Uwe Neuhaus bezeichnet sich gern als Optimist. Mit Blick auf die Situation seiner Mannschaft vor dem 24. Spieltag bedeutet dies Folgendes: „In Köln haben wir ja erst das erste Mal verloren in diesem Jahr. Und wir liegen nur einen Platz hinter unserem Ziel“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Klingt für den Moment betrachtet ganz passabel.

Doch da ist die Entwicklung in den vergangenen Wochen, die die Pessimisten auf den Plan ruft. Dreimal in Folge hat der Berliner Fußball-Zweitligist nicht gewonnen, zuletzt sogar zwei schwache Spiele abgeliefert. „Um noch einen draufzusetzen, heißt es dann, jetzt müssen wir aber so schnell wie möglich Punkte gegen den Abstieg holen“, so Neuhaus.

Ganz so extrem ist die Lage bei den Köpenickern sicherlich nicht. Doch vor dem Heimspiel am Freitag gegen Erzgebirge Aue (18 Uhr, Alte Försterei) ist eines Fakt: Unions Saisonziel (Platz fünf bis sieben) ist in Gefahr.

Sportliche Aufarbeitung des Köln-Desasters

Ein Sieg muss her, und zwar schleunigst. Sonst droht sogar ein Abrutschen bis auf den elften Platz – ins Mittelmaß, wo Union nicht mehr hinwill. Deshalb stand die vergangene Woche auch ganz im Zeichen der sportlichen Aufarbeitung des Köln-Desasters. Und so setzte der Coach im Training auch gleich ein Zeichen an die Mannschaft.

„Die Art und Weise, wie wir gegen Aue auftreten wollen, sollte auch unter der Woche gezeigt werden“, sagte Neuhaus. Die Folge waren Einheiten, die den Profis alles abverlangten. Vereinzelt mussten Spieler sogar kurz behandelt werden (Jopek, Parensen), größere Blessuren blieben glücklicherweise jedoch aus. „Alle sind an ihre 100-Prozent-Grenze gegangen“, freute sich Neuhaus.

Es sind jene Trainingseindrücke, die den Coach auch mit Blick auf die Partie vor erwartet 18.000 Zuschauern (davon 1000 aus Aue) optimistisch werden lassen. „Wenn es darauf ankam, hat die Mannschaft immer gezeigt, dass sie auch eine Mannschaft ist. Keiner hat nur versucht, seinen eigenen Hintern zu retten“, erzählte Neuhaus.

Ost-Rivalität hilft, um unter Dampf zu bleiben

Ein wenig hilft dabei auch der Spielplan. Denn just als der Abwärtstrend einsetzte, steht wieder ein Derby vor der Tür. Und die gute Leistung vom 2:2 bei Hertha BSC ist allen noch in guter Erinnerung. „So eine Ost-Rivalität hilft den Spielern natürlich, unter Dampf zu bleiben“, sagte Neuhaus. Die beste Voraussetzung, um in den bevorstehenden 90 Minuten alles aus sich heraus zuholen.

„Wir müssen an unsere Stärken glauben und einfach ruhig bleiben. Ruhig heißt aber nicht schlafen“, sagte Marc Pfertzel. Der Verteidiger dürfte wie in Köln wieder rechts in der Viererkette agieren, weil Björn Kopplin auf der linken Seite gebraucht wird. Denn sowohl der etatmäßige Linksverteidiger Patrick Kohlmann (Adduktorenverletzung) als auch die mögliche Alternative Fabian Schönheim (Trainingsrückstand nach Infekt samt Fieber) stehen immer noch nicht wieder zur Verfügung.

Mattuschka hat seine Erkältung auskuriert

Dafür aber Torsten Mattuschka. Der Kapitän wird nach auskurierter Erkältung wieder zurückkehren. „Er wird wieder in der Anfangsformation stehen. Ob es jedoch für 90 Minuten reichen wird, wage ich zu bezweifeln“, glaubt Neuhaus noch nicht daran, dass der 32-Jährige schon wieder hundertprozentig fit ist. Doch mit der Rückkehr des Spielgestalters, des Antreibers in der Union-Zentrale, erhöhen sich die Chancen auf ein Ende des Negativtrends um einiges.

„Unsere Mannschaft hat immer nach schwächeren Phasen die passende Antwort gegeben. Sie ist gewillt, das auch am Freitag zu tun“, glaubt Trainer Neuhaus fest an drei Punkte. Er ist eben ein Optimist. Alles andere wäre sicher auch das falsche Signal.