Die Kapitänsbinde hatte er flugs an Michael Parensen weitergereicht. Dann machte sich Torsten Mattuschka auf zur Seitenlinie. Ein kurzer Griff an die Nase, ein kleiner Applaus in Richtung Fans, schließlich noch ein Klapps für Steven Skzybski, der ihn in der 81. Minute ersetzte. Dann war sein Tagwerk getan. Die Ovationen von den Rängen nahm er wohlwollend entgegen, sie waren auch gerechtfertigt. Denn die Nummer 17 des 1. FC Union war der Mann des Spiels beim 3:0 (2:0) gegen Erzgebirge Aue.
An allen Treffern war der Mittelfeldspieler beteiligt. „Es ging ganz gut heute“, sagte Mattuschka nach dem Spiel und meinte sowohl seine Leistung auf dem Platz als auch seinen körperlichen Zustand. Vor einer Woche noch hatte er das Spiel in Köln (0.2) wegen einer Erkältung sausen lassen müssen. Nun war er maßgeblich daran beteiligt, „dass wir es geschafft haben, eine Reaktion zu zeigen“. Eine Reaktion auf die kleine Negativserie von zuvor drei Spielen ohne Sieg. Selbst Trainer Uwe Neuhaus ließ sich zu einem Spaß hinreißen: „Mattuschka hat das Ding quasi im Alleingang gewonnen.“
Nun liegt es dem Trainer fern, einen Erfolg allein an einer Person festzumachen. „Alle haben von der ersten Sekunde alles für den Sieg getan. Das war ein sehr gutes Spiel von uns“, sagte Neuhaus also. Karsten Baumann sprach gar von einer „Lehrstunde“, die seiner Mannschaft erteilt wurde: „Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen und sind nach dem ersten Gegentor schon auseinandergebrochen“, sagte der Aue-Coach: „Wir können froh sein, dass es nur 3:0 ausgegangen ist. Bei unseren Anhängern können wir uns nur entschuldigen für diese Leistung.“
Aue-Fans reagieren enttäuscht
Das war auch bitter nötig, denn nach Abpfiff stellten die rund 800 Auer Fans ihre Mannschaft am Zaun des Gäste-Blocks zur Rede. Einige allzu sehr Enttäuschte waren sogar auf den Zaun geklettert und rissen am Fangnetz hinter dem Tor. Polizei und Ordnungskräfte hatten die Situation jedoch jederzeit im Griff. Schon nach einer Stunde hatten die Auer Anhänger genug vom miserablen Auftritt ihrer Mannschaft und packten ihre Transparente ein.
Auf der anderen Seite ließen die Hausherren ein ums andere Mal „La Ola“ durch die Reihen schwappen. Dieser Sieg im Ostderby war Balsam auf die zuletzt gebeutelte rot-weiße Seele. Union liegt wenigstens bis Sonntagnachmittag auf dem fünften Platz.
Tatsächlich konnte es von Anpfiff an nur einen Sieger geben: den 1. FC Union. Mit Baris Özbek im rechten Mittelfeld und Björn Jopek links (Michel Parensen rückte dafür in die Abwehrkette zurück) übernahmen die Berliner sofort das Kommando. Drei Werte belegen, wie überlegen die Neuhaus-Elf agierte: ein Ballbesitz von 76 Prozent (zur Pause waren es sogar über 80 Prozent), 87 Prozent gelungene Pässe und die Tatsache, dass Union-Torwart Daniel Haas erst in der 73. Minute erstmals eingreifen musste. Keine Frage, Union wollte etwas gutmachen und tat dies auch, wenn auch gegen einen Gegner, dessen Auftritt man als Plädoyer für die Wiedereinführung von vier Absteigern aus der Zweiten Liga nehmen kann.
Mittendrin: Torsten Mattuschka. Vor der frühen Führung nach sieben Minuten behielt er den Überblick und bediente den aufgerückten Björn Kopplin auf der rechten Seite. Der Außenverteidiger schickte Özbek steil, dessen Flanke landete genau auf dem Kopf von Adam Nemec, der wuchtig zum 1:0 einköpfte. Die Party der 17.284 Zuschauern in der Alten Försterei war eröffnet. „Es war nicht so leicht, wie es aussah, weil Aue von Anfang an hinten dicht gemacht hat“, sagte Nemec. Der Slowake erzielte seinen siebten Saisontreffer und liegt damit nur noch ein Tor hinter seinem Sturmpartner Simon Terodde.
Treffer per Elfmeter
Den zweiten Treffer übernahm Mattuschka per Elfmeter selbst, nachdem Verteidiger Christian Stuff von Aues Kevin Pezzoni im Strafraum umgerissen worden war. Kompromisslos schlug der Ball oben links ein (45.). Während und auch nach dem Strafstoß feierten die Fans ihren Kapitän mit dem Mattuschka-Lied. Selbst als die Spieler zur Halbzeit in die Kabine gingen, hallte es noch durch das Stadion: „Hau ihn rein für den Verein“.
Das tat dann auch Michael Parensen nach dem Wechsel, mit einem platzierten Flachschuss ins lange rechte Eck (57.). Eingeleitet wurde der Treffer durch einen Konter über – natürlich – Mattuschka.
„Wenn man der Mannschaft vielleicht etwas vorwerfen kann, dann, dass sie nicht schon früher das zweite Tor erzielt hat“, sagte Neuhaus. Terodde (18.), Mattuschka (30.), und Christoph Menz (35.) vergaben jedoch, ebenso wie Terodde (63.) und Mattuschka (67.) nach der Pause. „Dennoch bin ich mit der Art und Weise absolut zufrieden. Uns ist der Sieg nicht in den Schoß gefallen“, bilanzierte der Union-Trainer. Schließlich bedeutete das 3:0 auch den höchsten Sieg in dieser Spielzeit. „Ich freue mich auf das nächste Spiel“, so Neuhaus weiter. Das steigt nächsten Sonnabend bei Energie Cottbus.





