Sicherheitskonzept

Union erhält Unterstützung aus der Bundesliga

Der 1. FC Union rebelliert gegen das Sicherheitskonzept von DFB und DFL. Dafür kassieren die Berliner viel Lob - auch von der Konkurrenz.

Foto: Uwe Meinhold / dapd

Die Stimmungslage beim 1. FC Union passt derzeit perfekt zur Wetterlage. Statt Kälte und stürmischer Witterung, wie es im Herbst durchaus zu erwarten ist, kann das Klima in der Wuhlheide als angenehm bezeichnet werden. Und der dort ansässige Fußball-Zweitligist hat alle Trümpfe in der Hand, damit es sportlich ein goldener Oktober werden kann. Zwei Siege in den beiden Heimspielen am Sonntag gegen den FSV Frankfurt und eine Woche später gegen den SC Paderborn (beide 13.30 Uhr, Alte Försterei) sowie am 31. Oktober der Sprung ins Achtelfinale des DFB-Pokals mit einem Erfolg beim Drittligisten Kickers Offenbach – und der äußerst mäßige Start in die Spielzeit wäre endgültig vergessen.

Die Köpenicker legen jedenfalls den Vorwärtsgang ein. "Wie immer in einem Heimspiel wollen wir auch gegen Frankfurt den Gegner permanent unter Druck setzen", erklärte Trainer Uwe Neuhaus: "Wir müssen dabei aber mit Ruhe und Ordnung spielen, um nicht permanent in Konter zu laufen." Und endlich, endlich soll auch das erste Mal in dieser Spielzeit die Null stehen. Die Chancen sind nicht die schlechtesten. "Wir haben in den vergangenen zwei Wochen sehr hart und konzentriert trainiert", sagte Außenverteidiger Marc Pfertzel. Selbstverständlich auch defensive Spielformen. Dass es aus Union-Sicht aber doch einmal zu Null heißt, "kann man nicht erzwingen", sagte der Coach. Er vergleicht die Situation mit der eines Stürmers, der seit Wochen nicht getroffen hat. Mehr Sicherheit könne nur mit einem Erfolgserlebnis erzielt werden.

BVB-Fanvertreter tritt zurück

Union im Vorwärtsgang – dies gilt derzeit nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Für das Statement des Klubs und dessen aktiver Fanszene zum Konzeptpapier "Sicheres Stadionerlebnis" von Deutschem Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball Liga (DFL) gab es in den vergangenen Tagen Lob und Zustimmung von Fangruppen anderer Vereine. Es scheint, als habe man nur darauf gewartet, dass Union zum Sicherheitskonzept Stellung bezieht, um sich in die Reihe der Kritiker einreihen zu können.

"Anstatt auf Zusammenarbeit setzt man auf eine, vom Verband diktierte, kollektive Sanktionierung", hieß es zum Beispiel vom Supporters Club 1907 des Bundesligisten FC Augsburg. Der vorgelegte Maßnahmenkatalog sei der falsche Weg. Auch der Fanausschuss des VfB Stuttgart lehnt das Sicherheitskonzept ab und lässt wissen: "Sollte VfB-Präsident Mäuser dieses Papier unterschreiben, handelt er ausdrücklich entgegen der Meinung und Einschätzung der von uns repräsentierten VfB-Fans." Die "Fanhilfe Hannover" forderte den Erstligisten Hannover 96 gar auf, das Konzept nicht zu unterschreiben.

Hoffnung auf Neustart der "Kommission Sicherheit"

Sogar aus der Fanszene des Deutschen Meisters Borussia Dortmund erhielt das Ansinnen von Union Unterstützung – mit einer interessanten Wendung. Denn als Reaktion auf das DFL-Papier trat der Vorsitzende des Fanklubs BVB Freunde, Matthias Saathoff, zurück, weil er "die Verantwortung abgeben möchte, die in Zukunft auf die Fanklubs in ganz Deutschland zukommt". Die geringen Bestrebungen der BVB-Klubführung, mit den Fans über das Konzept zu diskutieren, haben ihn zudem in seinem Rücktritt bestärkt. Dass es ausgerechnet Dortmunder "Fans" waren, die die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen – in welcher Form auch immer – unterstrichen, ist sicherlich kontraproduktiv für das Vorhaben der Fan-Landschaft und zugleich Wasser auf die Mühlen der Hardliner (siehe Seite 25).

Nicht vergessen werden sollte auch: Bislang ist es mit Union nur ein Verein aus den ersten drei Ligen, bei dem Fans zusammen mit den Vereinsoberen ihr Nein zum DFL-Vorschlag formulieren. Union-Präsident Dirk Zingler erhofft sich nichtsdestotrotz einen Neustart der "Kommission Sicherheit". Zu Reaktionen von DFB und DFL auf die Union-Positionierung sagte Zingler im ARD-Interview: "Wir werden ins Gespräch kommen." Noch bis heute haben alle Klubs Zeit, ihre Stellungnahmen samt Ideen beim Ligaverband abzugeben. Am 12. Dezember soll das Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" auf einer Vollversammlung verabschiedet werden.

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