Australien

Ex-Unioner Polenz spielt in Australien um den Titel

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John Hennig

Foto: Malte Christians / pa/dpa

Im Sommer vergangenen Jahres flüchtete der Berliner Jerome Polenz vom Zweitligisten 1. FC Union nach Australien. Dort fand er nicht nur sein Glück als Fußballprofi, sondern auch seinen Humor wieder.

Es gibt ein Bild, noch keinen Monat alt, das alles aussagt über das neue Leben von Jerome Polenz. Darauf zu sehen ist Julia Gillard inmitten des Teams der Western Sydney Wanderers, in den Händen hält Australiens Premierministerin ein Trikot mit ihrem Namen. Polenz steht direkt dahinter – im Pikachu-Kostüm. Er habe Gillard den Harlem Shake vorgeschlagen, kommentierte er selbst das Bild, doch sie habe dankend abgelehnt.

Auch wenn die Kostümfassung des Fotos sicherlich am Computer entstanden ist – dieses Szenario wäre in Polenz’ alter Heimat undenkbar gewesen. Zum einen lässt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel eher selten beim 1. FC Union blicken, zum anderen war Jerome Polenz zuletzt in Berlin auch nicht gerade zu Späßen aufgelegt. Mit Trainer Uwe Neuhaus kam er beim Berliner Fußball-Zweitligisten nie wirklich zurecht. „Darüber möchte ich gar nicht mehr reden“, sagt Polenz.

Doch damals geriet die Karriere, die ihn zuvor in die Junioren-Nationalmannschaft und den Bundesliga-Kader von Werder Bremen führte, ins Stocken. Für neun Monate wurde Polenz bei Union sogar aus dem Kader verbannt. Nur 14 Einsätze bei den Profis standen für ihn in zwei Jahren zu Buche.

Inspiration durch Thomas Broich

Er habe dann entschieden, „etwas Neues zu wagen“, sagt Polenz. Der 26-jährige gebürtige Berliner hatte den Dokumentar-Film „Tom meets Zizou“ über Thomas Broich und dessen sportlichen Neuanfang down under gesehen und sich inspirieren lassen. Broich, der einzige andere Deutsche in der Liga, wurde zwei Mal in Serie mit Brisbane Roar australischer Meister und im Vorjahr als bester Spieler der Liga ausgezeichnet.

Schließlich entschied sich auch Polenz mit seiner Frau Svenja für das Abenteuer Australien – und heuerte bei den Western Sydney Wanderers an, die erst 2012 gegründet wurden. „Ein paar Monate zuvor gab es noch keinen Spieler, keine Umkleideräume, keinen Trainingsplatz. Ich wusste nicht so richtig, was mich erwartet, aber manchmal muss man im Leben halt ein Risiko wagen“, sagt Polenz.

Ein halbes Jahr später sind die Wanderers die Erfolgs-Geschichte des australischen Sports, führen kurz vor Ende der regulären Saison sensationell die Tabelle an. Erst am Sonnabend gab es beim 1:1 gegen Sydney FC nach zehn Siegen in Folge einen Dämpfer. „Das war alles andere als zu erwarten“, meint Polenz.

Australische A-League hat sich gut entwickelt

Anders als bei Union hat er seine Rolle bei den Wanderers sofort gefunden. Nur zwei Mal fehlte er in der Startformation: einmal war er gesperrt, einmal wurde er geschont. Ansonsten spult Polenz auf der rechten Abwehrseite seriös sein Pensum ab: „Man muss topfit sein, um hier bestehen zu können. Ich hatte mich zum Glück in Bremen fit gehalten, denn das ist hier schon oberes Zweitliga-Niveau. Die A-League hat sich sehr gemacht und gut entwickelt.“

Genauso wie Jerome Polenz seit seinem Wechsel. „Ich bin ganz froh, dass ich auf dem Trainingsplatz nicht jeden Tag Schnee sehe, sondern mich eher gut mit Sonnenschutz eincremen muss“, erzählt er mit einem Lächeln im gut gebräunten Gesicht. Durch die Erfolge steigen auch die Zuschauerzahlen in Parramatta, 30 Kilometer westlich von Sydney, wo die Wanderers ihre Heimspiele austragen, stetig.IIm Schnitt kommen inzwischen über 10.000. Dabei haben sich die Fans der Wanderers schnell den Ruf erarbeitet, die stimmungsvollsten im Lande zu sein.

Selbst der Saisonstart der beliebtesten Sportarten Aussie Rules Football und Rugby tut der riesigen Euphorie keinen Abbruch. Und so gibt Polenz nach Siegen oft sogar den Vorsänger. Das wäre in der Alten Försterei noch undenkbar gewesen.

Vertrag bereits bis zum Jahr 2014 verlängert

Und egal, wie das im April beginnende Play-off für die Wanderers ausgeht – Polenz hat wieder Spaß am Fußball: „Das war eine der besten Entscheidungen, die ich bisher getroffen habe.“ Das bleibt auch in Deutschland nicht unbemerkt. „Ich kriege sehr viele E-Mails. Ehemalige Mitspieler und Freunde, alle verfolgen das. Manche stehen auch morgens auf und sehen sich die Spiele im Live-Stream an“, erzählt Polenz: „Mir gefällt es hier richtig gut. Ich sehe keinen Grund, von hier weg zu gehen.“ Seinen Vertrag hat er schon um ein Jahr bis 2014 verlängert.