Neue Perspektiven

Nach Fürth könnte Union vom Aufstieg träumen

Der 1. FC Union hat sich im vorderen Mittelfeld eingenistet. Mit einem Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth dürfen die Berliner einen Blick Richtung Aufstieg wagen. Doch mit Fürth wartet ein harter Gegner.

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Das beste Halbjahr ist längst unter Dach und Fach, Union steht mit 31 Punkten als Sechster der Zweiten Liga so gut da wie noch nie und kann an diesem Freitag entspannt zum Jahresausklang bei der SpVgg Greuther Fürth antreten (18 Uhr, Sky live). Eigentlich, denn das Finale in Fürth ist für die Köpenicker Kicker so etwas wie das Navigationssystem für die restlichen Partien im Jahr 2012. „Wenn wir gewinnen, dann können wir schon noch mit einem Auge nach oben schielen“, unterstrich Trainer Uwe Neuhaus: „Sollten wir verlieren, dann können wir in beide Richtungen schauen.“

Eine Aussage, aus der sich zweierlei erkennen lässt. Union hat sich nach 18 gespielten Partien im vorderen Mittelfeld richtig eingenistet. Und – viel wichtiger – der Blick in Richtung Aufstiegsplätze ist an der Alten Försterei keineswegs verboten. Tatsächlich kann, wenn alles entsprechend läuft, der Abstand zu Rang drei auf drei Zähler verringert werden. Der Spielplan mit den Partien Fürth (3.) gegen Union (6.), Düsseldorf (1.) gegen Paderborn (5.) und St. Pauli (4.) gegen Eintracht Frankfurt (2.) spielt Union dabei in die Karten. Ein ohnehin schon frohes Weihnachtsfest ließe sich also noch viel fröhlicher gestalten. So weit die Theorie.

Zwischen Optimismus und Skepsis

Denn die Gefühlswelt in Köpenick schwankt trotz der guten Möglichkeit zwischen vorsichtigem Optimismus und Skepsis. Chinedu Ede zum Beispiel sagt selbst jetzt noch: „Primäres Ziel bleibt der Klassenerhalt. Es läuft zwar ganz gut, aber nach oben fehlt vielleicht noch ein bisschen.“ Edes sicher mit einer guten Portion Sarkasmus versehenen Aussage zu Unions Perspektive spiegelt die Befindlichkeiten bestens wider. Oder wie es der bayrische Komiker Karl Valentin gesagt hat: Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.

Und es geht gegen Fürth, Unions Angstgegner schlechthin. Seit dem Aufstieg 2009 gab es ein Remis und vier Niederlagen. „Das 0:4 aus der Hinrunde haben wir noch längst nicht vergessen, das hat schon weh getan“, sinnt Rechtsverteidiger Marc Pfertzel zwar auf Revanche. Doch Fürth hat gerade mit einer „beeindruckenden Leistung“ (Neuhaus) einen Punkt bei Eintracht Frankfurt geholt, ist insgesamt elfmal ohne Gegentor geblieben, besticht durch eine überragende Physis und durch stets mit Tempo vorgetragene Offensivaktionen. „Darauf müssen wir uns einstellen“, forderte Neuhaus.

Dennoch solle der Gegner nicht nur stark geredet werden, „wir haben schließlich auch etwas dagegenzusetzen“, schob der Trainer sogleich nach. Die vergangenen fünf Spieltage betrachtet, ist Union mit vier Siegen und einem Unentschieden Spitzenreiter. Das sollte Selbstvertrauen genug geben, wenn Schiedsrichter Christian Dingert (Thallichtenberg) Freitagabend die Partie anpfeift. „Deshalb sollten wir auch mit Mut unsere Angriffe vortragen. Wenn wir dort ängstlich und mit zu viel Respekt auftreten, haben wir keine Chance. Und vor allem müssen wir zum Abschluss kommen, selbst wenn es aus 20 oder 25 Metern ist, damit wir nicht in die gefährlichen Fürther Konter laufen“, sagte Neuhaus. Eben diese Konter wurden den Berlinern beim 0:4 am zweiten Spieltag dieser Saison zum Verhängnis.