Rückrunde

1. FC Union trainiert für beste Zweitliga-Bilanz

Nach der Winterpause starten die Berliner heute ins Training. Nach unerwartet erfolgreichen Monaten könnte der 1. FC Union mit einer guten Rückrunde seinen Vereinsrekord erreichen. Die Zeichen dafür stehen mit Blick auf die Personallage nicht schlecht.

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Der erste Tag wird anstrengend. Runde um Runde müssen die Spieler laufen, das Tempo dabei immer mehr steigern. Zwischendurch fließt Blut, und am Ende weiß der Trainer ziemlich genau, wer seine persönlichen Vorgaben erfüllt hat, wer wie fit ist nach den gut zwei Wochen Urlaub, die der 1. FC Union seinen Profis gönnte. Am Mittwoch beginnt für den Fußball-Zweitligisten das neue Jahr auch sportlich, mit einem Laktattest.

Es wird eine sehr ausgiebige Vorbereitung auf den zweiten Teil der Saison. Vier Wochen haben die Köpenicker nun Zeit bis zum ersten Spiel in Paderborn. Ungewöhnlich viel ist das im Winter, und ungewöhnlich wird auch der Verlauf. Union zieht es in die Sonne, vom 16. bis 23. Januar führt Trainer Uwe Neuhaus ein Trainingslager in Spanien durch. Normalerweise scheut er vor solchen Dingen zurück. Die Gefahr von Erkrankungen durch Keime im Essen oder auch die Wetterumstellung sowie die Umgewöhnung von guten Platzverhältnissen im Süden auf schlechte in der Liga ließen die Berliner im Verbund mit fehlenden finanziellen Mitteln sonst daheim verbleiben zwischen den Saisonhälften.

Mit dabei im Trainingslager werden wohl auch Michael Parensen und Christoph Menz sein, die derzeit einzigen Verletzten bei den Berlinern. Neuhaus kann also aus dem Vollen schöpfen. Dass sich die in den vergangenen Monaten teilweise sehr angespannte Personallage nun so erfreulich darstellt, kommt dem Trainer auch deshalb gelegen, weil Zugänge im Winter wohl ausbleiben. „Der Kader ist in der Breite gut aufgestellt, um Ausfälle zu kompensieren“, stellte Neuhaus zur Pause fest, „deshalb sehe ich keine Veranlassung zur Veränderung.“ Es ist eine Form der Anerkennung für die Mannschaft. Schließlich kann Union auf unerwartet erfolgreiche Monate zurückblicken.

Feste Größe in der Zweiten Liga

Mit reichlich Rückenwind aus 2011 starten die Köpenicker deshalb in die zweite Hälfte der Spielzeit. Nach der besten Punktzahl zur Winterpause (31) und Platz sieben muss sich der Klub nicht mehr nach unten orientieren. „Wir haben uns weiterentwickelt“, lobte Kapitän Torsten Mattuschka das Ensemble. Und für ihn persönlich gilt das auch. An Silvester heiratete er – und verpasste einem großen Union-Jahr damit einen weiteren Höhepunkt. Stunden zuvor hatte auf der Geschäftsstelle noch einmal ordentlicher Trubel geherrscht, weil viele Fans die letzte Möglichkeit zur Zeichnung der Stadion-Aktien nutzten. Sogar Linken-Politiker Gregor Gysi sicherte sich die Teilhabe an der Alten Försterei.

Ziel für das neue Jahr ist es nun, die sportlich wie finanziell gute Entwicklung des Klubs fortzusetzen. Der einstellige Tabellenplatz, den Trainer Neuhaus zu Saisonbeginn ausgegeben hat, kann Union wohl ohne Probleme erreichen. Der Klub hat sich im dritten Jahr nach dem Aufstieg als feste Größe in der Zweiten Liga etabliert. Der Kader weiß immer öfter spielerisch zu überzeugen und nicht ausschließlich kämpferisch. Doch um noch weiter nach vorn zu schauen, ist es sicher noch zu früh. Das letzte Spiel vor der Winterpause zeigte das mit dem 0:5 bei Greuther Fürth.

Wie Union den Abstand zu den Mannschaften an der Spitze verkürzen kann, wird eine der interessantesten Fragen der Rückrunde. Sie dürfte Trainer Uwe Neuhaus auch im Urlaub beschäftigt haben. Vielleicht hat er sich nach den tollen ersten Monaten sogar nach Unions bester Zweitliga-Bilanz am Saisonende erkundigt. Sie liegt bei Platz sechs und 56 Punkten (2002). Auch ein schönes Ziel.