Der Weg nach dem Ausradeln mit anschließenden Dehnungsübungen führte ihn – anders als seine Mitspieler – nicht in Richtung Kabinen. Torsten Mattuschka ging, die Hände in den Hosentaschen seiner Trainingshose, rüber zu Coach Uwe Neuhaus, der die Einheit der Reservisten beobachtete. Er wirkte entspannt, der Kapitän des 1. FC Union. „Ich war wegen der Dopingprobe erst gegen halb Zehn aus dem Stadion. Dann habe ich mich zu Hause auf die Couch gelegt und noch lange Fernsehen geschaut. Ich brauche immer eine Weile, um runterzukommen.“ Das 2:1 gegen den 1. FC Köln hatte Kraft gekostet, nicht nur wegen der 90 intensiven Minuten vom Freitagabend, sondern wegen der gesamten Woche davor.
„Man hat ihm schon angemerkt, dass er riesengroßen Anteil daran haben möchte, dass wir das Blatt wenden. In den Trainingsspielen hat er jeden aufgebaut, wenn mal etwas nicht funktioniert hat. Mehr als sonst.“ Das Lob des Trainers für die „Art und Weise, wie er als Kapitän vorangegangen ist“ (Neuhaus), hatte sich Mattuschka verdient. „Ich versuche immer, vorneweg zu gehen“, sagte Mattuschka. Das tat er. Im Spiel gegen die Geißbock-Elf – zugleich sein 100. Zweitliga-Spiel im Union-Trikot – als Antreiber, Ballverteiler und Siegtorschütze. „Das Tor war wichtig für alle, für mich, für die Mannschaft, für den Verein. Wir haben uns endlich mal belohnt für eine engagierte Leistung. Jeder ist bis an seine Grenze gegangen.“ Und er tat es in den Tagen vor dem Spiel, das die Negativserie von vier Niederlagen beenden sollte. „Wir haben uns zusammengesetzt und die Dinge angesprochen, die wir besser machen müssen. Wir haben uns klargemacht, dass wir da nur gemeinsam herauskommen können“, erklärte Mattuschka.
Extra-Einheiten absolviert
Er ging mit gutem Beispiel, sprich Leistung, voran. Seitdem er sich zu Saisonbeginn auf der Bank wiederfand, geht seine Formkurve stetig nach oben. „Ich habe es damals auch selber gemerkt, dass ich noch nicht da bin, wo ich hingehöre. Daran habe ich gearbeitet, mit unserem Fitnesstrainer Daniel Wolf auch ein paar Extra-Einheiten absolviert, damit ich wieder richtig in die Zweikämpfe komme“, erzählt Mattuschka: „Aber ich war mir sicher, dass ich da auch wieder herauskomme.“
Die Rechnung ist einfach: Läuft es bei Mattuschka, läuft es auch bei Union. Und wenn mal ein Spieler einen Fehler macht? „Dann ist ein anderer da, der ihn wieder ausbügelt“, sagte Mattuschka. Wichtig sei, dass jeder Akteur das Vertrauen der Mannschaft besitzt. Auch hier zeigt Mattuschka seine Vorbildfunktion. Indem er zum Beispiel Youngster Björn Jopek, der mit seinen 19 Jahren erst seine dritte Zweitliga-Partie absolvierte, auch schon mal Freistöße schießen lässt. Eigentlich ist das Mattuschkas Domäne. „Gegen Köln ist ihm vielleicht nicht alles geglückt. Aber dann gibt es eine Aufmunterung und weiter geht"s“, sagte Mattuschka.
Kurzum: Union braucht mehr Mattuschkas, mehr Spieler, mit solchen Führungsqualitäten. Denn nicht immer wird der Mittelfeldspieler sein Team derart mitreißen können wie nun gegen Köln. Zumal die Zeit des Fanlieblings, der am 4. Oktober 32 Jahre alt wird, bei Union auch nicht mehr unendlich sein wird. Im Gegenteil, Mattuschkas Vertrag läuft am Saisonende aus. Jedes gute Spiel, jedes Tor gilt da schon als Empfehlungsschreiben für ein Bleiben des Mannes, der laut Fangesang kann, was keiner kann. Seinen Platz in der Mannschaft hat er sich zunächst zurückerkämpft. Gegen Tijani Belaid, den Tunesier, gegen den er sich nach Vorgabe des Trainers durchsetzen muss. Und auch durchgesetzt hat. Weil im bevorzugten System mit der Raute im Mittelfeld und nur einem Spielmacher schlichtweg kein Platz für beide ist. Mattuschka: „Ich habe mich bisher immer durchgesetzt. Und wenn es mal nicht so läuft, versuche ich, mich nicht verrückt zu machen. Ich glaube an mich und meine Stärken.“



