Nach Pokal-Aus

Die Schonzeit bei Union ist endgültig vorbei

Die Blamage in Offenbach nagt an den Eisernen. Trainer Neuhaus erwartet in Dresden eine Mannschaft, die „bis zur totalen Erschöpfung“ kämpft.

Foto: Uwe Meinhold / dapd

Irgendetwas ist doch immer rund um das Gastspiel bei Dynamo Dresden. Zumindest sieht es Uwe Neuhaus, der Trainer des 1. FC Union so. „In der vergangenen Saison hatten wir die Unruhe in den Tagen nach dem Spiel, nun haben wir sie davor“, sagte der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten vor der Partie am Sonnabend (13.30 Uhr, Sky live). Die Wogen nach dem blamablen Pokalaus in Offenbach (0:2) glätten sich nur langsam und werden wohl erst dann vollständig abklingen, wenn die Berliner in Sachsen einen Sieg landen.

So ist in den vergangenen Tagen viel von Druck die Rede an der Alten Försterei. Druck, „den ich der Mannschaft auch nicht nehmen will“, sagte Neuhaus. Druck, weil die Spieler sich angesichts der gut 3000 mitreisenden Anhänger keinesfalls erneut derart einsatzschwach präsentieren dürfen wie noch am Mittwochabend. Und Druck, weil Union eine erneute Niederlage bis auf Rang 14 zurückfallen ließe, mit einem mageren Drei-Punkte-Polster auf die Abstiegsplätze.

Sorgen um Mattuschka

Also erwartet nicht nur der Trainer eine Mannschaft, „die rennt und kämpft bis zur totalen Erschöpfung. Das ist absolut Pflicht“. Ab sofort heißt es bei Union: Schluss mit der Spielerei. „Technik, Spielintelligenz und Kreativität rücken erst mal in den Hintergrund und haben für mich keine Priorität“, machte Neuhaus deutlich: „Was nützen mir 65 Prozent Ballbesitz, wenn ich im gesamten Spiel nur zweimal aufs Tor schieße.“

Einsatz und Leidenschaft, Attribute die kaum ein anderer im Union-Trikot mehr auf den Rasen bringt als Torsten Mattuschka. Doch ausgerechnet vor der so wichtigen Partie in Dresden ist der Einsatz des Kapitäns fraglich. Und selbst wenn Mattuschka von Beginn an auflaufen sollte, bleibt die Frage, wie viel Kraft ihn das Offenbach-Spiel tatsächlich gekostet hat. Schüttelfrost ließ zuletzt nur ein eingeschränktes Pensum zu, nicht wirklich gute Voraussetzungen also für den Mann, dessen Wahnsinnstreffer zum 2:2 auf St. Pauli von der ARD-„Sportschau“ gerade für das Tor des Monats Oktober nominiert wurde.

Fakt ist: Die Mannschaft wird „in der Aufstellung von Offenbach nicht noch einmal auftreten“, sagte Neuhaus. Seine Worte klangen ziemlich endgültig. Damit dürfte klar sein, dass zum Beispiel Mittelfeldspieler Tijani Belaid seinen Platz wird räumen müssen. Auch Silvio und Youngster Björn Jopek, dem vielleicht eine Pause sogar ganz gut tun würde, zählen zu den Bank-Kandidaten für Dresden. Dafür stehen die Stürmer Simon Terodde und Adam Nemec sowie im Mittelfeld Patrick Zoundi bereit.

Doch ganz egal, wen Neuhaus in den Dresdner Hexenkessel schicken wird, jeder ist aufgerufen, seine Chance zu nutzen. Die Schonzeit bei Union ist jedenfalls vorbei, das hatte der Coach unmissverständlich klargemacht („Ich werde meine Art und Weise gegenüber der Mannschaft deutlich verändern“).

Polizei fordert mehr Respekt

Apropos Chance. Abseits des Rasens bietet sich für die Fanszene die Riesenmöglichkeit, ein deutliches Zeichen zu setzen – gegen Gewalt, gegen Provokationen, auch gegen das Sich-provozieren-lassen, ob nun von Anhängern des Gegners oder den Ordnungskräften. In einem offenen Brief appellierte die Dresdener Polizei: „Begegnen Sie den Anhängern der gegnerischen Mannschaft, aber auch den eingesetzten Polizeibeamten mit Freundlichkeit und Respekt.“ Explizit wird darauf hingewiesen, keine Zäune oder Absperrungen zu übersteigen. Und: „Die Verwendung von Pyrotechnik und eine Vermummung sind gesetzlich verboten.“

Man darf gespannt sein, inwiefern die Fans gewillt sind, die Abschlusserklärung des Berliner Fangipfels vom Donnerstag auch wirklich in die Tat umzusetzen. Dort heißt es unter anderem: „Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung“ werde abgelehnt, „sowohl innerhalb, als auch außerhalb von Fußballstadien“. Und die Fans können auch dann nur auf die von ihnen geforderte größere Autonomie der Vereine beim Lösen von Sicherheitsproblemen hoffen, wenn sie im Vorfeld ein entsprechend friedliches Verhalten zeigen. Zum Beispiel heute in Dresden.

Ohne Zweifel helfen würde eine gute Leistung ihrer Mannschaft. Union-Trainer Neuhaus sagte jedenfalls: „Wir wissen, was wir verbrochen haben. Und wir wissen auch, dass wir uns so einen Auftritt nicht noch einmal erlauben dürfen.“ So ist das Ostderby in Dresden für den 1. FC Union gleich eine doppelte Chance, um Pluspunkte zu sammeln.