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Cottbus-Coach Wollitz ist nicht neidisch auf Union

Es ist kein Spiel wie jedes andere: Am Freitagabend trifft der 1. FC Union Berlin im Ost-Derby auf Energie Cottbus. Im Interview mit Morgenpost Online spricht FCE-Coach Claus-Dieter Wollitz über Fan-Krawalle und den Verlust seiner Torfabrik.

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Ein Freund deutlicher Worte ist Claus-Dieter Wollitz schon immer gewesen. Vor einem Jahr legte sich der Trainer von Energie Cottbus mit einem Teil der Fans an, weil er ihnen im Zusammenhang mit dem Abbrennen von Pyrotechnik vereinsschädigendes Verhalten vorwarf – und deshalb sogar drohte, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Jetzt, da ganz Deutschland über Fangewalt und Pyrotechnik diskutiert, sieht er sich bestätigt. Vor dem Spiel gegen den 1. FC Union am Freitag ( ab 18.00 Uhr hier im Live-Ticker von Morgenpost Online ) sprach Morgenpost Online mit Wollitz über den Fußball in Ostdeutschland.

Morgenpost Online: Herr Wollitz, am Freitag gastieren Sie mit Energie beim 1. FC Union. Was erwarten Sie vom Berlin-Brandenburg-Derby?

Claus-Dieter Wollitz: Ein Derby ist meist ein besonderes Spiel mit toller Stimmung. Aber die hat Union ja immer. Im Derby kann man vieles gewinnen. Aber auch einiges verlieren.

Morgenpost Online: Ist es für Sie persönlich auch die Chance auf einen kleinen Befreiungsschlag? In dieser Saison läuft es für Cottbus ja nicht so rund.

Claus-Dieter Wollitz: Nein, das sehe ich nicht so. Es gibt ja Gründe dafür. Dass wir nicht zufrieden sind, ist klar. Aber mehr ist derzeit nicht drin in der Konstellation mit den Abgängen und verletzten Spielern. Wir haben einfach unsere Torfabrik verloren, die kann man nicht eins zu eins ersetzen. Dazu kommen zwei Spiele, die wir klar hätten gewinnen müssen, aber in letzter Sekunde noch unentschieden gespielt haben gegen Frankfurt und Rostock. Rechnen Sie die vier verloren Punkte mal oben drauf. Da haben Sie gleich eine ganz andere Basis für das Selbstvertrauen.

Morgenpost Online: Sportlich hat Union Cottbus ein wenig den Rang abgelaufen, dennoch gilt Energie seit Jahren als der Vorzeigeklub des Ostens. Auch, weil es nie Skandale gab.

Claus-Dieter Wollitz: Die Strukturen und das wirtschaftliche Denken der Führung sind einfach vorbildlich. Wir haben uns nach Rückschlägen nicht von unserem Konzept abbringen lassen. Kontinuität, Vernunft und Professionalität diktieren beim FCE das handeln der Vereinsführung. Und zu Union: Wir haben großen Respekt davor, wenn sich Mannschaften entwickeln. Ohne Neid. In den letzten beiden Jahren standen wir vor Union, momentan aber spielt Union erfolgreicher. Das erkenne ich an. Aber die Saison hat gerade erst Halbzeit.

Morgenpost Online: Vor einem Jahr hatten Sie Probleme mit einem Teil Ihrer Anhängerschaft, weil Sie den Fans deutlich die Meinung zum Thema Pyrotechnik gesagt haben. Gerade wurde Dynamo Dresden wegen Fangewalt vom DFB-Pokal ausgeschlossen, der Klub hat dagegen Berufung eingelegt. Auch bei Union wurde im Spiel bei Hansa Rostock kräftig gezündelt. Wie haben Sie die letzten zwei Wochen erlebt?

Claus-Dieter Wollitz: Ganz ehrlich: Ich bin einfach nur froh, dass ich mich damals so klar positioniert habe. Ich habe gesagt: Leute, das schadet dem Klub, der Region und auch dem Großteil der positiven Fans. Die Menschen, die mich verstanden haben, haben mich unterstützt. Seitdem haben wir absolute Ruhe. Das kommt uns gerade in der jetzigen Diskussion sehr, sehr zugute.

Morgenpost Online: Sie fühlen sich also bestätigt?

