Zweite Liga

Krise ist Chance für Union-Spieler aus der zweiten Reihe

Wegen vieler Ausfälle und vier Niederlagen in Folge dürfen Köpenicker Ergänzungsspieler wie Christoph Menz auf einen Köln-Einsatz hoffen.

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Den Verband am rechten Handgelenk trägt Christoph Menz schon seit Wochen. „Sehnenscheidenentzündung“, benennt er kurz und knapp die Ursache dafür. Der Grund, warum der Defensivmann des 1. FC Union in der noch jungen Zweitliga-Saison bislang kaum zur Geltung gekommen ist, ist diese Handverletzung jedoch nicht. Menz wurde von Trainer Uwe Neuhaus bislang für nicht gut genug befunden, um in der Startelf der Köpenicker aufzulaufen. Dies könnte sich am Freitagabend gegen den 1. FC Köln ändern (18 Uhr, Alte Försterei).

Es ist die Verletztenmisere in Tateinheit mit der Talfahrt des Klubs, die Menz weiter in den Fokus gerückt hat. „Wir haben noch genug gesunde Spieler“, sagte Neuhaus: „Die können jetzt zeigen, dass sie vielleicht vom Trainer in den vergangenen Wochen falsch beurteilt wurden.“ Die Krise als Chance für die Spieler aus der zweiten Reihe – für die Betroffenen nicht wirklich wünschenswert, im Kosmos Profifußball jedoch unumstößliche Realität.

So wünscht auch Menz seinen verletzten Kollegen zunächst „alles Gute“. Ja, der Teamgeist muss gerade in so schwierigen Zeiten, in denen Union nach vier Niederlagen in Folge steckt, gepflegt werden. Doch jetzt steht der 23-Jährige bereit. Auch weil er Einiges gutzumachen hat. „Ich kann mit dem bisherigen Verlauf meiner Saison keineswegs zufrieden sein“, sagt das Union-Eigengewächs (seit 2000 im Verein): „Ich habe in Sandhausen meine Chance nicht genutzt. Danach musste ich mich erst wieder hinten anstellen.“ 90 Minuten durfte er im Spiel beim Aufsteiger in der Innenverteidigung ran, nach schwachem Auftritt folgten zu letzt nur sieben weitere in der Schlussphase in Ingolstadt. Ansonsten hieß es: „Das Trainingsniveau hochhalten, um sich stetig zu verbessern“, wie Menz erklärte.

Zu wenig für jemanden, der sich bereits vor zwei Spielzeiten in die Startelf gespielt hatte, rechts in der Abwehrkette. Mit der Verpflichtung von Marc Pfertzel im Sommer 2011 rückte Menz als Notnagel in die Innenverteidigung und spielte sich erneut fest. Die Personalknappheit im Abwehrzentrum wurde nun durch die Verpflichtungen von Fabian Schönheim und Roberto Puncec behoben – und Menz fand sich plötzlich auf der Bank wieder.

Dass er nun wieder im Gespräch ist, hat einen einfachen Grund. Menz ist jemand, der gerne als Allrounder bezeichnet wird. Fluch, weil man keinen festen Platz im Team einnehmen kann, oder eher Segen, weil man auf mehreren Positionen eingesetzt werden könnte? „Man sollte das eher als Stärke bezeichnen“, sagte Menz. Und tatsächlich ist seine Flexibilität ein Vorteil angesichts der Ankündigung des Trainers, dass es gegen Köln „personelle wie auch taktische Änderungen geben kann“.

Es ist durchaus möglich, dass Neuhaus sein Team gegen den Bundesliga-Absteiger mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr agieren lässt. Schließlich soll hinten endlich die Null stehen. Neben dem etatmäßigen Sechser Markus Karl wäre prädestiniert für den Job des Abräumers: Christoph Menz. „Das wäre sicher eine Möglichkeit“, sagte er. Zumal der Blondschopf längst wissen ließ, dass er sich in dieser Position, also im Zentrum, am liebsten sieht.

Eine weitere, wenn auch ungewöhnliche Variante wäre es, Menz auf der linken Seite zum Einsatz kommen zu lassen. Bedarf wäre vorhanden angesichts der verletzungsbedingten Ausfälle von Michael Parensen und Felipe Gallegos sowie des möglichen Fehlens von Björn Kopplin. Und sollte sich Pfertzels Einsatz nach seiner Oberschenkelzerrung hinten rechts doch als zu risikoreich herausstellen – Menz wäre zur Stelle.

Es ist auch höchste Zeit, sich für weitere Einsätze zu empfehlen. Schon aus eigenem Interesse: Der Vertrag von Menz bei Union läuft am Saisonende aus. Zudem weiß auch Menz: „Die Geduld der Fans ist nicht unendlich. Es wird langsam Zeit, dass wir etwas zurückzahlen.“ Menz ist bereit, dabei zu helfen. Jetzt muss ihn nur noch der Trainer für gut genug befinden.