Ein Platz blieb leer auf dem Podium. Er war für Nico Schäfer reserviert, den Kaufmännischen Leiter des 1. FC Union. Aber der hatte keine Zeit, um Auskünfte zu geben. Das Thema, über das er eigentlich kurz referieren sollte, war noch nicht soweit abgearbeitet, als dass es Substanzielles zu verkünden gegeben hätte. Vielmehr war Schäfer noch eifrig damit beschäftigt, letzte Details zu klären – mit südamerikanischen Verhandlungspartnern. So was braucht eben Zeit, umso mehr, wenn ein solides Vertragswerk dabei herauskommen soll.

Schäfer war also entschuldigt, doch da ohnehin alle wussten, worum es ging, verzichtete der Klub darauf, sich mysteriös zu geben. Union suchte in den vergangenen Tagen noch einen Fußballprofi, der die Mannschaft auf ihrem Weg durch die neue Saison der Zweiten Liga begleiten und verstärken soll. Gefunden war er am Freitag bereits, nur eben der Vertrag noch nicht signiert. „Wir haben uns sportlich für Felipe Gallegos entschieden“, sagte Trainer Uwe Neuhaus, „wir standen schon länger in Kontakt, haben viele Gespräche geführt. Ich habe mich sehr genau informiert.“ 20 Jahre ist Gallegos alt, U20-Nationalspieler Chiles und war bisher in seiner Heimat beim Erstligaklub Universidad de Chile (Santiago) aktiv.

Gallegos wird Unions sechster Zugang, und er ist derjenige, der Chinedu Ede ersetzen soll. Der war vergangene Woche für gut 1, 2 Millionen Euro zum Bundesligisten Mainz gewechselt; mit ihm entstand aber auch ein Loch in der Kreativabteilung der Köpenicker. Adam Nemec, der vergangene Woche von Union verpflichtet worden ist, kam dafür nicht wirklich in Frage. Der Slowake ist mit seiner körperlichen Stärke dafür vorgesehen, im Sturmzentrum für mehr Durchsetzungsfähigkeit zu sorgen. Ede war dagegen ein filigraner Spieler, der offensiv variabel einsetzbar ist, genauso einer soll auch Linksfuß Gallegos sein.

Am Freitag war der Südamerikaner bereits in Berlin, er sollte jedoch am Wochenende wieder nach Hause fliegen und erst in der nächsten Woche mit dem Training bei Union beginnen. „Für Montag ist er noch keine Option“, sagte Neuhaus mit Blick auf das Auftaktspiel der Berliner beim 1. FC Kaiserslautern (20.15 Uhr, Sport1). Ganz leicht gefallen ist dem Trainer die Entscheidung für Gallegos nicht, denn mit dem Brasilianer Wilson Junior hatte unter der Woche ein weiterer viel versprechender Spieler seine Fähigkeiten im Probetraining gezeigt. Und dieser 21-Jährige beeindruckte Neuhaus. „Ob er Links- oder Rechtsfuß ist, war nicht zu sehen“, so Neuhaus. Ebenso verfügt Wilson über einen guten Torabschluss. „Er hat überzeugt“, sagt Neuhaus. Verpflichtet wird er aber dennoch nicht.

Finanziell wäre es kein Problem gewesen, brachte der Wechsel von Ede doch genug Geld in die Kasse. Union entschied sich aber dagegen, weil sich alle von Gallegos noch ein kleines bisschen mehr versprechen. Ein vielleicht noch wichtigerer Punkt ist, dass Neuhaus nicht zu viel Unruhe in den Kader bringen möchte. „Integration ist für uns eine Herausforderung, deshalb nehmen wir nur einen, obwohl sich beide in den Qualitäten ähnlich sind“, sagt der Trainer. Beide sind aber eben auch noch jung und müssen sich mit der deutschen Sprache arrangieren. Da erscheint es Neuhaus zu kompliziert, wenn zwei Spieler hinzukommen würden, die nur spanisch beziehungsweise portugiesisch sprechen. „Ich muss sicherstellen, dass mein gesprochenes Wort bei jedem ankommt“, sagt Uwe Neuhaus.

Zu den Einzelheiten des Vertrages von Felipe Gallegos gab es noch keine Informationen. Bekannt ist lediglich, dass der Chilene ausgeliehen werden soll. Höchstwahrscheinlich mit Kaufoption, so sahen zuletzt viele Verträge bei Union aus. In 46 Spielen für Universidad erzielte Gallegos acht Tore. Bei den Berlinern soll er nun überwiegend die linke Offensivseite bearbeiten, so wie Ede meistens.

Wahrscheinlich kommt für den Neuling auch das erste Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig (12.8.) noch zu früh, für Neuhaus spielt das momentan aber keine Rolle, er hat den Start in Kaiserslautern im Kopf. „Eigentlich gibt es nur noch ein Fragezeichen“, sagt er bezüglich der Aufstellung. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um die Besetzung der Torhüterposition, fraglich war, ob Daniel Haas nach seiner Verletzung schon wieder spielen kann. Wirklich beschäftigt ist er mit dieser Baustelle aber auch nicht, die Vorbereitung seiner Mannschaft war gut, die Vorfreude auf den Beginn wächst stündlich. Uwe Neuhaus drückt es so aus: „Es ist schön, die Pferde wieder aus dem Stall lassen zu können.“