Zweite Liga

Trainer Neuhaus lobt Chilenen Gallegos als „Malocher”

Uwe Neuhaus hat Großes mit dem Südamerikaner vor. Jetzt muss sich Luis Felipe Gallegos aber erst mal in Deutschland einleben.

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Ein wenig verlegen gibt er zunächst den Blick auf seinen rechten Unterarm frei. Natürlich ist er tätowiert, bei Fußballspielern mit einem Alter um die 20 Jahre zählt jene Verzierung heutzutage fast schon zur Grundausstattung. Doch die leichte Unsicherheit weicht schnell dem Stolz, den ein Chilene in sich trägt. Den natürlich auch Luis Felipe Gallegos offenbart, als er jene acht Buchstaben zeigt, die auf seinem Arm prangen. Rafaella, der Name seiner Tochter steht dort in großen Lettern geschrieben. „Sie bedeutet mir alles“, sagt Gallegos.

Am Donnerstagvormittag bestritt der 20-Jährige die erste Trainingseinheit bei seinem neuen Verein, dem 1. FC Union. Und schon jetzt wird offenbar: Berlins Fußball-Zweitligist und der sympathische Südamerikaner– das ist eine Kombination, die durchaus passen könnte. „Am Ende des Monats kommt meine Familie nach Berlin. Das ist mir sehr wichtig“, erzählt Gallegos. Wichtig, um sich so schnell wie möglich in Berlin einzuleben.

Silvio erster Ansprechpartner

Bei diesem Vorhaben hat er an der Alten Försterei bereits den ersten Schritt getan. Nach den ersten gut eineinhalb Stunden Arbeit unter Trainer Uwe Neuhaus sieht man Gallegos Seite an Seite mit Silvio auslaufen. Der brasilianische Stürmer in Diensten der Köpenicker Kicker wird auch in den nächsten Wochen und Monaten Ansprechpartner für Unions letzten Zugang dieser Saison ein. Silvio spricht als Brasilianer portugiesisch, Gallegos als Chilene spanisch, das erleichtert die Kommunikation ungemein. Auch dass der Franzose Marc Pfertzel des Spanischen mächtig ist, ist kein Nachteil. „Die Spieler helfen sehr bei der Integration“, sagt Gallegos. Er fühlt sich gut aufgenommen.

Neuhaus gefällt das. Was nicht heißen soll, dass sich Gallegos mit dem Erlernen der deutschen Sprache lange Zeit lassen darf. „Wir werden daran arbeiten, dass er so schnell wie möglich zunächst einige Brocken kennenlernt“, sagte der Coach. Schließlich ist der Südamerikaner keiner, den Neuhaus lange verstecken will. Auf der linken Seite soll er Dampf machen, dem Spiel der Unioner und damit zwangsläufig auch Michael Parensen. Jenem Kämpfer im Lager der Rot-Weißen, der bislang über die linke Seite für Gefahr gesorgt und beim 3:3 zum Auftakt beim Bundesliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern auch den ersten Union-Treffer der Saison erzielt hat. „Er ist ja nicht nur eine Position an ihn vergeben“, sagt Neuhaus jedoch, „er hat ja auch Möglichkeiten, woanders zu spielen.“

Mit anderen Worten: Sobald die Spielberechtigung für Luis Felipe Gallegos an der Alten Försterei eintrifft (für das erste Heimspiel am Sonntag gegen Eintracht Braunschweig könnte es womöglich nicht mehr reichen), wird der Chilene auch auflaufen. Zumal er nicht mit einem Trainingsrückstand nach Berlin gekommen ist. „Ich bin seit drei, vier Wochen im Training und habe zwar noch kein Punktspiel, aber dafür Freundschaftsspiele absolviert“, lässt Gallegos flugs wissen. Er ist also fit.

Genau das, was Trainer Neuhaus braucht. Denn er hat Großes mit seinem neuen Flügelspieler vor. „Er hat ein gutes Tempo, ist zielstrebig und ein guter Flankengeber. Und torungefährlich ist er auch nicht“, nennt der Coach die wichtigsten Gründe, warum sich Union für eine Gallegos-Verpflichtung ausgesprochen und in den einjährigen Leihvertrag eine Kaufoption inklusive bereits ausgehandeltem Dreijahresvertrag eingearbeitet hat. „Außerdem bringt er eine gute Mentalität auf den Platz. Er ist schon ein Malocher, viel unterwegs“, fügt Neuhaus hinzu. Vielleicht die wichtigste Eigenschaft, um beim 1. FC Union anzudocken und sich in die Herzen der Fans zu spielen. Denn wo, wenn nicht an der Alten Försterei, wird auf den Rängen schon mal über eine Niederlage hinweggesehen und die eigene Mannschaft trotzdem ausgiebig gefeiert, wenn wenigstens Kampf, Einsatz und Leidenschaft in den 90 Minuten zuvor gestimmt haben?

Erfahrung mit Derbys

Dass Gallegos nicht von irgendeinem chilenischen Klub, sondern von Universidad de Chile zu Union gewechselt ist, dürfte dabei von großem Nutzen sein. Der Klub selbst und auch seine Anhänger bezeichnen sich als „los de abajos“ – „wir von da unten“. Ein Arbeiterverein aus Santiago, der sich im Sommer zum 16. Mal den Meistertitel hat sichern können, auch wenn Gallegos nicht fest zur Startelf gehörte. Und ein Klub, der Jahr für Jahr um die Gunst der Fans in der Hauptstadt kämpfen muss. Zuletzt waren es gar sechs Konkurrenten aus Santiago.

Mit Lokalderbys kennt sich Luis Felipe Gallegos also richtig aus. Auch mit dem, das am 3. September in Berlin stattfinden wird? „Ich weiß erst seit jetzt, dass es eine Rivalität zwischen dem 1. FC Union und Hertha BSC gibt“, sagt Gallegos. Gehört hatte er von Hertha im Übrigen bislang noch nichts.

Bleibt zu klären, wann denn Gallegos glaubt, erstmals im Trikot der Köpenicker auflaufen zu können. „Wenn ich mich technisch sicher fühle, bin ich einsatzbereit“, sagt er selbstbewusst. Um gleich hinterherzuschieben: „Und natürlich wenn der Trainer es sagt.“ Gut möglich, dass er schon am 24. August beim SV Sandhausen sein Debüt gibt. Sogar zum ersten Wort Deutsch reicht es schon. „Dankeschön“, verabschiedet sich Gallegos. Sein Blick geht auf den Schriftzug auf seinem Unterarm, seine Gedanken sind bei seiner Tochter Rafaella. Dann lächelt er. Verlegen, und doch voller Stolz.