weniger zurückhaltend den ganzen Kopf hinein. Als die Trainingseinheit beim 1.FC Union vorüber ist, steigen Michael Parensen und Florian Brüggemann gleich ganz in die Tonnen rein und wollen eigentlich nicht mehr herauskommen.

Es hat es schon in sich, bei diesem Wetter körperliche Anstrengungen zu unternehmen. „Da muss man Rücksicht nehmen“, sagt Uwe Neuhaus, der Trainer des Berliner Zweitligisten. Deshalb lässt er vorwiegend mit dem Ball üben, erst Pässe, dann in einem ausgedehnten Spiel. Harte Tempoläufe bleiben aus, Neuhaus will die Profis nicht auspowern, „dann würde ich ja keinen Wert auf das Spiel am Donnerstag legen“. Die erste Testpartie ist dem Coach, der noch nach einem Stürmer sucht und den möglichst bald haben möchte, schon wichtig, Regionalliga-Aufsteiger Viktoria 89 ist der Gegner (Lichterfelde, 19 Uhr). Spielen darf jeder mal, kündigt der Trainer an.

In der Breite besser aufgestellt

Trotz der Bedingungen kann Torsten Mattuschka nach dem Training noch lachen. „Ein bisschen warm ist es“, sagt der Kapitän, das macht ihm ein bisschen zu schaffen. Aber sonst: „Ich fühle mich gut, habe keine schweren Beine bis jetzt.“ Hinter ihm liegt eine angenehme Sommerpause, in der er zelten war. Vor ihm die Herausforderung, sich in einem voller gewordenen Mittelfeld bei Union zu behaupten. Mit Martin Dausch und Benjamin Köhler hat der Klub ambitionierte Leute für die kreative Offensive geholt. Die interne Konkurrenz wird größer. „Ich denke, das ist der Sinn und Zweck der Sache. Ziel des Vereins und des Trainers war es, in der Breite besser aufgestellt zu sein als in den vergangenen Jahren“, so Mattuschka. Er hält das für gelungen angesichts der Zugänge.

Köhler etwa kommt auf 168 Bundesligaspiele für Eintracht Frankfurt. Das merkt man, findet Mattuschka. „Jeder neue Spieler mit einer solchen Qualität tut uns gut, dadurch sind wir weniger ausrechenbar“, sagt der Mittelfeldstratege. Im Training spielten am Mittwoch beide in einem Team, auch gegen Viktoria laufen sie so auf. Der Kapitän glaubt, dass sie gut klarkommen werden auf dem Platz. Obwohl Köhler wie Dausch darum kämpft, dem Platzhirsch in der Alten Försterei den Rang abzulaufen. Über das Potenzial verfügen sie.

Beste Werte in der vergangenen Saison

Mattuschka nimmt es gelassen, seinen Platz wollten schon viele. Aber gerade vergangene Saison unterstrich er mit zehn Toren und zwölf Vorlagen seinen Wert. „Ich denke, ich habe meine beste Saison gespielt“, sagt Mattuschka. Er hofft, dass er gesund bleibt in der Vorbereitung, er weiß, dass er sich auf der Vergangenheit nicht ausruhen kann: „Jeder muss sich jedes Jahr neu beweisen. Mein Ziel ist es, am ersten Spieltag in der Elf zu stehen.“

Ob er seine Pläne umsetzen kann, wird auch über seine Zukunft entscheiden. Mattuschkas Vertrag läuft aus nach der Saison, ohne irgendwelche Klauseln. Er wird dann 33 Jahre alt sein. Wenn er seine Position nicht halten kann, verschlechtert das seine Argumente für eine Weiterbeschäftigung. „Ich werde alles dafür geben, dass ich so viele Spiele wie möglich mache und versuchen, der Mannschaft zu helfen. Dann werde ich sehen, ob der Verein vorhat, mit mir zu verlängern. Wenn nicht, muss ich halt gucken“, erzählt der Kapitän, den ein bisschen Regen bei diesen Temperaturen nicht stören würde. Er hat so eine Ahnung. Am Freitag, wenn Neuhaus den Profis einen halben freien Tag gewährt, da wird es dann wohl regnen.