0:5 gegen Fürth

Union kassiert größte Pleite seit neun Jahren

Es war eine Blamage für die Berliner: Mit 0:5 wurde der 1. FC Union von der Mannschaft aus Mittelfranken regelrecht vorgeführt. Zu allem Überfluss musste auch noch Michael Parensen ins Krankenhaus gebracht werden.

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Wäre Joachim doch bloß ein wenig länger in Fürth geblieben und hätte dort weiter sein Unwesen getrieben. So wie zuvor tief im Westen des Landes oder auch später in Brandenburg und Sachsen, wo es nach Schnee und Regen nur so Spielabsagen hagelte. Doch nein, von Joachim, dem Tief, das über Deutschland wie ein Orkan fegte, war am frühen Freitagabend in Mittelfranken nichts mehr zu sehen. Beim 1. FC Union wäre man wohl nicht allzu traurig gewesen, hätten die 90 Minuten nicht stattgefunden.

Mit einem Hochgefühl nach der Rekordausbeute von 31 Punkten in 18 Spielen wäre man in die Winterpause gegangen. So bleibt kurz vor Weihnachten nur Ernüchterung und die bittere Erkenntnis, dass es für den Berliner Fußball-Zweitligisten noch nicht für mehr reicht als für einen Platz im vorderen Mittelfeld. „Nach diesem Spiel muss man das schon sagen“, rang Patrick Kohlmann nach Worten. Keine Frage, das 0:5 (0:3) gegen die SpVgg Greuther Fürth zum Jahresabschluss hatte seine Spuren hinterlassen. „Das war fast eine Blamage“, sagte Kohlmann.

Erste Niederlage für Düsseldorf

In diesem Fall hatte sich der Union-Verteidiger allerdings geirrt. Es war eine Blamage, definitiv. Nicht nur, weil es die zweithöchste Niederlage der Klubgeschichte im Profifußball gewesen ist; nur beim 0:7 am 7. Oktober 2002 beim 1. FC Köln, das zugleich auch das Ende der Ära von Trainer Georgi Wassilew bedeutet hatte, gab es ein größeres Debakel. Denn während sich die Fürther auf Rang zwei hinter die Fortunen aus Düsseldorf schoben, die beim 2:3 (0:1) gegen den SC Paderborn die erste Saisonniederlage kassierten, blieben die Unioner alles schuldig, was sie in den vergangenen Wochen bis auf den sechsten Platz gebracht hatte. „Die Fürther sind sicherlich schnell und spielen einen guten Fußball, aber wir haben sie auch spielen lassen“, sagte Kohlmann.

Schon nach zehn Minuten war das ungleiche Duell entschieden. Nein, eigentlich schon nach zwei Minuten. Denn während die Fürther nach 77 Sekunden ihre erste Chance durch Christopher Nöthe nutzten, nachdem sie sich mühelos durch die Union-Reihen kombiniert hatten, scheiterte Silvio direkt nach dem Anstoß an Torwart Max Grün. Und nachdem Ahmed Madouni, der wie erwartet den am Fuß operierten Christoph Menz in der Innenverteidigung ersetzte, eine Flanke von Bernd Nehrig unhaltbar für Torwart Jan Glinker ins Tor abgefälscht hatte, ergaben sich die Köpenicker in ihr Schicksal. Madouni hatte schon beim ersten Gegentor eine mögliche Abseitsstellung aufgehoben. „Wir wollten ganz anders auftreten. Es ist uns nicht gelungen, deshalb nehmen wir das Ergebnis so hin und wünschen Fürth den Aufstieg. In die Winterpause nehmen wir die guten letzten Wochen mit, wohl wissend, dass wir noch viel lernen müssen“, sagte Trainer Uwe Neuhaus.

Ohne Torsten Mattuschka hatte Union begonnen, der Kapitän saß wegen Magen-Darm-Problemen zunächst nur auf der Bank. Und schon fehlte der ordnende Akteur im Mittelfeld. So konnte Stephan Schröck locker auf Nöthe passen, der von der Mittellinie auf und davon zog, Glinker austanzte und zum 0:3 nach nur 23 Minuten vollendete. „Mattuschka und Menz sind sicherlich wichtig für uns, doch auch so standen elf gute Spieler auf dem Platz“, wollte Kohlmann das Fehlen der beiden Stammspieler zu Recht nicht als Ausrede für das Debakel gelten lassen.

Das ganze Ausmaß der Köpenicker Hilflosigkeit offenbarte sich in Minute 71. Der eingewechselte Tayfun Pektürk narrte gleich drei Unioner, lag zwischenzeitlich sogar am Boden, durfte den Ball dennoch ungehindert zu Nehrig spielen, dessen Außenrist den Ball zum 0:5 auf die Reise schickte. Sieben Minuten zuvor hatte Marc Pfertzel bereits das 0:4 ermöglicht, indem er Schröck auf der rechten Seite einfach allein gelassen hatte.

Zu allem Überfluss musste auch noch Michael Parensen ins Krankenhaus gebracht werden. Der Mittelfeldspieler, für den Mattuschka kam, war unmittelbar nach Wiederanpfiff bei der Landung nach einem Kopfballduell mit dem rechten Fuß umgeknickt. Wäre doch Joachim nur ein wenig länger in Fürth geblieben.