Zweite Liga

Union hofft auf ein Fußballfest vor Rekordkulisse

Der 1. FC Union empfängt den FC St. Pauli in der erstmals ausverkauften neuen Alten Försterei. Mehr als 20.000 Menschen werden dabei sein. Dabei gilt es, einiges wieder gutzumachen.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Einundzwanzigtausendvierhundertundzehn. Erstmals werden die Ränge in der Alten Försterei komplett gefüllt sein. Genauer gesagt: in der neuen Alten Försterei. 21.410 Zuschauer werden am Freitag meist stehend, auf der neuen Haupttribüne natürlich sitzend, die Zweitliga-Partie des 1. FC Union gegen den FC St. Pauli verfolgen. Mehr Besucher hat es bei einem Fußballspiel in der jüngeren Vereinsgeschichte des Köpenicker Klubs nicht gegeben.

Der Rahmen für ein rauschendes Fußballfest ist gesetzt, auch dank des Gegners, der am Freitagabend (18 Uhr, Sky und im Liveticker der Berliner Morgenpost) in Berlin vorspielen wird. „Spiele gegen St. Pauli sind immer etwas besonderes“, sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus: „Ob wir bei denen spielen oder zu Hause – die Fans verstehen sich. Jeder will die Atmosphäre auf dem Platz genießen.“

Es waren in der Tat stets Duelle, die denen, die sie miterlebt haben, im Gedächtnis bleiben. Erinnert sei hier nur an das Duell im April 2010, als Union, damals Aufsteiger, mit einem 2:1 den Klassenerhalt perfekt machte. Für die Hamburger bedeutete diese Niederlage, noch dazu erst kurz vor Schluss durch ein Tor von Karim Benyamina erlitten, drei Spieltage vor dem Saisonende einen herben Rückschlag im Aufstiegsrennen.

Union-Fans verabschieden St. Pauli mit Applaus

Was dann nach Spielende geschah, gibt das Verhältnis der beiden Klubs vielleicht am besten wieder: Als die St.-Pauli-Spieler mit hängenden Köpfen und schweren Schrittes am Union-Block vorbei in die Kabinen gingen, wurden sie mit großem Applaus und lauten „St. Pauli“-Sprechchören verabschiedet.

Oder das Benefizspiel im Juni 2004, als Union nach dem Zweitliga-Abstieg vor der Insolvenz stand und die Kiezkicker zu einem Freundschaftsbesuch antraten. Den St.-Pauli-Fans hatte Union damals freien Eintritt gewährt, was diese aber nicht davon abhielt, den Eintrittspreis in die Union-Kasse zu spenden. Vergangenheit.

Die Gegenwart hält heute ein Duell zweier Klubs bereit, die sich von der Saison ein wenig mehr versprochen haben. Im Falle von Union dank einer ausgezeichneten Hinrunde, die die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus bis ins Rennen um den Relegationsplatz gebracht hat.

St. Pauli will bis 2015 zurück in die Bundesliga

Und bei St. Pauli, das sich die Bundesliga-Rückkehr bis 2015 zum Ziel gesetzt hat, hatten sowohl Mannschaft als auch Klubverantwortliche alles andere als den Abstiegsstrudel im Sinn. Doch genau dort fanden sich die Hamburger vor wenigen Wochen wieder.

Inzwischen ist eine Konstellation eingetreten, die für die bevorstehenden 90 Minuten nur förderlich sein kann. Union steht nach dem bitteren 1:2 von Cottbus in der Pflicht. „Gegen St. Pauli wollen wir versuchen, das, was wir in Cottbus verbockt haben, wieder ein bisschen gutzumachen“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka.

Die Hamburger wiederum haben einen Lauf. Drei Siege in Folge haben sie wieder ins ruhigere Fahrwasser der Liga geführt. „Vor drei Spieltagen hätte wahrscheinlich niemand daran geglaubt, dass St. Pauli mit einem Auswärtssieg bei uns punktemäßig mit uns gleichziehen könnte“, merkte Trainer Neuhaus an.

Union-Trainer Neuhaus warnt vor schnellen Konterspielern

Für die Berliner wird es ein weiteres Mal darum gehen, den Abstand zur unteren Tabellenhälfte aufrecht zu erhalten und das Saisonziel (Platz fünf bis sieben) nicht aus den Augen zu verlieren. „Sie haben in den vergangenen Wochen gezeigt, wozu sie in der Lage sind. Es wird für uns eine schwierige Aufgabe, weil St. Pauli defensiv sehr gut organisiert ist. Außerdem haben sie gute und schnelle Konterspieler“, so Neuhaus.

Unions Siegplan sieht vor, die Leistung aus dem letzten Heimspiel gegen Erzgebirge Aue (3:0) erneut auf den Rasen zu bringen. Soll heißen: den Ball zirkulieren und den Gegner viel laufen lassen. „Wir müssen den Druck aufrecht erhalten und werden versuchen, den Gegner zu beschäftigen. Wir wollen Lücken finden und unsere Torchancen nutzen“, fordert der Union-Coach einen engagierten Auftritt der Seinen.

Auch deshalb ist sich St. Paulis Trainer Michael Frontzeck sicher: „Ich gehe davon aus, dass einiges auf uns zukommen wird.“ Frontzeck zählt Union „zu den spielerisch stärksten Mannschaften der Liga“. Erst recht vor der neuen Rekordkulisse, zu der nicht zuletzt auch die Hamburger ihren Teil beigetragen haben. Das Gästekontingent von 2187 Tickets war im Nu vergriffen. Dass sich viele St.-Pauli-Anhänger über Berliner Kontakte Tickets für den angrenzenden Heimblock organisiert haben, gilt als sicher. Der Stimmung heute Abend dürfte dies jedoch keinen Abbruch tun.

Kohlmann ist wieder im Kader

Klar ist auch, dass beide Mannschaften im Vergleich zur Vorwoche ihre Startaufstellungen verändern werden. Bei Union ist Patrick Kohlmann nach seiner Oberschenkel-Verletzung zurück. Der Linksverteidiger dürfte gegen St. Pauli seinen angestammten Platz einnehmen, Michael Parensen wird dafür wieder ins linke Mittelfeld rutschen und Björn Jopek auf die rechte Seite wechseln.

In der Innenverteidigung übernimmt Fabian Schönheim wohl den Platz von Roberto Puncec. Auch mit Blick auf die Cottbus-Niederlage sagte Trainer Uwe Neuhaus: „Es ist in dieser Woche legitim, über Veränderungen nachzudenken.“

St. Pauli ohne Torjäger Ginczek

St. Pauli muss hingegen auf Daniel Ginczek verzichten. Der 21-Jährige, mit zwölf Saisontoren der treffsicherste Spieler der Hamburger, muss eine Rot-Sperre absitzen. Als Ersatz steht Marius Ebbers bereit, der darauf brennt, an der Alten Försterei sein 100. Tor in Liga zwei zu erzielen.

Dass Union etwas dagegen haben dürfte, versteht sich von selbst. „Ich möchte mal wieder zu Null spielen“, sagte Verteidiger Björn Kopplin. Die Kulisse wird Ansporn genug sein, dieses Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Denn wie sein Trainer so schön formulierte: „Richtig schön wird so ein Abend nur, wenn wir auch gewinnen.“ Wie sich Union auf der Jagd nach drei Punkten anstellt, werden die Zuschauer in der Alten Försterei genau verfolgen. Insgesamt 21.410.