Ein bisschen verlegen tut er dann doch, als er auf die Verzierungen an seinen beiden Unterarmen angesprochen wird. „Ach, das sind bloß irgendwelche Tattoos. Das gefällt mir einfach“, sagt Benjamin Köhler. In diesem Moment wirkt er nicht wie ein gestandener Profi im Alter von 32 Jahren, sondern wie jener Lausbub, der in den Fußball-Käfigen des Märkischen Viertels das Kicken erlernt hat.
Dabei haben die Bilder auf seinen Armen durchaus etwas zu erzählen. Auf dem rechten Arm ist eine große „7“ zu erkennen, in ihr sind Schlagworte wie Freedom, Friendship, Power, Health oder Success zu lesen – Frieden, Freundschaft, Kraft, Gesundheit und Erfolg. Gleich daneben ist die Skyline von Berlin, seiner Heimatstadt, zu sehen, mit Fernsehturm und Brandenburger Tor.
Es kommt nicht von ungefähr, wenn Köhler in jedem Gespräch zu verstehen gibt: „Ich hatte einfach den Wunsch, wieder nach Berlin zu kommen.“ Der 1. FC Union hat ihm diesen Wunsch erfüllt, mit einem Einjahresvertrag.
Kontakt nach Berlin nie verloren
Den Kontakt zu seiner Heimat hat er nie verloren, nicht nur wegen des Tattoos auf seinem Arm. Schon zu seinen Bundesliga-Zeiten bei Eintracht Frankfurt, für die er insgesamt 32 Tore in 229 Spielen erzielte, flog er so oft es ging zurück in die Heimat. Dorthin, wo die Bolzplätze den 1,72-Meter-Mann in früher Kindheit geprägt haben. „Die kenne ich noch alle, einige haben inzwischen Kunstrasen“, erzählt Köhler. Zu seiner Zeit kickte man auf Beton oder Asphalt.
Seine Augen werden ein wenig größer, als er an die Zeit zurückdenkt, als er unter anderem mit seinem Freund Karim Benyamina dem Ball hinterherjagte. Jenem Benyamina, der bei Union mit 86 Treffern Rekordtorschütze ist. „Wir sind zusammen aufgewachsen damals“, sagt Köhler. Wohl wissend, dass Benyamina, inzwischen beim Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC unter Vertrag, „fast schon eine Legende bei Union ist“.
Es war die Zeit, als man noch nicht wirklich daran dachte, einmal mit dem Fußball sein Geld zu verdienen. „Das kam erst mit 14, 15 Jahren. Alles wurde professioneller, und ich habe gemerkt: Okay, es geht was.“ Und es schien etwas zu gehen, seinerzeit bei Hertha BSC, wo sich Köhler anschickte, zusammen mit Torben Marx, Oliver Schröder oder Malik Fatih die große Fußballwelt zu erobern.
Vier Bundesliga-Minuten für Hertha BSC
Doch für Köhler blieb es bei einem Einsatz bei den Hertha-Profis: Im November 2000 wurde er beim 4:0 der Herthaner bei Eintracht Frankfurt in der 86. Minute eingewechselt.
„Es gibt immer ein, zwei Spieler, die den Sprung wirklich schaffen. Dazu kommen noch drei oder vier, die gute Fußballer sind und das Potenzial haben“, erklärt Köhler. Doch der Platz für Profifußballer, vor allem Anfang des Jahrtausends, ist beschränkt. „Man muss dann halt einen anderen Weg finden, auch wenn es schwer fällt, seine Heimatstadt zu verlassen“, sagt Köhler. Er wagte den Schritt, ließ sich nach Duisburg ausleihen, wechselte zu Rot-Weiss Essen, dann zu Eintracht Frankfurt, schließlich im vergangenen Winter zum 1. FC Kaiserslautern.
Den Wechsel in die Pfalz kommentiert Köhler mit gemischten Gefühlen. „Ich hatte lange überlegt, ob ich wechseln oder weiter hoffen soll, in Frankfurt wieder zu spielen. Ich habe mich dann aber dafür entschieden, auch weil Lautern sich bemüht hatte“, blickt Köhler zurück.
In Kaiserslautern nicht auf der Wunschposition
Richtig glücklich wurde er beim Vorjahresdritten der Zweiten Liga jedoch nie: „Ich habe auch nicht auf meiner Wunschposition gespielt.“ Defensives Mittelfeld statt linker Außenbahn, dass wollte nicht funktionieren. „Aber auf Grund der Erfahrung, die ich machen konnte, war es kein verlorenes halbes Jahr“, sieht Köhler das Positive.
Diese positive Einstellung will Köhler nun für Union auf den Rasen der Alten Försterei bringen. „Es war beidseitiges Interesse“, erzählt er. Der Kontakt, den er mit Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischem Leiter, seit der Essener Zeit hatte, ist nie abgebrochen. „Er hatte ja schon einmal angefragt, als ich noch in Frankfurt war“, erinnert sich Köhler. Doch die finanzielle Situation bei den Köpenickern ließ einen Transfer damals nicht zu. „Umso schöner ist es, dass sich Union nun mit Kaiserslautern einigen konnte.“
Sohn Dian ist immer mit dabei
Köhler wirkt entspannt, als er die Worte sagt und dabei hinüber zum Stadion blickt. Vielleicht liegt es auch daran, dass er seit fast fünf Jahren Familienvater ist. Sein Sohn Dian ist stets bei ihm, als Namenstattoo auf seinem linken Arm oder als Konterfei auf seiner Körperseite.
„Ich will zeigen, dass ich es immer noch drauf habe“, kündigt Köhler an, ruhig und abgeklärt. „Fehler oder schlechte Spiele gehören einfach dazu, da mache ich mir nicht mehr so einen großen Kopf. Früher war das anders.“ Gelassenheit hat die Verlegenheit längst abgelöst.





