Zweite Liga

Union oder Hertha - Wer wird Berlins Nummer eins?

Alle reden vom Lokalderby in zehn Tagen. Doch zuerst müssen Hertha und Union ihre Spiele am Abend gewinnen, um den Druck zu mindern.

Foto: DAPD

Die Deutsche Fußball-Liga preist die Bundesliga als die stärkte und attraktivste Spielklasse der Welt. Standesgemäß wird Meister Borussia Dortmund am Freitagabend gegen Werder Bremen zum Start in die neue Saison mit Marko Reus den teuersten Neuen dieses Sommers aufbieten. 17 Millionen Euro überwies der BVB an Borussia Mönchengladbach, um sich die Dienste des Dribbelkünstlers zu sichern. Für neue Stars hat die Liga reichlich Geld in die Hand genommen: Gladbach hat für den Holländer Luuk de Jong zwölf Millionen Euro ausgegeben, der VfL Wolfsburg sieben Millionen für Bas Dost. Der FC Bayern ließ sich die Verpflichtung des Schweizer Kraftpakets Xherdan Shaqiri neun Millionen kosten, Gladbach blätterte für Granit Xhaka 8,5 Millionen Euro hin.

Um die deutsche Eliteklasse international besser zu präsentieren, ist ab sofort im Internet eine „Worldversion“ am Start, bundesliga.com, auf Englisch. Im September wird eine Website für Polen online gehen, im Dezember eine weitere für den Zielmarkt Japan. Und Berlin?

Die Fußball-Fans der Hauptstadt verfolgen die Jubiläumssaison der Bundesliga nur am Fernseher. Erstliga-Absteiger Hertha BSC empfängt am Freitag im Olympiastadion Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg. Der 1. FC Union reist an diesem Spieltag zu Klassenneuling SV Sandhausen (Anpfiff beider Spiele: 18 Uhr). Schwere Zeiten für die Anhänger. Der Spott, die einzige europäische Hauptstadt ohne Erstliga-Klub zu sein, trifft vor allem Hertha BSC. Doch sowohl die Blau-Weißen aus Neu-Westend als auch die Rot-Weißen aus Köpenick sind schlecht in die Saison gekommen. Beide haben noch nicht ein Spiel gewonnen. Nach je einem Unentschieden liegt Union mit einem Punkt auf Rang 13, Hertha BSC mit der schlechteren Tordifferenz gar auf Rang 16.

Sollen sich die Bundesliga-Fans landauf, landab mit den Rekordtorschützen zur 50. Saison beschäftigen, mit gebrochenen Pfosten und Einwurftoren der Marke Reinders. Für die Berliner Vertreter ist der dritte Spieltag im Unterhaus ein wichtiger. Wohl dem Verein, der vor dem vierten Spieltag den ersten Sieg einfährt. Sportlich helfen drei Punkte für die Tabelle. Und gleichzeitig würde das ersehnte Erfolgserlebnis den Druck vor dem anstehenden Ereignis etwas lindern. Am Montag, dem 3. September, steigt in der Alten Försterei das Derby. Union oder Hertha, wer ist die Nummer eins in der Stadt? Ein Prestigeduell, das für die Anhänger der beiden Klubs eine besondere Rolle hat und im Vorfeld hochgejazzt werden wird – viel mehr, als es den Trainern und den meisten Spielern lieb ist.

Hertha rechnet am Freitag gegen Regensburg mit rund 28.000 Zuschauern im Olympiastadion. „Das ist eine Größenordnung, um die uns fast alle anderen Zweitligisten beneiden“, sagt Herthas Finanzchef Ingo Schiller. „Aber unser Anspruch ist natürlich ein anderer.“ Eigentlich kalkuliert der Klub mit einem Zuschauerschnitt von 38.000. Die vergleichsweise spärliche Kulisse ist eine Quittung für den enttäuschenden Start der Mannschaft von Trainer Jos Luhukay. Nach der 1:2 Pokalpleite bei Viertligist Worms wird der Trainer seine Mannschaft erneut umbauen. So werden Roman Hubnik in der Abwehr und Peer Kluge im Mittelfeld zurückkehren. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz des angeschlagenen Rechtsverteidigers Marcel Ndjeng. Der öffentlichen Kritik der vergangenen Tage entgegnet Luhukay: „Ich glaube an meine Mannschaft. Aber uns würde ein Erfolgserlebnis gut tun.“

Union hat sich mit dem Last-Minute-Sieg bei Regionalligist Rot-Weiss Essen (1:0 n.V.) im Pokal etwas Selbstvertrauen geholt. Kapitän Torsten Mattuschka sagte: „Wir müssen den Schwung aus dem Essen-Spiel mitnehmen. Wir werden alle Körner raushauen, die wir haben.“ Bei den „Eisernen“ wird der verletzte Manndecker Fabian Schönheim von Christian Stuff ersetzt. Simon Terodde, der in Essen das Goldene Tor in der 120. Minute erzielt hatte, sagte: „In Sandhausen haben wir die Chance, den kleinen verpatzten Saisonstart wettzumachen. Die Partie ist wie ein kleiner Neustart für uns.“

90 Minuten haben Hertha (gegen Regensburg) und Union (in Sandhausen) nun die Chance, dafür zu sorgen, dass sich die Hauptstadt-Vertreter in zehn Tagen in der Wuhlheide nicht zum Kellerderby treffen.