Kein Pardon – die Premiere des neuen Musicals von Hape Kerkeling vor einer Woche in Düsseldorf war ein voller Erfolg. Geradezu mit Lobeshymnen überschüttet wurde das Stück des Entertainers, Kerkelings Parodie auf die schillernde Welt des Fernsehens, die bereits im Jahr 1993 mit ihm selbst in der Hauptrolle verfilmt wurde, funktioniert auch heute noch allerbestens.
Dass das Musical ausgerechnet in Düsseldorf seine Wurzeln schlägt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Kein Pardon – es hätte auch das Motto von Fortuna Düsseldorf für diese Saison sein können. Seit insgesamt 23 Pflichtspielen haben die Rheinländer nicht mehr verloren. Dass sie nun als Spitzenreiter der Zweiten Liga lautstark an die Tür zur Bundesliga klopfen, ist nur die logische Konsequenz. „Sie haben schon eine unglaubliche Serie hingelegt“, zeigte sich Uwe Neuhaus beeindruckt. Als Trainer des 1. FC Union weiß er nur zu genau, was am heutigen Samstag (13.30 Uhr, Alte Försterei, hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) auf seine Mannschaft zukommt: die beste, weil konstanteste Mannschaft, eben jene, die kein Pardon mit ihren Gegnern kennt.
Ursprünglich sollte die Begegnung um 13 Uhr beginnen, doch jetzt startet sie mit 30 Minuten Verspätung. Da mehrere Fanbusse der Düsseldorfer im Stau steckten, habe man sich kurzfristig für eine spätere Anstoßzeit entschieden, teilte Union am Sonnabendvormittag mit. Die Partie soll nun um 13.30 Uhr beginnen.
„Wir sind schon krasser Außenseiter“, sagte Torsten Mattuschka. Und um seinen Respekt vor den Düsseldorfern nicht allzu groß erscheinen zu lassen, korrigierte er seine Worte schnell. „Was heißt krasser – wir sind Außenseiter“, so der Union-Kapitän. Doch auch ihm ist die Schwere dieser anspruchsvollsten Aufgabe in der Hinrunde bewusst, spätestens, als er auf die Schwächen der Fortuna angesprochen wird. „Das ist schwierig, sie haben ja noch kein Spiel verloren“, sagte Mattuschka also. Defensivmann Cristoph Menz ergänzt: „Selbst ein Rückstand bringt sie nicht aus der Bahn.“
Treffsicheres Fortuna-Quartett
Es überrascht nicht wirklich, dass die Stärken des heutigen Gegners wesentlich leichter über die Lippen kommen. „Sie haben gleich vier Spieler in ihren Reihen, die jeweils mehr Tore geschossen haben als unser bester Schütze“, erklärte Neuhaus. Sascha Rösler (neun Tore), Maximilian Beister (acht), Thomas Bröker und Jens Langeneke (je fünf) treffen seit Wochen tatsächlich, wie es ihnen beliebt. Die Unioner Silvio und Christopher Quiring bringen es gerade auf je vier Tore. „Auch ihr Kombinationsspiel ist überragend“, so der Union-Coach weiter. Es klingt, als würden die Düsseldorfer schon seit Jahren wieder im Profifußball unterwegs sein. Doch dem ist nicht so.
Es war im Mai 2009, als die Fortuna die Rückkehr in den bezahlten Fußball feierte – als Drittliga-Zweiter hinter dem souveränen Meister 1. FC Union. Die Köpenicker hatten die Nase vorn, inzwischen hat ihnen der Dauerrivale jedoch ganz klar den Rang abgelaufen, auf dem Platz und auch daneben. „Der Vorteil für Düsseldorf liegt sicherlich in der Region und auch im Stadion mit seinen Vip-Logen“, sagte Menz. Tatsächlich steht die Stadt Düsseldorf eisern hinter ihrer Fortuna. Und da die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens seit 2007 schuldenfrei ist, ergeben sich Rahmenbedingungen, die vom Aufstieg in die Bundesliga träumen lassen. Mal eben so wurden der Fortuna für 800.000 zwei neue Trainingsplätze spendiert.
Dauerbrenner Meier
Auf der sportlichen Seite setzt man seit Jahren auf etwas, was man am Rhein lange Zeit vermisst hat, als die Fortuna durch die Niederungen des Amateurfußballs tingelte: Konstanz. Norbert Meier ist seit 1.Januar 2008 dort Trainer. Bezeichnend für die neue Düsseldorfer Linie war der Umgang mit dem Fehlstart in die vergangene Saison. Mit sechs Niederlagen waren Meiers Schützlinge ins Spieljahr 2010/11 gegangen, die Klubführung hielt an ihm fest. Zu Recht, wie sich nun herausstellt. Der heute 53-Jährige, früher als Profi wie auch als Trainer selbst ein Heißsporn, durfte in Ruhe eine erfolgshungrige Truppe zusammenstellen. Beister wurde noch 2010 vom Bundesligisten Hamburger SV ausgeliehen, Rösler wurde wenig später aus seiner Arbeitslosigkeit geholt. Heute sind sie Garanten für den Aufschwung. Nicht zuletzt ihnen ist es zu verdanken, dass man von den Unschlagbaren spricht.
Wie also kann es Union gelingen, diesen schier übermächtigen Gegner in die Knie zu zwingen, noch dazu als erster in dieser Saison? Mattuschka hat sich schon so seine Gedanken gemacht. „Ich werde mir schon genau anschauen, wie der Torwart bei Freistößen reagiert“, sagte der Mittelfeldspieler. Dass Mattuschkas Freistöße eine Waffe sind, dürfte sich aber auch bis an den Rhein rumgesprochen haben. Also fordert Mattuschka: „Wir müssen geschlossen auftreten, dann ist alles möglich.“ Damit meint er sowohl seine Mitspieler auf dem Platz als auch die mehr als 18.000 Zuschauer, die am frühen Nachmittag in die Alte Försterei kommen werden. Mattuschka: „Schließlich wollen wir endlich auch mal gegen ein Team gewinnen, das in der Tabelle vor uns steht.“ Aus seinen Worten wird ganz deutlich: Für Fortuna Düsseldorf gibt es heute kein Pardon.





