Die ersten Rufe hört man schon, da hat man den kleinen Waldweg, der von der Straße an der Wuhlheide ausgehend hinter dem Stadion an der Alten Försterei entlangführt, gerade erst einmal zur Hälfte passiert.
Und mit jedem Schritt, mit dem man sich fortan dem Trainingsgelände des 1. FC Union nähert, werden die Stimmen lauter, die Geräusche intensiver. Das Ploppen des Balles, der den Fuß verlässt, Laufgeräusche auf perfekt gepflegten Rasen. Und Rufe, immer wieder laute Rufe.
„Ranrücken. Zustellen. Attackieren.“ Immer wieder gibt Uwe Neuhaus Kommandos, unterbricht die Übungen seiner Profis. Mit Schritten und angedeuteten Laufwegen gibt der Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten den Spielern zu verstehen, was falsch gelaufen ist oder besser gemacht werden kann.
Zuschauer mit verschränkten Armen
Wenige Sekunden später findet das Spiel auf dem Kleinfeld seine Fortsetzung. Wieder steht Neuhaus daneben und schaut akribisch zu, mal mit verschränkten Armen vor der Brust, mal in leichter Hocke, um noch besser beobachten zu können
Wer die Mannschaft des 1. FC Union in den ersten Tagen der Vorbereitung auf die Saison 2013/14 erlebt, sieht Spieler, die in höchster Intensität dem Ball hinterherjagen. „Alle sind immer bei hundert Prozent“, freut sich der Coach, „das liegt in der Natur der Sache. Es ist keiner dabei, der sagt: „Ich habe jetzt ein bisschen Zeit, ich kann es langsam angehen lassen.“ Fünf Wochen bis zum ersten Anpfiff klingt viel, doch um neue Spieler zu integrieren, bleibt da nicht wirklich viel Zeit.
Das Ziel der ersten Übungseinheiten ist klar: Sowohl die Ausdauer als auch das Gefühl für den Ball sollen so schnell wie möglich her. Das spielerische Element, vor allem, wenn man unter Druck steht, soll weiter erhöht werden. „Wir müssen zusehen, dass wir ein Gefühl für die Räume kriegen“, ruft Neuhaus den Spielern bei der nächsten Unterbrechung zu.
Profis legen einen Zahn zu
Und als es weiter geht: „Komm schon, komm schon, umschalten. Und schneller.“ Die Profis legen noch einen Zahn zu. Wer will schon des Trainers Strafe ableisten, die da lautet: „Wenn ich einen sehe, der den Ball absichtlich ins Aus schießt, der läuft drei Platzrunden im Vollsprint.“
Wegen der Kürze der Zeit wurde auf ein Lauftrainingslager verzichtet, anders als noch vor einem Jahr, als die Pause wegen der EM in Polen und der Ukraine ungleich länger gewesen ist. „Wir haben jetzt nicht mehr so viel Zeit, um Grundlagenausdauer zu trainieren“, verdeutlicht Neuhaus. Außerdem sei man ohnehin schon während der Saison so lange zusammen, „da muss ich die Mannschaft nicht noch für eine Woche versammeln, um laufen zu gehen“. Das wird nun nachmittags erledigt, im Wald.
Die Mischung zwischen Kondition bolzen und ersten Ballübungen kommt an. Zugang Mario Eggimann ist jedenfalls begeistert. „Die Vorbereitung ist immer umfangreich, das kennt man ja. Aber dass wir auch viel mit dem Ball machen, viele Spielformen, das finde ich sehr gut. Das ist schlussendlich das, was man braucht. Und ich glaube, dass wir alle mit dem Ball vielleicht noch einen Tick drauflegen können“, sagt der 32-jährige Schweizer.
Verteidiger Pfertzel greift sich an den Knöchel
Spielerwechsel – während die einen jetzt mit Stabilisierungsübungen fortfahren, müssen nun die anderen zur Ballhatz. Plötzlich ein Schreckmoment: Verteidiger Marc Pfertzel bleibt nach einen Zusammenprall kurz liegen, greift sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Knöchel. Doch Entwarnung, Sekunden später springt der Franzose wieder auf und ist schon im nächsten Zweikampf.
Nach plötzlichem Ballverlust ruft wieder der Trainer: „Sofort zupacken, von allen Seiten, nicht umdrehen, das ist so wichtig.“ Dann schlägt Verteidiger Björn Kopplin einen Ball hoch und weit weg. „Björn, das ist doch Wahnsinn“, rüffelt Neuhaus.
Martin Dausch, Unions neuer Mittelfeldspieler, musste sogar schon ein wenig kürzer treten. Wegen Schmerzen im linken Knie nach operiertem Außenmeniskus zog es den 27-Jährigen am Montagvormittag zum Arzt statt auf den Trainingsplatz. Der erste Untersuchung blieb ohne Befund, dennoch soll eine MRT in den nächsten Tagen für Klarheit sorgen. Am Nachmittag war Dausch wieder dabei.





