Spiel gegen Rostock

Unions Ede ist mit Erreichtem noch unzufrieden

Nach Ausschreitungen von Hansa-Anhängern fährt mancher von Union Berlin mit einem flauen Gefühl nach Rostock. Flügelspieler Chinedu Ede will sich jedoch nicht beeinflussen lassen – nicht zuletzt, um seinen Aufwärtstrend zu bestätigen.

Foto: Bongarts/Getty Images

Die Ausschreitungen vom vergangenen Sonnabend, die Randalebilder vom Heimspiel Hansa Rostocks gegen den FC St. Pauli – natürlich sind sie auch den Zweitliga-Fußballern des 1. FC Union nicht verborgen geblieben. „Sicherlich haben wir das mitbekommen“, sagte Chinedu Ede vor dem Spiel seiner Mannschaft am heutigen Freitag in Rostock (18 Uhr, Sky und im Live-Ticker von Morgenpost Online ). Und so dürfte dem einen oder anderen Spieler aus dem Kader von Trainer Uwe Neuhaus angesichts des Ostderbys am Abend schon ein wenig mehr als nur die 90 Minuten Fußball durch den Kopf gegangen sein.

Ede versucht das alles auszublenden. Spätestens wenn Schiedsrichter Christian Leicher (Weihmichel) die Partie anpfeift, will sich Ede voll und ganz auf seinen Job konzentrieren. „Ich bin Profi genug, um das auf dem Platz auszublenden“, sagte der Offensivspieler.

Nicht zuletzt aus einem ganz persönlichen Grund. Ede ist gerade auf dem besten Weg, seinen Platz in der Startformation der Köpenicker Kicker zu festigen. Danach hatte es wochenlang nicht ausgesehen. Edes Platz schien zu Spielbeginn auf der Ersatzbank reserviert gewesen zu sein. Meist nur für die letzte halbe Stunde eingewechselt, sollte der Berliner dem Union-Spiel in der Schlussphase noch einmal Schwung geben.

Vertrag bis 2015

Für einen Profi von 24 Jahren, noch dazu ausgestattet mit einem Vertrag bei Union bis Sommer 2015, ein nicht wirklich befriedigender Zustand. Erst Anfang November, beim Spiel in Braunschweig, ließ ihn der Trainer wieder von Beginn an ran. „Ich hatte gehofft, früher schon eine Chance zu bekommen. Aber so ist das im Fußball“, beschreibt Ede kurz die für ihn so lange Wartezeit.

Der erste Auswärtssieg der Saison in Braunschweig, der zugleich auch die Durststrecke der Unioner in der Fremde nach sieben Monaten beendet hatte, bedeutete auch für Ede das Ende der Leidenszeit. „Es war einfach wichtig, fit und dranzubleiben“, sagte Ede.

Von Zufriedenheit keine Spur

Dass Unions Nummer 19 wieder ab der ersten Minute mit von der Partie ist, hat einen recht einfachen Grund. Ede, früher auf der linken Außenbahn gesetzt, spielt nun zentraler, als zweite, hängende Sturmspitze. Das war in Braunschweig so, als er mit seinem Führungstreffer den Sieg (2:1) eingeleitet hatte, das war auch im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf (0:0) der Fall, als Ede gegen den damaligen Spitzenreiter zumindest in der ersten Halbzeit für ein wenig Wirbel sorgen konnte.

Auf seine Rückkehr angesprochen, stellt Ede unmissverständlich klar, dass er mit dem Erreichten längst noch nicht zufrieden ist: „Zwei Spiele sind ja jetzt nicht die Welt. Ich glaube aber schon, dass meine Leistungen in den vergangenen beiden Spielen ordentlich war.“

Glücklich in der neuen Rolle

Keine Frage, Ede fühlt sich wohl in seiner neuen Rolle. Oder besser gesagt in seiner alten. „Ich habe in meiner Jugend immer als Zehner oder hängende Spitze gespielt, erst im Männerbereich wurde ich auf die Außenposition gesetzt“, erinnert sich Ede an jene Zeiten bei Unions Lokalrivalen Hertha BSC, wo er vom talentierten Nachwuchsspieler zum Profi gereift ist. Es war seine Schnelligkeit, die ihn für die Außenbahn so interessant gemacht hat.

Er selbst sah seine Stärke immer dann, „wenn ich den Ball habe und die Räume nutzen kann“. Durch die zentralere Rolle kann Ede auch dem Zweikampf mit Michael Parensen im linken Mittelfeld aus dem Weg gehen. „An ihm muss er vorbeikommen, das ist schwierig“, hatte Trainer Neuhaus Edes Bankplatz begründet. Und fand die neue – oder eben alte – Rolle für ihn.

Eine Rolle, die das Offensivspiel der Köpenicker weniger ausrechenbar macht und am Freitagabend in Rostock sehr wertvoll sein kann. „Es wird eine hitzige Atmosphäre, die wir annehmen müssen. Spiele gegen Hansa waren immer sehr eng, das erwarten wir auch für Freitag“, ist sich der Coach sicher. Ede jedenfalls strotzt derzeit vor Selbstvertrauen. Also geht er schon vor dem Ostderby forsch in die Offensive: „Hansa hat nur halb so viele Punkte geholt wie wir. Es muss unser Anspruch sein, dort zu gewinnen.“ Jetzt müssen den Worten nur noch Taten folgen.