Zweite Liga

Auch gegen den Lieblingsgegner muss Union Einsatz zeigen

In Köpenick verlor der FSV Frankfurt stets zu Null. Trainer Neuhaus möchte den Trend ausbauen, doch Union darf sich nicht zu sicher fühlen.

Foto: Axel Heimken / dapd

Wer an klangvolle Namen in der Zweiten Liga denkt, dem werden vor allem der 1. FC Kaiserslautern einfallen, auch Hertha BSC natürlich oder Energie Cottbus, 1860 München, Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden. Dies sind die Klubs, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen und für ein volles Haus sorgen. Klubs, die national wie international große Erfolge gefeiert haben. Davon ist der FSV Frankfurt weit entfernt. Jedenfalls so weit es sich um die Männerabteilung handelt. Im Frauenfußball stehen immerhin drei Deutsche Meisterschaften sowie fünf DFB-Pokalsiege in der FSV-Chronik, Spielerinnen wie Birgit Prinz oder Steffi Jones entsprangen dem hessischen Klub.

Die Frauenabteilung gibt es jedoch schon seit 2006 nicht mehr, weshalb die Herren des kickenden Gewerbes aufgerufen sind, für mehr Meriten zu sorgen. Am Sonnabend spielen die Frankfurter beim 1. FC Union vor (13.30 Uhr, Alte Försterei). Und auch wenn der Name – bei allem Respekt, versteht sich – auch nicht jene großen Emotionen weckt wie vielleicht manch anderer Verein, die Mannschaft von Trainer Benno Möhlmann ist alles anderer als ein leichter Gegner.

Die Liga reibt sich nach den ersten neun Spieltagen jedenfalls immer noch ein wenig verwundert die Augen. Und es ist nur der kleinen Negativserie von drei Spielen ohne Sieg vor der Länderspielpause geschuldet, dass der FSV nicht größeren Kontakt zu den Aufstiegsplätzen hat.

Frankfurt liegt sechs Punkte vorn

„Die Frankfurter liegen sechs Punkte vor uns, das kommt nicht von ungefähr“, sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus: „Sie hatten siebenmal den gleichen Gegner wie wir, das zeigt schon, dass dies kein Zufall ist.“ Die Frankfurter hätten sich deutlich verstärkt, vor allem in der Offensive. Das werde schon beim Blick auf die Torjägerliste deutlich. Hier rangieren mit Edmond Kapllani (5 Tore) und John Verhoek (3) zwei Spieler unter den Top 12. Für eine Mannschaft wie Union, die nach neun Spieltagen mit 15 Gegentreffern die zweitschlechteste Defensive der Liga stellt, ist dies kein allzu schlechter Hinweis.

Bewusst verweist der Coach auf eine „richtig harte Nuss“, die auf die Seinen am Sonnabend wartet. Der Gegner, der ohne Zweifel weniger motiviert als zum Beispiel ein Derby gegen Hertha oder Cottbus; dazu dessen „Mini-Krise“, die ja all die sogenannten Experten bestätigt, dass der Höhenflug des FSV nur ein Irrtum gewesen ist; und dann auch noch die Verletztenmisere der Gäste, die auf Zafer Yelen (Sprunggelenk), Gledson (Meniskusoperation), Marcel Gaus (Schambeinentzündung) und Tufan Tosunoglu (Reha nach Quadrizepsmuskelriss) verzichten müssen – alles Merkmale, die bei dem einen oder anderen Spieler in Sachen Motivation schon ein wenig für Nachlässigkeit sorgen könnten. Zumal sich die Unioner nach zwei Siegen und zwei Unentschieden sowie den Festspielen gegen Cottbus und St. Pauli ohnehin gerade in einem Hoch befinden, das einen leicht dazu veranlassen könnte, dass es gegen den FSV Frankfurt auch mit nur 95 Prozent Leistung getan wäre. Dass FSV-Coach Möhlmann den Köpenickern auch noch „sehr gutes Spiel“ in den vergangenen Wochen bescheinigt, passt ins Bild.

Keine personelle Umplanung

Man darf gespannt sein, wie sich die Unioner am Sonnabend präsentieren werden, denn auch die Spielpause wegen der WM-Qualifikation hat nicht wirklich dazu beigetragen, die Spannung hochzuhalten. „So eine Pause ist eigentlich immer besser, wenn es nicht so läuft, einfach um dann auch mal den Kopf frei zu bekommen. Aber wenn man einen Lauf hat, so wie wir momentan, dann will man eigentlich alle drei Tage spielen“, erklärte Union-Verteidiger Marc Pfertzel.

Da dies im Spielplan allerdings nicht vorgesehen ist, hilft vielleicht ein Blick in die Statistik einem drohenden Konzentrationsabfall. Dreimal waren die Frankfurter seit 2009 Gast an der Alten Försterei, dreimal konnte Union nach dem Spiel feiern: 1:0, 2:0, 4:0 – nicht einmal ein Tor brachten die Hessen bislang in Köpenick zustande. „Manchmal gibt es tatsächlich einen Lieblingsgegner. Ich hoffe, es bleibt auch so“, sagte Pfertzel. Doch auch hier bitte Vorsicht mit dem Zahlenmaterial: Zu viel Sicherheit ist der erste Schritt auf dem Weg zum Schlendrian.

Immerhin muss Union, anders als noch in den Wochen zuvor, nicht erneut personell umplanen. Björn Jopek (Schambeinentzündung), Felipe Gallegos (Mittelfußbruch) und Michael Parensen (Wadenbeinprobleme) sind immer noch keine Alternativen. Und der Rot-gesperrte Innenverteidiger Fabian Schönheim hatte schon auf St. Pauli gefehlt. Das vorhandene Personal ist aufgefordert, an die guten Spiele vor der Länderspielpause anzuknüpfen. „Wenn uns das gelingt, sehe ich gute Chancen, dass wir unseren Aufwärtstrend fortsetzen können“, sagte Neuhaus. Selbst wenn es gegen einen nicht so klangvollen Namen geht.