Schon bei den ersten Klängen der Vereinshymne von Nina Hagen waren alle aufgestanden von den Rängen im Stadion an der Alten Försterei. So wie sie es immer tun, wenn ihr Lied aus den Lautsprechern ertönt. Das schafft Identifikation und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit. Emotionen, auf die die Anhänger des 1. FC Union immer Wert legen werden. So war es für die Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten fast schon eine schöne Pflicht, dem Trainingsauftakt ihrer Helden beizuwohnen. Bei Bier und Bratwurst und mit großer Vorfreude auf das fünfte Jahr im Bundesliga-Unterhaus nach dem Wiederaufstieg 2009.

Diesmal keine Pfiffe gegen Haas

Rund 3500 Besucher hatten sich also auf der Gegengeraden versammelt. Die Haupttribüne ist wegen der letzten Arbeiten im Innenbereich knapp vier Wochen vor ihrer kompletten Eröffnung gesperrt gewesen. Der Euphorie, die im Vorfeld des Spieljahres 2013/14 herrscht, tat dies keinen Abbruch.

Das bekamen vor allem die Spieler zu spüren, die in der Reihenfolge ihrer Rückennummern von Stadionsprecher Christian Arbeit vorgestellt wurden. Den Anfang machte Torwart Daniel Haas. Und anders als bei der Vorstellung im vergangenen Jahr durfte er sich über ein lautstarkes „Fußballgott“ freuen. 2012 gab es noch Pfiffe. Viele hatten es nicht verschmerzen können, dass er den langjährigen Stammtorhüter Jan Glinker ablösen sollte. Doch die Leistungen in den vergangenen Monaten haben die Wogen geglättet.

Mit mehr Applaus als sonst üblich wurden auch die vier Zugänge bedacht. Martin Dausch, der die Rückennummer 10 tragen wird, ebenso wie der Schweizer Mario Eggimann (Nr. 15), der Ex-Herthaner Benjamin Köhler (Nr. 18), der erst am Freitag einen Einjahresvertrag bei den Köpenickern unterschrieben hat, und Damir Krailach (Nr. 19). „Das ist schon am ersten Tag eine tolle Kulisse hier“, sagte Eggimann. Auch Dausch freute sich über die tolle Begrüßung: „Ich hatte vier tolle Jahre in Aalen. Doch jetzt wird es Zeit, hier bei Union Geschichte zu schreiben.“ Der Kroate Krailach will mithelfen, „dass der Verein seine Ziele erreicht“. Und Köhler meinte: „Ich bin startklar, von mir aus kann es direkt losgehen.“ Am meisten gefeiert wurden die Helden der vergangenen Saison. Kapitän Torsten Mattuschka bekam den größten Applaus, auch sein Lied, das ihn als „besten Mann“ auszeichnet, wurde sogleich angestimmt.

„Jeder hat seine Hausaufgaben gemacht“

„Alle machen einen optisch guten Eindruck“, sagte Trainer Neuhaus. Schon am Vormittag hatte er die Profis bei der ersten Einheit unter die Lupe genommen. Um 9 Uhr hatten sich die Akteure zum Laktattest auf dem Sportplatz in der Dörpfeldstraße in Adlershof eingefunden. Als dritter Torhüter lief dabei der bisherige A-Jugendliche Florian Brüggemann seine Runden. Der bislang als Nummer drei eingeplante Sebastian Patzler soll weiter den Konkurrenzkampf beleben. Mit Patzlers Leistungen war Trainer Neuhaus in der vergangenen Rückrunde der U23 nicht zufrieden. Anders als mit den Seinen nach dem Laktattest. „Ich denke, jeder hat seine Hausaufgaben gemacht“, sagte Neuhaus.

Auf die 25 Spieler warten bis zum Punktspielstart am 19. Juli fünf Wochen harter Arbeit. „In den nächsten 14 Tagen werden wir sicher zweimal in der Woche trainieren, damit sich jeder innerhalb der Mannschaft auch orientieren kann“, umriss Neuhaus den Ablauf: „Wenn die Müdigkeit jedoch zu groß werden sollte, werden wir auch mal ein Auge zudrücken“, fügte der Trainer hinzu.

Neben den Übungseinheiten warten auf die Köpenicker Kicker zudem nicht weniger als acht Testspiele in 26 Tagen. Den Auftakt macht das Duell beim Regionalliga-Aufsteiger BFC Viktoria 89 im Stadion Lichtefelde am Donnerstag (19 Uhr). Schon jetzt wurde deutlich, was auf die Spieler zukommen wird. Lockerer Aufgalopp? „Für mich gibt es keinen lockeren Aufgalopp“, machte Neuhaus deutlich, „wir wollten mit den Neuverpflichtungen die Qualität und den Konkurrenzkampf erhöhen. Ich denke, das ist uns auch gelungen.“

Und die Personalplanungen sind noch nicht abgeschlossen. Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischer Leiter, sagte: „Einer wird noch kommen.“ Mutmaßlich wird ein Stürmer den Kader komplettieren. Vom neuen Quartett erwartet auch Schäfer eine Steigerung der spielerischen Qualität. „Schon die Transfergespräche sind alle harmonisch verlaufen. Von denen, die jetzt da sind, bin ich hundertprozentig überzeugt.“

Premiere für das neue Outfit

Die Spieler zeigten, dass die vierwöchige Pause zeitlich zwar kurz, eigentlich aber doch zu lang gewesen ist. Beim ersten lockeren Trainingsspiel sprühten alle vor Einsatzfreude. So, als ginge es schon um die Startelf für das erste Punktspiel. Der Trainer, vom Urlaub gut gebräunt und gut gelaunt, genoss die Bereitschaft seiner Spieler in vollen Zügen. Einen Treffer gab es auch, Christopher Quiring war der Torschütze.

Eine Premiere feierte auch das neue Spieler-Outfit. So wird Union in den Heimspielen im roten Trikot mit weißen Ärmeln auflaufen, dazu weiße Hose und Stutzen. Auswärts wird ab sofort in grauem Trikot mit rotem Brustring, roten Hosen und Stutzen gespielt. Vor allem das Heimtrikot in den klassischen Union-Farben dürfte bei den Fans, die sich mit dem Verein identifizieren wollen, großen Anklang finden.