Zweite Liga

Unions Auftritt in Köln sorgt für Katerstimmung in Köpenick

88 Union-Ultras wurden im Rahmen des Köln-Spiels festgenommen. Nach der Niederlage ist nun sogar das Saisonziel in Gefahr.

Foto: Dennis Grombkowski / Bongarts/Getty Images

Die Begleitumstände passten irgendwie zum desaströsen Auftritt der Mannschaft des 1. FC Union in Köln. Auch wenn sie selbstverständlich anders als das 0:2 der Berliner auf dem Rasen nur mit grenzenloser Dummheit zu erklären und aufs schärfste zu verurteilen sind. 88 Union-Ultras wurden am Sonnabend am Rande der Zweitligapartie festgenommen. Ihnen droht ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs, so der Kölner Polizeisprecher Andreas Frische.

Die Chaoten sollen sich vor dem Anpfiff in der Nähe der Südkurve, wo die FC-Fans stehen, teils vermummt mit Kölner Ultras geprügelt haben. Daraufhin habe die Polizei berittene Beamte, Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Ein Polizist soll einen Nasenbeinbruch erlitten haben. Die Berliner Ultras seien eingeschlossen und vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Nach Auswertung des Videomaterials könnte es laut Frische auch Anzeigen gegen Kölner Ultras geben.

Union verurteilte die Vorkommnisse gestern. „Auseinandersetzungen dieser Art entsprechen in keiner Weise der Fußballkultur, für die Union eintritt“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Unions Fan-Beauftragter nimmt die Polizei in die Pflicht

Lars Schnell, Fanbeauftragter der Köpenicker, wollte sich noch nicht konkret zum Geschehen äußern: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass eine Beurteilung der Situation ausschließlich auf Grundlage von Polizeiangaben verfrüht wäre.“ Stattdessen nahm er Anstoß am Verhalten der Ordnungshüter. „Die Fantrennung im öffentlichen Straßenland war Aufgabe der Kölner Polizei. Sie muss die Frage beantworten, wie eine solche Situation überhaupt entstehen konnte“, sagte Schnell.

Eine durchaus eigenwillige Interpretation in Zeiten, in denen ein Antragspaket „Sicheres Stadionerlebnis“ abgelehnt und von Seiten der Fans immer wieder ein zu großer und zu massiver Polizeieinsatz kritisiert wird. Das Verhalten der Union-Chaoten hat schlichtweg gezeigt, dass Polizeipräsenz bei Fußballspielen weiter alternativlos ist, um die Sicherheit vor einem Stadion zu gewährleisten.

Ein Selbstreinigungsprozess ist kaum in Sicht

Ein Umdenken jenes Teils der Anhänger, der den Fußball vorsätzlich für Gewalt nutzt, ist jedenfalls nicht zu erwarten, ein Selbstreinigungsprozess kaum in Sicht. Das zeigten auch die Vorfälle während der Partie, als Union-„Fans“ den Block im Stadion wechseln wollten. Als sie von Ordnungskräften zurückgedrängt wurden, habe es einen verletzten Ordner und einen verletzten Polizisten gegeben, bestätigte ein Kölner Vereinssprecher.

„Grundsätzlich ist das nicht gut, gerade jetzt, wo die Diskussion so angeheizt ist“, kommentierte Abwehrspieler Christian Stuff die Ereignisse am Rande. Die Katerstimmung in Köpenick ist knapp zwei Wochen nach dem 2:2 bei Hertha BSC perfekt. Tendenz: fallend. Denn nach dem verspielten Sieg im Derby und dem glücklichen Punktgewinn gegen Ingolstadt (1:1) setzte es im dritten sieglosen Spiel die Niederlage.

Verteidiger Stuff warnt vor einer Talfahrt

Die Hoffnung auf Platz drei ist jedenfalls dahin, durch die Siege von 1860 München in Braunschweig (2:1) und Paderborn in Sandhausen (3:1) ist Union auf Rang acht abgerutscht. Anders gesagt: Das Saisonziel, die Plätze fünf bis sieben, ist sogar in Gefahr. „Wenn es so weiter läuft wie gegen Köln, wird nicht mehr viel dabei herausspringen“, ahnt Stuff: „Aber dass wir es besser können, haben wir ja vor dem Derby gezeigt. Deswegen bin ich auch zuversichtlich, dass wir noch ein paar Punkte holen werden.“

Verteidiger Marc Pfertzel sieht es ähnlich: „Wir wissen, dass wir schlecht gespielt haben. Das ist auch der erste Schritt zurück zum guten Spiel. Wir müssen weiter von Spiel zu Spiel schauen. Dann werden wir auch wieder unsere Form finden.“ Am Freitag gegen Aue (18 Uhr, Alte Försterei) gibt es die nächste Chance.