Schwarze Serie

Union kassiert in München höhnischen Applaus

Unions schwarze Auswärtsserie hält an. Gegen 1860 München reichte es nur zu einem 0:3. Von den Fans auf den Rängen gab es Beifall - der war allerdings ironisch gemeint.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Nichts geht mehr beim 1. FC Union in dieser Saison. Das wurde bei einem weiteren enttäuschenden Auftritt in der Fremde am Sonntag erneut mehr als deutlich. Auch dass der Anhang des Berliner Fußball-Zweitligisten ihre Mannschaft in der Schlussphase der Partie ausgiebig feierte, kann nur mit einem Wort umschrieben werden: Ironie. Denn was die Köpenicker beim 0:3 (0:2) bei 1860 München über weite Strecken ablieferten, hatte nicht einmal etwas mit dem oft gebrauchten Begriff Sommerfußball zu tun.

„Die Ironie kann ich verstehen“, sagte Torsten Mattuschka, der Kapitän, „es ist doch normal, dass die Fans auch abkotzen, wenn wir seit Wochen solche Leistungen abliefern.“ Trainer Uwe Neuhaus äußerte sich diplomatisch: „Wir waren ein guter Gast. Ich will der Mannschaft nicht das Wollen absprechen. Wir haben den Gegner aber zu Toren eingeladen.“ Die Folge: Union rutschte vom siebten auf den neunten Platz ab, derweil die Löwen Rang sechs festigen konnten.

Der Coach hatte sein Team auf vier Positionen verändert. Links in der Abwehr verteidigte Björn Kopplin für Patrick Kohlmann, der sich kurzfristig mit Hexenschuss abmeldete. Für Kopplin spielte Marc Pfertzel auf der rechten Seite. Und im rechten Mittelfeld agierte wie erwartet Christopher Quiring, Baris Özbek rückte nach links, Björn Jopek musste zunächst auf die Bank. Den Nachweis, ins obere Drittel der Tabelle zu gehören, konnte Union jedoch nicht abliefern.

Münchner legen gegen Union ihren Heimkomplex ab

Ganz anders die Münchner. Endlich wollten sie ihren Heimkomplex im Jahr 2013 ablegen. Sechsmal waren sie vor heimischer Kulisse angetreten, sechsmal gab es keinen Sieg. Doch Union erwies sich einmal mehr als Aufbaugegner. Nach 25 Minuten konnte Moritz Stoppelkamp – von allen Berlinern allein gelassen – vor das Tor von Daniel Haas flanken, wo Benjamin Lauth mühelos per Kopfball vollendete, 0:1. Der Angreifer beendete damit seine Torflaute nach 728 Minuten. In der ersten Nachspielminute der ersten Halbzeit traf Stoppelkamp selbst, nachdem sich die Hausherren mühelos durch die Mitte der Union-Defensive kombiniert hatten.

Und nachdem Ex-Herthaner Rob Friend aus fünf Metern über das Tor geköpft hatte (Kopplin kam zu spät), krönte sich Lauth vor 18.100 Zuschauern auch noch zum Rekordschützen bei 1860. Nach einem Kopfball von Guillermo Vallori fälschte er den Ball unerreichbar für Pfertzel auf der Torlinie zum 0:3 ab (63.). Es war Lauths 81. Treffer im Löwen-Trikot.

Als die Münchner dann einen Gang zurückschalteten, traf der eingewechselte Steven Skrzybski den Pfosten (71.) und Adam Nemec per Kopfball die Latte (85.) – zu wenig für Union, um im achten Duell mit 1860 seit dem Aufstieg erstmals zu gewinnen, geschweige denn, die schwarze Serie von Gastspielen in Bayern (vier Remis, neun Niederlagen) zu beenden. Und nach nur einem Sieg in sechs Spielen droht Union einen immer noch guten Saisoneindruck endgültig zu verspielen.