1. FC Union

Eiserne überzeugen gegen Eindhoven trotz Unentschieden

Nach dem 1:1 gegen den PSV bleiben noch einige Fragen für Unions Trainer Neuhaus - insgesamt sieht er das Team aber auf einem guten Weg.

Ein kleiner Hauch von der Europameisterschaft, der sollte am Sonnabend eigentlich durch das Olympiastadion wehen. Juventus Turin war zu Besuch, eine Mannschaft, in der viele der italienischen Finalteilnehmer stehen.

Am Ende aber blieb Enttäuschung zurück, denn die Stars fehlten. Im Vergleich zu Juve klingt die PSV (Philips Sport Vereinigung) Eindhoven zwar nicht ganz so groß, aber EM-Teilnehmer hat der niederländische Traditionsklub auch zu bieten.

Mark van Bommel etwa, der die Elftal als Kapitän durch Polen und die Ukraine führte. Oder Przemyslaw Tyton, den polnischen Nationaltorhüter. An der Seitenlinie wäre da noch Trainer Dick Advocaat, der bei der EM das russische Team coachte.

Im Stadion an der Alten Försterei fühlten sich viele tatsächlich an den großen Fußball erinnert, als die PSV Eindhoven dort ein Gastspiel beim 1.FC Union gab. Es war eine Partie, in der die Köpenicker den Gegner in einer unerwartet kecken Weise herausforderten.

Saisonziele klar umrissen

Belohnt wurden sie mit einem 1:1 (1:0), und sogar mit Lob von Advocaat. „Ich bin sehr angetan, wie Union gespielt hat“, sagte der Niederländer. Ihm gefiel der Stil der Berliner, die wie immer harte Arbeit auf den Platz brachten. „Es ist gut zu sehen, dass es schwierig wird, wenn wir körperlich nicht alles geben“, so Advocaat.

Dabei befindet sich Eindhoven nicht etwa auf einem frühen Stand der Vorbereitung, in einer Woche trifft der Klub im niederländischen Supercup auf Ajax Amsterdam. Die Saisonziele sind hoch und klar umrissen.

„Wir werden um den Meistertitel spielen“, so Advocaat. Dennoch erwies sich der Zweitligist aus Berlin nicht als Laufkundschaft.

Obwohl Union-Trainer Uwe Neuhaus einräumte, dass sein Team von zehn Spielen gegen die Holländer wohl fast alle verlieren würde.

Kein schweres Testprogramm

Am Sonntag aber gab es nur ein Spiel, und das bestimmte auch Union. Was dem Trainer großen Respekt abnötigte. „Man darf nicht vergessen, welche Qualität PSV hat“, so Neuhaus.

Sie zeigte sich vorrangig in der zweiten Halbzeit, in der ersten hatte Union viele Chancen, fast immer durch Simon Terodde. Nutzen konnte der Stürmer nur eine, gleich zu Beginn war er nach einem Pass von Patrick Kohlmann per Drehschuss ins Tor (2.).

So richtig war der Stand der Berliner vor der Partie kaum einzuschätzen. Anders als Lokalrivale Hertha BSC hatte sich Union kein besonders schweres Testprogramm auferlegt.

Anfangs standen die Berliner ausschließlich unterklassigen Klubs gegenüber, erst am Dienstag trafen sie mit Hibernian Edinburgh auf einen Erstligisten (2:0), wobei die schottische Liga nicht sonderlich anspruchsvoll ist.

Holländer sichtlich beeindruckt

Es war der siebte Sieg im siebten Testspiel. Eindhoven bildete nun den Höhepunkt der Vorbereitung. Trotzdem wusste Union zu gefallen, gab Eindhoven wenig Raum, blieb eng an den Gegenspielern, was zu Balleroberungen führte, auch in der Offensive.

Dazu zeigte sich Union variabel im Spielaufbau, versuchte es über links, rechts und auch durch die Mitte. Das beeindruckte die Holländer sichtlich.

Zumindest für eine Weile, denn mit der Zeit offenbarte sich das Talent der PSV den 8572 Zuschauern in der Alten Försterei mehr und mehr. „Irgendwann stößt man an seine Grenzen“, sagte Neuhaus.

Sie lagen auf der läuferischen Ebene. Je länger das Spiel dauerte, desto schwerer fiel es, dass hohe Tempo mitzugehen. „Die viele Laufarbeit hat uns die Kräfte genommen“, stellte Neuhaus fest.

„Kontinuierlich gesteigert“

Vor das Tor der Holländer kamen die Berliner nur noch selten, dafür durfte die Abwehr oft ihren Trainingszustand zeigen. Er war gut, aber ab und zu ging die Ordnung verloren – der Ausgleich konnte deshalb nicht verhindert werden.

Memphis Depay traf per Freistoß (81.), Torhüter Daniel Haas, der Neuling war nach seiner Verletzung (Meniskuseinriss) zur Halbzeit für Jan Glinker für eingewechselt worden, sah dabei nicht glücklich aus.

Urteilen wollte Neuhaus darüber nicht. Er war zufrieden, mit dem Spiel auf der einen Seite („Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten gewehrt.“), mit der Vorbereitung auf der anderen.

„Wir haben uns kontinuierlich gesteigert und auch heute wieder einen Tick mehr gezeigt“, bilanzierte der Trainer. Eine Woche vor dem Start der Zweiten Liga hat Neuhaus in vielen Dingen Klarheit: „Der Großteil der Anfangself wird auch in Kaiserslautern auflaufen.“

„Keiner sollte sich zu sicher sein“

Am 6. August beginnt für Union die Saison. Zwei oder drei Fragezeichen, so Neuhaus, sehe er aber noch. Eines davon dürfte die Torwartfrage sein.

In der Abwehr sind Kohlmann und Marc Pfertzel auf den Außenpositionen gesetzt, innen steht Neuling Fabian Schönheim sicher. Zwischen Chritian Stuff und Zugang Roberto Puncec ist es eng. Im defensiven Mittelfeld überzeugte Markus Karl, vor ihm besetzt Kapitän Torsten Mattuschka die Zentrale.

Flankiert werden sie von Michael Parensen und wohl Patrick Zoundi, da Chistopher Quiring nach Verletzungsproblemen noch nicht soweit ist. Vorn sind Terodde und Silvio derzeit unangefochten.

Sturmzugang Adam Nemec, der gegen Eindhoven eine Halbzeit spielen durfte, hat noch einen zu großen Rückstand.

Veränderungen wollte Uwe Neuhaus allerdings nicht ausschließen: „Ich halte es wie immer, keiner sollte sich zu sicher sein.“ Am Mittwoch gibt es noch einen letzten Test, im Jahnsportpark spielt die erste Mannschaft gegen die eigenen Amateure (20.15 Uhr).