Claus-Dieter Wollitz: Es geht nicht um mich. In Rostock steigt gerade der Sponsor aus. Es ist doch Wahnsinn, welche Dimension das erreicht hat. Deshalb war es richtig, damals zu sagen: Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, hat unser Verein keine Zukunft. Es ist doch eindeutig, dass in Rostock und Dresden zu lange gezögert wurde, sich von diesem Teil der Anhängerschaft zu distanzieren. Das ist aber ganz wichtig. Das können nicht nur die Spieler, das muss die Vereinsführung machen.

Morgenpost Online: Vielleicht hat es den einen oder anderen verschreckt, dass Sie sich mit Ihrer Aussprache unbeliebt gemacht haben?

Claus-Dieter Wollitz: Na ja, was heißt unbeliebt? Es geht doch um die Nachhaltigkeit des Vereins. Ich will doch den Verein schützen, ich habe nur etwas gegen Leute, die etwas Verbotenes machen. Es geht nicht nur um Geldstrafen, sondern auch um das Image des FC Energie, das wir aufpoliert haben. Ich werde in Rostock, Dresden, auch bei Union immer fantastisch empfangen. Vergangenen Freitag war ich in Aue, auch dort waren die Fans super. Ich diskutiere auch viel auf Raststätten mit den Fans, die meisten wollen einfach nur ihren Spaß und ihr Team unterstützen. Ich habe mir im Sommer beide Relegationsspiele Dresden gegen Osnabrück angeschaut. Auch da war es eine Minderheit, die Krawall wollte. Aber gegenüber dieser Minderheit, die es nicht friedlich mag, muss man sich positionieren. Und zwar nicht in der Weise, dass man die Vernünftigen in die Pflicht nimmt. Die können nicht auf die anderen aufpassen.

Morgenpost Online: Für die Entwicklung des Fußballs in Ostdeutschland ist der Pokal-Ausschluss von Dynamo Dresden eine Katastrophe, oder?

Claus-Dieter Wollitz: Natürlich. Ich finde diese Situation sehr problematisch. Da wird noch viel auf uns zu kommen in den nächsten Wochen. Das wird dramatische Folgen haben.

Morgenpost Online: Inwiefern?

Claus-Dieter Wollitz: Ich befürchte, dass diese Entscheidung Leute frustriert, die an sich positiv sind, die jetzt aber meinen, darauf reagieren zu müssen. Das schwingt doch im Unterbewusstsein mit. Möglich, dass da einige jetzt die große Bühne suchen.

Morgenpost Online: Sie sind also kein Befürworter des Ausschlusses?

Claus-Dieter Wollitz: Nein. Noch mal: Das ist eine weitreichende Entscheidung. Mit unglaublichen Folgen für die Spieler und Trainer, die sportlich Großartiges geleistet haben. Die begleitenden Maßnahmen hätten viel früher kommen müssen. Jetzt ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Der DFB hat sich mit dieser Strafe angreifbar gemacht.

Morgenpost Online: Weil es einen Ost-Verein getroffen hat?

Claus-Dieter Wollitz: Nein, ich glaube, das hat keine Rolle gespielt. Das kann sich der DFB gar nicht erlauben. Es hat, soweit ich das beurteilen kann, auch viele Warnhinweise gegeben. Nur: Jetzt müssen wir natürlich genau aufpassen, dass das Verhältnis gewahrt bleibt. Wenn in Frankfurt in der letzten Saison die Spieler vor den Fans flüchten müssen und der Klub eine vergleichsweise geringe Strafe bekommt, weiß ich nicht, ob die Relation stimmt. Bei den nächsten Vorfällen hat der DFB jetzt keinen Ermessensspielraum.

Morgenpost Online: Zum Glück entwickeln sich einige Ost-Klubs trotz allem weiter, so auch Union. Der Verein wagt mit dem Tribünenausbau den Spagat zwischen Kult und Kommerz. Sie selbst eckten einst an, als Sie über den Verkauf von Namensrechten sprachen.

Claus-Dieter Wollitz: …ich bin der Letzte, der unseren Fans das Stadion der Freundschaft wegnehmen will. Das Denken an die Vergangenheit ist ganz wichtig, um die Zukunft positiv zu gestalten. Aber wenn Sie Ziele erreichen wollen, wenn Sie hoffen, zwei, drei Vereine aus den neuen Bundesländern in der Bundesliga zu haben, darf so etwas kein Tabu sein. Ich bin der Meinung, dass man seine Werte behält, wenn man den Stadionnamen verkauft. Aber ich verstehe, dass Menschen daran hängen.