1. FC Union

Den Eisernen fehlt es an der nötigen Schlagkraft

Tore müssen her: Auch der glückliche Sieg gegen den FSV Frankfurt konnte über die Probleme der Berliner nicht hinwegtäuschen.

Foto: Matthias Koch / dapd

Die Erleichterung über den mühsamen Sieg gegen den FSV Frankfurt war auch gestern noch deutlich spürbar beim1. FC Union. „Wir haben so oft gute Spiele abgeliefert und haben nichts geholt“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka: „Diesmal war es endlich einmal andersherum.“

Doch auch der dritte Heimsieg in Folge konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Berliner Fußball-Zweitligist mit einem latenten Problem zu kämpfen hat. Die Zahlen bringen es an den Tag. Durch seinen Elfmetertreffer gegen die Hessen hat Mittelfeldspieler Mattuschka nun vier Tore auf dem Konto – und damit eins mehr als alle Stürmer der Köpenicker Kicker zusammen.

Nein, es ist bislang wahrlich nicht die Saison von Simon Terodde (zwei Tore), Silvio (ein) oder Adam Nemec, von Youngster Steven Skrzybski, in dieser Saison noch ohne Einsatz in Liga zwei, zunächst einmal ganz zu schweigen. Und schon gestern, während die Stammkräfte das obligatorische „Auslaufen“ mit dem Rad erledigten, stand für die Reservisten, unter ihnen der Brasilianer Silvio, Torschusstraining auf dem Programm. Die Ausbeute darf durchaus als mäßig bezeichnet werden.

„Zwei Tore, vier Assists, ich denke, ich kann mit meiner Saison eigentlich ganz zufrieden sein“, sagte Terodde dennoch. Vor allem mit Mattuschka hatte der 24-Jährige gut harmoniert, gegen Erzgebirge Aue und Energie Cottbus hatte diese Kombination zu jeweils einem Treffer geführt. Doch gegen die Frankfurter kam wieder der andere Terodde zum Vorschein, der beste Möglichkeiten vergibt, dessen Spiel trotz allen Einsatzes immer auch ein bisschen unglücklich wirkt.

Zu viele Ballverluste

„Ich hatte Probleme, die Bälle zu verarbeiten und dadurch auch mehr Ballverluste“, erklärte der Angreifer. Bei seiner Riesenchance zum 2:0 „kam der Ball sehr weit nach außen, da konnte ich nicht mehr vorbei gehen. Torwart Klandt ist auch lange stehen geblieben“, verteidigt Terodde seinen Fehlschuss. In einer anderen Situation, bei einem Querpass auf Christopher Quiring im Strafraum, sei es schwer gewesen, „das richtige Timing zu finden“.

Dennoch darf man von einem echten Torjäger schon ein wenig mehr erwarten. Terodde nimmt sich ein Beispiel an den Kollegen aus der Bundesliga. „Wenn ich zum Beispiel Lewandowski oder Huntelaar sehe, die haben auch Riesenchancen. Aber die bleiben immer dran, weil sie auch zehn solcher Chancen pro Spiel bekommen“, verdeutlichte er. Eine solche Fülle an Einschussmöglichkeiten gibt es bei Union nicht, egal ob ihm mit Nemec der Brechertyp oder mit Silvio der spielende Angreifer zur Seite steht. Zumal es beiden noch weniger gelingt, vor das gegnerische Tor zu kommen. Und wenn doch, dann bleibt selbst ein Schuss (Nemec) aus zwei Metern am Torwart (Klandt) hängen.

Vielleicht ist am Sonntag gegen den SC Paderborn (13.30 Uhr, Alte Försterei) doch die Zeit für Steven Skrzybski gekommen. Der 19-Jährige hat sich am Sonntag jedenfalls wieder mehr ins Gespräch gebracht. Skrzybski traf beim ersten Saisonsieg der U23 in der Regionalliga Nordost beim 1. FC Lokomotive Leipzig (5:0) dreimal und war damit maßgeblich daran beteiligt, dass Unions Zweite endlich den letzten Tabellenplatz, ja sogar die beiden Abstiegsränge verlassen konnte.

„Das freut mich für ihn“, sagte Trainer Uwe Neuhaus und bescheinigte Skrzybski erneut den besten Abschluss im Training: „Aber das Durchsetzungsvermögen fehlt. Das kam auch in den vergangenen Wochen wieder durch. Deshalb war es eminent wichtig, dass er Spielpraxis sammelt.“ Statt bei den Profis auf der Bank auf einen Kurzeinsatz zu hoffen, wurde 78 Minuten lang etwas für das Selbstbewusstsein getan. Der Trainer hat nun knapp eine Woche Zeit, sich ausgiebig Gedanken über etwaige Veränderungen zu machen. Gestern sagte Neuhaus vielsagend: „Vielleicht haben wir am Sonntag einen neuen Sturm.“