Der Einsatz stimmt bei Adam Nemec. In jeder Trainingseinheit. In jedem Spiel. Wenn er denn mal über einen längeren Zeitraum zum Einsatz kommt. Sechsmal durfte der Angreifer des Berliner Fußball-Zweitligisten in den ersten neun Saisonspielen ran, nur dreimal von Beginn an, zuletzt immerhin zweimal in Folge. Nicht wirklich viel für einen Spieler, der im Sommer an die Alte Försterei geholt wurde, um die Qualität in der Abteilung Attacke zu erhöhen.
Dass er in der für Stürmer signifikanten Tore-Statistik immer noch nicht auftaucht, versteht sich dabei fast von selbst. Obwohl die Köpenicker bislang 13 Tore erzielt haben – gerade mal fünf Teams sind erfolgreicher. Allerdings zeichnet für nur drei der Treffer das stürmende Personal verantwortlich. Und das, obwohl Trainer Uwe Neuhaus grundsätzlich zwei nominelle Angreifer in die Startelf beordert.
Besonders bei Nemec will der Knoten bisher nicht platzen. Der Slowake, ablösefrei vom FC Ingolstadt gekommen, sollte laut Neuhaus für „mehr Durchschlagskraft im Angriff“ sorgen. Doch bis dato ist er der einzige Stürmer – vom bisher einsatzlosen Steven Skrzybski abgesehen – auf dessen Konto die Null steht.
Arbeiter statt Goalgetter
Ein Blick in die bisherige Bilanz des 27-Jährigen verrät, dass so etwas fast schon zu erwarten war. Bei seinen ehemaligen Vereinen traf er in 146 Spielen 29 Mal – weniger als ein Tor alle fünf Partien. „Ein richtiger Torjäger war ich nie“, gibt Nemec zu. Doch auch er weiß natürlich: „Tore geben Selbstbewusstsein.“
Schon in Kaiserslautern galt Nemec mehr als Arbeiter denn als Goalgetter. Dort hatte er den Status eines Offensiv-Rackeres inne, verdient und bei den Fans geachtet. Mit den Pfälzern stieg Nemec 2010 in die Bundesliga auf. Als er in der Sommerpause ein Jahr später im heimischen Garten von einem Kirschbaum fiel und sich das Schlüsselbein und zwei Brustwirbel brach, fand er danach keinen Anschluss mehr. In der Winterpause wechselte er nach Ingolstadt, wo er in der Rückrunde seine einzigen beiden Treffer ausgerechnet beim 3:3 gegen seinen jetzigen Arbeitgeber erzielte.
In Berlin gilt es für Nemec jetzt, Fuß zu fassen. „Keinen großen Unterschied“ sieht er zwischen Union und seinen Ex-Klubs, weiß aber, dass die Integration in eine eingespielte Mannschaft dauern kann. „Ich bin sehr spät gekommen, erst eine Woche vor Saisonstart.“ Schon sein Debüt im DFB-Pokal verlief unglücklich: Gegen Rot-Weiss Essen (1:0 n. Verl.) setzte er einen Volley-Schuss an den Pfosten und vergab eine weitere Großchance. Die Spielweise seiner Mannschaft kommt ihm nicht unbedingt zugute: Viele Union-Tore fallen nach schnellen Vorstößen oder aus der zweiten Reihe, weniger durch Flanken über die Außen, die Nemec mit seinen 1,90 Metern Körpergröße bräuchte. Nach dem Berliner Derby gegen Hertha BSC (1:2) bemängelte er, dass es ihm an ebensolchen Zuspielen fehle. „Das Hertha-Spiel ist abgehakt. Im Moment spielen wir halt so“, hat er sich zunächst einmal mit der Situation abgefunden.
Zurück in die Warteschleife
Doch nicht nur im Team, auch bei den Union-Fans muss Nemec sich seinen Stand noch erarbeiten. Die Anhängerschaft reagiert bereits ungeduldig. Im Union-Fanforum machte im Zusammenhang mit Nemec" Namen schon der Begriff „Böhmischer Knödel“ die Runde. Ein für Union eher ungewöhnliches Phänomen. Denn dass er für die Köpenicker wertvoll sein kann, hat er zuletzt gegen Energie Cottbus und beim FC St. Pauli angedeutet. „Er war ein ständiger Unruheherd“, ließ Trainer Neuhaus wissen. Zudem sei Nemec „ein wichtiger Faktor“ gewesen, um „Bälle zu verlängern oder zu halten“. Eventuelle Ballverluste im Mittelfeld, die gleich wieder Gefahr vor dem eigenen Tor heraufbeschwören könnten, würden so minimiert werden.
Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Union sich eher robusten Kämpferteams gegenüber sieht. Wird jedoch mehr Wert auf das Spielerische gelegt, droht Nemec im Tausch mit Silvio wieder die Rückkehr auf die Bank. Schon am Sonntag, im Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (13.30 Uhr, Alte Försterei), aber auch eine Woche später gegen den SC Paderborn könnte Nemec zurück in der Warteschleife sein, aus der er so gern heraus möchte.




