Union Berlin

Kapitän Mattuschka in der zweiten Reihen

Union-Ikone Torsten Mattuschka droht auch am Sonntag gegen Braunschweig die Bank. Die Zeit, in der er unverzichtbar war, scheint vorbei.

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Es dauerte ein wenig, bis Uwe Neuhaus das Thema anschnitt. Doch dann sagte der Trainer des 1. FC Union jenen Satz, der nicht allen im Kader des Berliner Fußball-Zweitligisten gefallen wird. Auch wenn beim 3:3 zum Auftakt in Kaiserslautern eine Führung verspielt wurde, „habe ich keinen großen Grund, die Mannschaft zu verändern“. Mit anderen Worten wird wohl die gleiche Elf beginnen wie vergangenen Montag – und Torsten Mattuschka zunächst wieder nur auf der Bank sitzen.

„Nicht aus dem Quark gekommen”

Union erneut ohne seinen Kapitän? Das gab es in den vergangenen Jahren nur, wenn eine Verletzung einem Einsatz im Wege stand. So weit ist es derzeit nicht, auch wenn Mattuschka nicht wirklich zu hundert Prozent fit ist; in der Vorwoche sei der 31-Jährige nicht „aus dem Quark gekommen“, wie es Neuhaus nannte, diese Woche verhinderte zunächst Muskelkater vollen Trainingseinsatz. Sein Einsatz war in der Vergangenheit dennoch sicher. Doch die Zeit, in der Union auf „Tusche“ nicht mehr verzichten kann, nährt sich offenbar unaufhaltsam dem Ende.

„Bis zum jetzigen Zeitpunkt war es schwierig, ihm zu helfen“, sagte der Coach. Dienstag war man erst in den frühen Morgenstunden aus Kaiserslautern zurückgekehrt, „Mittwoch hatten wir dann eine Gammeleinheit, wo wir wenig machen konnten“, erklärte Neuhaus. Erst in den letzten Einheiten vor dem ersten Heimspiel der Saison am Sonntag gegen Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr, Alte Försterei) werde sich der Übungsleiter ein genaueres Bild von seinem Mittelfeldspieler machen können. Doch die Zeichen stehen erst recht, nachdem Tijani Belaid im Mittelfeld in der Pfalz mit zwei Vorlagen geglänzt hatte, eher gegen Mattuschka.

Oberliga-Helden im zweiten Glied

Keine Frage, der Abgesang der letzten Oberliga-Helden, jener Spieler, die bereits seit den viertklassigen Tagen 2005/06 für Union spielen bzw. im Zuge des anschließenden Aufstiegs in die Regionalliga 2006/07 gekommen sind, ist längst in vollem Gange.

Dazu gehört neben Mattuschka Torwart Jan Glinker, der direkt nach Ende der vergangenen Saison durch die Verpflichtung von Daniel Haas ins zweite Glied musste und sich durch den Meniskuseinriss des Ex-Hoffenheimers während der Trainingsphase nur kurz Hoffnungen auf eine Rückkehr zwischen die Pfosten machen konnte. Dazu gehört auch Christian Stuff. Der Abwehrspieler fand sich trotz guter Vorbereitung auf der Bank wieder, Zugang Roberto Puncec bekam in der Innenverteidigung den Vorzug. Und dazu gehört auch Daniel Göhlert, der in den Planungen des Trainers überhaupt keine Rolle mehr spielt.

Jetzt-erst-recht-Mentalität

So weit will es Torsten Mattuschka nicht kommen lassen. Er besitze „eine Jetzt-erst-recht-Mentalität“, ließ er längst wissen. Er wolle „den Leuten zeigen, dass ich noch da bin. Ich werde alles geben.“ Das hat ihn bislang immer ausgezeichnet und ihn auch immer wieder zurück in die Startelf gebracht. Schließlich geht es um weit mehr als lediglich um die bloße Rückkehr in die Anfangsformation. Es geht um seinen Verbleib an der Alten Försterei. Mattuschkas Vertrag läuft am Ende der Spielzeit aus.

Doch ob und wie es für ihn bei Union weitergeht, hängt nicht ausschließlich allein von seinem Engagement ab. Sondern auch ein wenig vom Wohlwollen eines Trainers. Nur bei 24 Partien verlängert sich Mattuschkas Vertrag automatisch, wobei ein Einsatz über mindestens 45 Minuten als ein Spiel zählt, ein Einsatz ab 30 Minuten wird wie ein halbes Spiel gerechnet. Mattuschkas Bilanz nach den zehn Minuten auf dem Betzenberg lautet also demnach: null Einsätze.

Letztendlich zählt nur Leistung

Grundsätzlich gelte, und das betonte Trainer Neuhaus gestern noch einmal: „Nur über Leistung kommt man in die Mannschaft.“ Durch die gehobene Qualität im Kader, nicht zuletzt durch die sechs Zugänge, werden sich die bislang Etablierten jeden Tag aufs Neue beweisen müssen. Um das Saisonziel Platz fünf bis sieben erreichen zu können, ist dies auch notwendig. Das wird auch Torsten Mattuschka erkennen müssen.