Zweite Liga

Diese Baustellen muss Hertha-Trainer Luhukay angehen

Der Saisonstart war bislang sehr schwach. Hertha BSC hat noch viele Baustellen, an denen der Trainer dringend arbeiten muss.

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Der Saisonstart in der Liga war schwach, der Pokal-Auftritt bei Viertligist Worms blamabel – doch man kann Jos Luhukay nicht vorwerfen, nicht offen mit den Problemen umzugehen. Vor der dritten Runde in der Zweiten Liga, der Partie am Freitag gegen Jahn Regensburg (Olympiastadion, 18 Uhr), sagte der Trainer von Hertha BSC: „Das Fundament, auf das wir in dieser Saison bauen wollen, ist noch nicht so weit, wie wir uns das erhofft hatten. Wir haben noch diverse Risse.“ Luhukay, der Architekt der Aufstiegsmannschaft von Hertha BSC werden soll, hat mit dem zu kämpfen, was auch echte Bauherren regelmäßig plagt: Kaum ist ein Problem gelöst, taucht eine neue Kalamität auf. Die Baustellen des Jos Luhukay:

Zitterpartie im Tor

Neben Thomas Kraft ist auch dessen Stellvertreter Sascha Burchert gegen Regensburg gesperrt. Das Torwart-Duo besteht aus Philip Sprint (19) und Marius Gersbeck (17). „Unser Torwartteam ist sehr jung“, sagte Luhukay. Am besten sei es, wenn die Defensive gegen Regensburg so gut funktioniere, „dass der Torwart möglichst wenig zu tun hat“. Die Zitterpartie im Tor muss Hertha für diese 90 Minuten überbrücken. Am nächsten Spieltag, dem Derby bei Union, ist Kraft spielberechtigt. Dann wird der beste Torwart im Unterhaus im Hertha-Tor stehen.

Experimente auf der Außenbahn

Läuft es schlecht, fallen gegen Regensburg sowohl Marcel Ndjeng (Prellung im Oberschenkel) und Alfredo Morales (Hüftprellung) aus. Christoph Janker (Leistenprobleme) steht ohnehin nicht zur Verfügung. Deshalb probiert Luhukay einen Spieler aus, der dort noch nie gespielt hat: „Ich versuche es mit Fabian Lustenberger. Ich weiß, dass er im Mittelfeld am besten ist, aber er ist ein Allrounder.“ Diese Position ist seit Jahren ein Problem. Außenverteidiger, so heißt es, kauft man nicht, die bildet man selbst aus. Hertha hatte ein solches Talent, das aber bereits drei Knieoperationen hinter sich hat. Deshalb haben die Verantwortlichen einen ausländischen Spieler im Auge. Gut möglich, dass der im Winter kommt.

Formtief der Innenverteidigung

Auf dem Papier stellen Roman Hubnik und Maik Franz eine Furcht einflößende Innenverteidigung dar. Wenn sie in Topform sind. Sind sie aber nicht. Eigentlich müsste Hubnik, ein tschechischer Nationalspieler, seine jungen Kollegen wie Sprint, John Brooks oder Niko Schulz führen. Stattdessen registriert Luhukay: „Roman wirkt wie jemand, der Angst hat, Fehler zu machen. Wenn man diese Angst hat, macht man auch Fehler.“ Ein Sechs-Augen-Gespräch mit dem Trainer und dem Manager in einem italienischen Restaurant soll Hubnik aufbauen. Von Franz sind auf Wochen hinaus keine Wunderdinge zu erwarten. So groß der Ruf ist, der „Iron“-Maik vorauseilt: Nach acht Monaten Pause wird Franz diverse Spiele benötigen. Es ist absolut offen, ob Herthas vermeintliches Bollwerk hält, was man sich erhofft.

Rückstand im Mittelfeld

Gegen Regensburg setzt der Architekt auf Peer Kluge. Von keinem Spieler schwärmt Luhukay so sehr wie vom Ex-Schalker, der seine Knöchelverletzung auskuriert hat. „Peer ist ein guter Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Angriff. Von der Spielkultur her kann er den Rhythmus lesen. Peer tut uns absolut gut.“ Kluge ist mit fast 300 Profispielen eine wichtige Korsettstange. Zumal es Hertha in der Offensive an einer ordnenden Hand gefehlt hat. Aber Kluge hat 2011/12 auf Schalke nur drei Teil-Einsätze bestritten. Bei der Hertha-Premiere gegen Paderborn wurde er nach einer Stunde ausgewechselt. Auch Kluge wird Zeit benötigen. Da hilft es nicht, dass Nebenmann Peter Niemeyer ebenfalls nicht auf der Höhe ist. Der Trainer lobt seinen neuen Kapitän als „absolut vorbildlich in der Einstellung“. Merkt aber an, „dass Peter noch viel mit sich und seinem Spiel zu tun hat“. Doch Hertha kann es sich im Aufstiegsrennen nicht leisten, auf so viele Profis zu warten, die irgendwann mal in Form kommen. Im defensiven Mittelfeld gibt es mit Fabian Lustenberger zudem eine lautstarke Alternative und mit Ronny eine spielintelligente.

Ladehemmung im Sturm

Der Angriff ist allein deshalb eine Baustelle, weil der Trainer bisher mit verschiedenen Systemen hat spielen lassen, mal mit einem, mal mit zwei Stürmern. Mit Allagui, Wagner, Kachunga und Ben-Hatira haben bereits diverse Spieler vorgetanzt (mit Nikita Rukavytsya und Ben Sahar warten weitere Kandidaten auf ihre Chancen). Doch Luhukay ist nicht zufrieden. Der Trainer wünscht sich gegen Regensburg „mehr Entschlossenheit, mehr Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor“. Verglichen mit der Konkurrenz sind die Berliner vorn dank unterschiedlicher Sturmtypen exzellent besetzt.

Aber natürlich weiß Luhukay, „dass wir in einer erfolgsorientierten Gesellschaft leben. Ich weiß, dass es im Moment nicht so aussieht, als ob alles passt.“ Drei Punkte gegen Regensburg würden helfen, dem noch schwankenden Hertha-Fundament dringend benötigte Stabilität zu verleihen.