Fußball

Union muss sich Dynamos Chaoten-Fans stellen

Dresdens gewaltbereite Anhänger heizen die Diskussion über Schnellgerichte vorm Stadion an. Dabei hatte sich der Klub positiv entwickelt.

Foto: Nigel Treblin / dapd

Die Stimmungslage bei Dynamo Dresden liegt in diesen Tagen irgendwo zwischen Vorfreude und Niedergeschlagenheit. Vorfreude, weil am Sonnabend das Zweitliga-Ostderby gegen den 1. FC Union (13.30 Uhr, Sky live) ansteht, noch dazu vor heimischer Kulisse. Doch die Vorkommnisse vom Mittwoch wirken immer noch nach bei den Sachsen, was die Niedergeschlagenheit erklärt.

Das Abbrennen von Pyrotechnik, die Gewalt gegen Ordnungskräfte und der Platzsturm beim Pokalspiel in Hannover (Dresden unterlag erst im Elfmeterschießen) haben den Verein wieder in die Rolle gedrängt, von der er sich so gern verabschieden möchte: der Rolle des Chaosklubs, dessen „Fans“ lediglich auf Krawall aus sind. „Es war ein Abend, der nicht nur der Zweitliga-Mannschaft, sondern dem gesamten Verein neue positive Kraft hätte geben sollen und können“, hieß es in einer Klubmitteilung zu den Vorkommnissen.

Dynamo Dresden Anfang November 2012 – das ist ein Verein, der Gefahr läuft, von DFB und DFL sowie der Polizei endgültig zum schwarzen Schaf der Branche abgestempelt zu werden. Der Verband hat längst Ermittlungen aufgenommen, der erneute Pokalausschluss – im vergangenen Jahr bereits ausgesprochen und nur mit viel Mühe wieder abgewendet – droht. Und die Polizei fühlt sich erneut bestätigt, schwere Geschütze aufzufahren in Zeiten, in denen der designierte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig auf dem Fangipfel beim 1. FC Union für seine „verbale Abrüstung“ viel Applaus erhalten hat.

Schnellgerichte im Gespräch

So forderte Bernd Witthaut, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei: „Die Gewalttäter müssen herausgefiltert, identifiziert und einer Gerichtsbarkeit zugeführt werden. Diese muss schnell und auf dem Fuße folgen. Es ist sinnvoll, wenn das unmittelbar am Stadion geschieht. Dort sollten möglichst ein, zwei oder drei Staatsanwälte vor Ort sein. Das hätte eine abschreckende Wirkung.“ DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock fügte hinzu: „Wir sind mit der Justiz und den Generalstaatsanwälten in Kürze zusammen. Dann werden Staatsanwaltschaften und Schnellgerichte ein Thema sein. Das findet unsere Zustimmung.“

Dabei hat es besonders bei Dynamo, das Mitte der vergangenen Dekade praktisch jede Woche mit Gewalttaten seiner Anhänger zu tun hatte, eine durchaus positive Entwicklung gegeben. Mehr Kommunikation zwischen Klub und Fanszene, dazu diverse Fanprojekte in der Stadt selbst. Vor dem Ostderby gegen Union gab es die vor solchen Hochsicherheitsspielen üblichen Konferenzen von Vertretern beider Klubs mit der Polizei. Auch dies ist ein Beleg für den Kampf der Dresdner um Deeskalation. Das Fatale daran ist: Alle Maßnahmen betreffen ausschließlich die Region Dresden. Dort haben die Schwarz-Gelben Zugriff auf die Fans. Anhänger außerhalb Dresdens, die zu einem Auswärtsspiel reisen, sind praktisch kaum zu kontrollieren. „Dass dieses Verhalten einer begrenzten, leider aber zu großen Gruppe Tausende friedliche Fans wieder landesweit diskreditiert“, wie es in der Kluberklärung heißt, ist ein Problem, mit dem Dynamo seit Jahren zu tun hat. Und das sich offenbar nicht lösen lässt.

Auch weil sich die Vorgehensweise geändert hat. Statt permanenter Ausschreitungen suchen sich die Dynamo-Chaoten offensichtlich bewusst solche Termine aus, an denen eine Annäherung zwischen den Verbänden und den Fanszenen stattfindet. Beim Pokalspiel in Dortmund Ende Oktober 2011 hatten beide Seiten in Sachen Pyrotechnik erstmals mehr als nur Gesprächsbereitschaft gezeigt. Eine Woche nach dem Bengalo-Irrsinn und den Krawallen vor dem Dortmunder Stadion erklärte der DFB die Diskussion mit einem klaren Nein zu Pyrotechnik für beendet.

Nun fanden die kriminellen Aktionen just am Tag vor dem Fangipfel bei Union statt. Jetzt reagierte die DFL prompt – mit einem klaren Nein zu Pyrotechnik: „Angesichts der gesundheitlichen Gefahren werden Liga wie DFB nicht von der getroffenen Entscheidung abweichen“, hieß es in einer Erklärung. Diese zweifellos richtige Entscheidung darf jedoch den in Berlin so hoffnungsvoll begonnenen Dialog nicht beeinträchtigen. Sonst hätten die Dynamo-Chaoten, die kein Interesse an einer Problemlösung haben, ihr Ziel erreicht.