Zweite Liga

Der 1. FC Union überrascht gleich zum Saisonstart

Nach einer aufregenden zweiten Halbzeit mit sechs Toren nehmen die Berliner einen Punkt von Bundesliga-Absteiger Kaiserslautern mit.

Foto: DAPD

Wenn Mannschaften aus der Fußball-Bundesliga absteigen, passiert personell meist eine ganze Menge. Teure Spieler müssen weg, preiswerte Alternativen her. Das war auch in Kaiserslautern so, zwei Jahre spielten die Pfälzer ganz oben mit, bevor sie wieder in die Zweite Liga durchgereicht wurden. Im Kader macht sich der Unterschied mit 13 neuen Spielern bemerkbar, das erfordert einiges an Integrationsarbeit.

Blenden lassen wollte sich Uwe Neuhaus davon nicht, der Trainer des 1.FC Union bereitete seine Mannschaft darauf vor, dass ihr ein Team gegenüberstehen würde, das in seiner Startelf kaum mehr verändert sein würde als man selbst. Das also auch in gleichem Maße würde eingespielt sein wie man selbst. Und Neuhaus behielt Recht, drei Neue bot Union auf, vier Kaiserslautern. Umso erstaunlicher, wie sich die Berliner schlugen gegen die zumeist in der Bundesliga erfahrenen Lauterer. Nach einer verrückten zweiten Halbzeit, in der sechs Treffer fielen, nahm Union beim 3:3 (0:0) einen Punkt mit.

Hätte mehr sein können

In seinen ersten Worten konnte Marc Pfertzel damit noch nicht allzu viel anfangen. „Wir sind ein bisschen zufrieden“, sagt der französische Außenverteidiger, der erst in der ersten Minute der Nachspielzeit das 3:3 für die Berliner erzielt hatte. Natürlich war er froh gewesen über den Punkt. „Aber es hätte mehr sein können“, sagte er.

Zunächst einmal müssen die Köpenicker zufrieden sein, dass es nicht weniger war. Denn alles lief darauf hinaus, dass sie sich selbst um den Lohn ihrer guten Arbeit bringen würden. 2:0 hatten sie geführt, wunderbare Treffer erzielt, ihr Auswärtstrauma mit 40 Gegentoren in der vergangenen Saison und reihenweise schwachen Darbietungen schien überwunden. Doch dann brach alles zusammen, ein paar hohe Bälle in den Strafraum ließen die Defensive so orientierungslos wirken wie früher und die Führung nicht nur dahinschmelzen, sondern sie verwandelte sich in einen Rückstand.

„Ich weiß nicht, ob wir uns nach der Führung zu sicher gefühlt haben“, sagte Michael Parensen, der das 1:0 erzielt hatte (47.). Als Hendrick Zuck in der 86. Minute zum 3:2 für Kaiserslautern traf, schien Union geschlagen. Doch beim letzten Angriff erkämpfte Simon Terodde den Ball, Pfertzel zog ab und rettete Union den Punkt – und sorgte für einen guten Start der Berliner in die neue Saison der Zweiten Liga.

Was die Neuen anging, gab es bei Union keine Überraschungen. Im Tor löste Daniel Haas (vorher Hoffenheim), der als Nummer eins geholt worden, aber zuletzt ausgefallen war, Jan Glinker ab. In der Innenverteidigung gesellte sich Roberto Puncec (Tel Aviv), der Christian Stuff verdrängte, zum gesetzten Fabian Schönheim (Mainz). Zum Erstaunen vieler verzichtete Neuhaus jedoch auf Kapitän Torsten Mattuschka und brachte stattdessen Tijani Belaid als Spielmacher.

Während bei Union die Konzentration bei den Transfers mehr in der Defensive lag, hatte Kaiserslautern ein ganz anderes Problem zu beheben. Dort bestanden erhebliche Probleme im Sturm, ein Grund, warum die Pfälzer seit Oktober 2011 kein Heimspiel mehr gewinnen konnten.

Gegen Union sah es nun zunächst so aus, als hätte die neue Offensive des FCK mit Mohamadou Idrissou und Albert Bunjaku, die Neuhaus beide als Bundesliga-Spieler betrachtet, mehr Qualität als die neue Defensive der Köpenicker. Doch die wacklige Anfangsphase überwanden die Berliner, sie ließen den Gegner immer seltener in den eigenen Strafraum. Allerdings erreichten sie den 16-Meter-Raum auf der anderen Seite auch kaum. Meist spielte sich das Geschehen in der ersten Hälfte daher im Mittelfeld ab.

Union führt schon mit 2:0

Deutlich zielorientierter ging es danach zu. Auf der rechten Seite der Berliner brachte Pfertzel den Ball in die Mitte zu Belaid und der gab ihn weiter nach links, wo Parensen an der Strafraumgrenze abzog. Er traf den Ball perfekt mit dem Außenrist und erzielte das 1:0 (47.). Kaiserslautern hatte das noch nicht ganz verdaut, da war wieder Belaid am Ball. Er spielte einen Pass in die Spitze, den Patrick Zoundi erlief und aus spitzem Winkel zum 2:0 traf (54.).

Union war auf dem Weg, seine Auswärtsprobleme souverän zu lösen. Doch die Partie kam nun erst richtig in Fahrt, Kaiserslautern drehte auf, wollte die Niederlage unbedingt vermeiden. Und hatte Glück, dass Idrissou nicht zurückgepfiffen wurde, als er Puncec wegstieß und auf 2:1 verkürzte (58.).

Die Gastgeber hielten den Druck nun hoch, Union bekam Probleme. Idrissou traf erneut per Kopf (72.). Doch selbst die Fehler und die scheinbare Wende durch Zuck ließen die Berliner nicht verzweifeln. „Wir haben guten Fußball gezeigt“, sagte ein nun zufriedenerer Pfertzel.