0:1-Heimniederlage

Union Berlin fehlt gegen Braunschweig die Leidenschaft

Auch wenn Union am Ende durch einen Elfmeter verlor: Die Braunschweiger waren willensstärker. Das zeigten nicht nur drei Aluminiumtreffern.

Foto: DPA

Die Ehrung nahm Jan Glinker wohlwollend entgegen. Zum vierten Mal wurde der Torwart von den Fans zum „Unioner des Jahres“ gekürt. Ein wenig Balsam für den 28-Jährigen, der seinen Platz im Tor des 1. FC Union für Zugang Daniel Haas räumen musste. Der wiederum hätte Sonntagnachmittag im ersten Heimspiel der Saison gegen Eintracht Braunschweig gleich zum Helden werden können. Bei einem Eckball war die neue Nummer eins des Berliner Fußball-Zweitligist mit nach vorn geeilt, kam sogar zum Kopfball. Das Erfolgerlebnis blieb ihm jedoch verwehrt. So jubelten nach 90 Minuten die Gäste in Blau-Gelb. 0:1 (0:1) gegen den neuen Tabellenführer, nur ein Punkt aus zwei Spielen – ein erfolgreicher Saisonstart sieht sicherlich anders aus.

Ball an Pfertzels Ellenbogen

„Dass wir durch einen Elfmeter 0:1 verlieren, ist umso ärgerlicher“, sagte Haas hinterher. Es lief die 39. Minute, als sich die entscheidende Szene entwickelte. Nach einer Flanke sprang Rechtsverteidiger Marc Pfertzel der Ball an den linken Ellenbogen, Schiedsrichter Torsten Kinhöfer (Herne) zögerte keine Sekunde: Elfmeter für die Eintracht.

Marc Pfitzner trat an und ließ Union-Keeper Haas keine Chance. „Ich musste spekulieren, da er verzögert hatte“, erklärte Haas. Es war die falsche Ecke.

Neuhaus’ Kritik an der Handspielregel

Jene Szene sechs Minuten vor der Pause brachte die Niedersachsen nicht nur auf die Siegerstraße, sie erzürnte auch Uwe Neuhaus. Auf die Frage, ob man den Strafstoß denn wirklich hätte geben müssen, echauffierte sich der Union-Trainer: „Ich mache dem Schiedsrichter keinen Vorwurf, aber die Regel ist vollkommener Müll.“ Die Sache mit dem Ermessensspielraum, ob das Handspiel nun absichtlich oder nicht erfolgte, „macht den Schiedsrichtern die Arbeit nur schwer.

Dann sollen sie es lieber so machen: Hand ist Hand, egal ob angeschossen oder mit Absicht. Dann weiß jeder, woran er ist. Aber so, wie die Regel jetzt ist, ist sie Schwachsinn.“

Braunschweig clever und zielstrebig

Den Grund für die Niederlage ausschließlich in der Elfmetersituation zu suchen, ist jedoch zu kurz gedacht. „Wir habe weniger gezeigt, als wir uns vorgenommen hatten“, resümierte Michael Parensen. Der Ersatzkapitän – Torsten Mattuschka saß erneut zunächst auf der Bank, sein Vize Patrick Kohlmann ist immer noch verletzt – erklärte: „Wir wollten zu Hause wieder eine Macht werden, das haben wir noch nicht geschafft.“

Weil sich mit Eintracht Braunschweig eine Mannschaft in der mit 16.750 Zuschauern ausverkauften Alten Försterei präsentierte, die den Unionern an Cleverness und Zielstrebigkeit zum Tor überlegen war.

Chancen durch Silvio, Terodde und Zoundi

„Wir wussten, wenn wir bei Union bestehen wollen, dann müssen wir über uns hinaus wachsen. Das haben wir geschafft“, sagte Gäste-Coach Torsten Lieberknecht. Eine sehr leidenschaftliche Partie hätten die Seinen abgeliefert, genau das taten die Unioner über weite Strecken nicht.

Dennoch kamen sie zu guten Torchancen. Ein Silvio-Kopfball fand nicht den Weg ins Tor (14.), Simon Terodde ließ sich von Eintracht-Schlussmann Daniel Davari den Ball vom Fuß nehmen (28.), ein Lupfer von Patrick Zoundi fiel nur aufs Tornetz (33.) – „eine Chance davon muss ein Tor sein“, sagte Neuhaus. Wie angekündigt hatte er sein Team im Vergleich zum 3:3 in Kaiserslautern kaum verändert: Parensen übernahm den Platz links in der Abwehr von Maurice Trapp, dafür rückte Björn Jopek links ins Mittelfeld. Dennoch konnte Union „nicht den Druck entwickeln, den wir entwickeln wollen“, sagte Nico Schaefer, kaufmännisch-organisatorischer Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, zur Pause.

1:3 nach Aluminiumtreffern

Nach knapp einer Stunde kamen Mattuschka und Adam Nemec für Tijani Belaid und Silvio, später noch Christian Stuff für Roberto Puncec. Mehr als ein Lattentreffer durch Mattuschka sprang aber nicht heraus. Dem hatte Braunschweig drei Aluminiumtreffer von Dominik Kumbela (71., 89.) und Damir Vrancic (90.+3) entgegenzusetzen.

So blieb Union nach zweimal 90 Minuten nur das ernüchternde Fazit von Parensen: „Ein Punkt nach zwei Spielen ist definitiv zu wenig.“

1. FC Union - Braunschweig 0:1

1. FC Union: Haas – Pfertzel, Puncec (83. Stuff), Schönheim, Parensen – Karl – Zoundi, Belaid (57. Mattuschka), Jopek – Terodde, Silvio (57. Nemec).

Braunschweig: Davari – Correia, Bicakcic, Dogan, Reichel – Theuerkauf – Kratz, Pfitzner (65. Vrancic) – Kruppke (75. Ademi), Boland – Kumbela (90.+1 Edwini-Bonsu).

Tor: 0:1 Pfitzner (39., Handelfmeter). – Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne). – Zuschauer: 16.750 (ausv.). – Gelbe Karten: Pfertzel (2) – Pfitzner, Kumbela. – Torschüsse: 17:20. – Ecken: 9:12. – Ballbesitz: 58:42 Prozent.