Diesen Ausflug in die Historie konnte und wollte sich Uwe Neuhaus nicht verkneifen. „In den letzten Minuten habe ich schon einige Gedanken an alte Zeiten verschwendet“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Gemeint waren jene Tage, an denen seine Mannschaft in der Alten Försterei mit 1:0 gewinnen konnte. Und auch Sonnabendnachmittag hatte Berlins Fußball-Zweitligist in der Nachspielzeit noch die große Chance, die Heimserie gegen Fortuna Düsseldorf auf vier Erfolge auszubauen. Nachdem Michael Ratajczak den Kopfball von Markus Karl jedoch über das Tor bugsiert hatte, war klar, dass es diesmal keinen Sieger geben würde. So stand nach dem 0:0 gegen den Spitzenreiter die große Frage: Punktgewinn oder Punktverlust?

„Eine schwere Frage“, antwortete Jan Glinker. Der Union-Schlussmann wäre wie sicherlich viele seiner Teamkollegen vor der Partie mit einem Remis zufrieden gewesen. Nun fand er es schlichtweg „schade, dass der Kopfball nicht doch noch reingegangen ist“. Verteidiger Patrick Kohlmann analysierte die 90 hart umkämpften Minuten wohl am treffendsten: „Am Ende muss man auch mal mit einem Punkt zufrieden sein.“ Das galt für Union ebenso wie für die Düsseldorfer, die ihre Serie auf 24 Pflichtspiele ohne Niederlage ausbauten.

Auverkaufte "Alte Försterei"

Wie schon vor drei Wochen gegen den FC St. Pauli war die Alte Försterei mit 18.432 Zuschauern ausverkauft. Doch es waren vor allem die mitgereisten gut 2000 Düsseldorfer Fans, die bleibenden Eindruck hinterließen, ungewollt wie gewollt. Weil einige Fanbusse noch im Stau standen und Köpenick nicht rechtzeitig zur Anstoßzeit um 13 Uhr erreicht hätten, wurde der Anpfiff kurzerhand um eine halbe Stunde nach hinten gelegt.

Eine feine Geste der Deutschen Fußball-Liga, die man den Düsseldorfern auch von Union-Seite gönnte. Sie selbst waren zuletzt in Braunschweig in den Genuss eines späteren Anpfiffs gekommen, als der Sonderzug wegen eines Defekts Verspätung hatte.

Düsseldorfer Fans zünden Rauchbomben

Dass Halbzeit zwei sechs Minuten später begann, ist jedoch einzig dem Fortuna-Tross zuzuschreiben. Das Zünden von Rauchbomben in Rot und Weiß, den Vereinsfarben der Düsseldorfer, rief sofort die Polizei auf den Plan, die im Gästeblock gegen die Verursacher vorging. Es sollte der einzige Zwischenfall bleiben.

Auf dem Rasen ging es in Halbzeit zwei hingegen weniger freundlich zur Sache. Viele Nickeligkeiten prägten das Bild, und da Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden) die Partie nicht in den Griff bekam, entwickelte sich „das wie immer kampfbetonte Spiel, wenn die beiden Mannschaften aufeinander treffen“, sagte Fortuna-Coach Norbert Meier. Insgesamt sechs Gelbe Karten – vier für Union, zwei für Düsseldorf – dokumentieren, mit welcher Intensität das Spiel geführt wurde.

Wenige Chancen auf beiden Seiten

Die Zahl der Großchancen hielt sich dagegen in Grenzen. Die Gründe dafür sind einfach. Silvio, Unions Ein-Mann-Sturm, bekam gegen Assani Lukimya-Mulongoti keinen Stich, auf der Gegenseite hatten die Innenverteidiger Christian Stuff und Christoph Menz nach anfänglichen Schwierigkeiten Thomas Bröker und Sascha Rösler einigermaßen im Griff. Kamen die Gäste durch Rösler (26.), Oliver Fink (56.) und Sascha Dum (77.) doch einmal zum Abschluss, war Keeper Glinker zur Stelle. Union hatte dem ein Abseitstor von Christopher Quiring (4.), einen verunglückten Scherenschlag von Silvio (28.) und einen Fehlschuss erneut von Quiring nach herrlicher Flanke von Kapitän Torsten Mattuschka (40.) entgegenzusetzen.

In Halbzeit zwei kam Union bis zur Nachspielzeit überhaupt nicht gefährlich vor das Düsseldorfer Tor. Dabei hatte Trainer Neuhaus mit John Jairo Mosquera für Chinedu Ede nach einer Stunde einen frischen Stürmer gebracht. „So wenig Chancen hat man bei Union in einem Heimspiel selten erlebt“, sagte Gäste-Verteidiger Jens Langeneke. Einen Wermutstropfen gab es für Union dennoch: Markus Karl sah nach rustikalem Einsteigen gegen Adam Bodzek die fünfte Gelbe Karte (24.). Der Mittelfeldmann ist damit für das Ostderby am Freitag in Rostock gesperrt.