Zweite Liga

Union ist Braunschweig zwei Schritte voraus

Der 1. FC Union muss beim Überraschungsaufsteiger Eintracht Braunschweig ran. Dort ist Marc Arnold Manager. Er stapelt vor der Partie tief und ist voll des Lobes für den Gegner.

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Eintracht Braunschweig, am Freitag Gegner des 1. FC Union in der Zweiten Liga hier im Live-Ticker von Morgenpost Online) , ist der Überraschungsaufsteiger der Saison. Untrennbar mit dem Aufschwung beim Deutschen Meister von 1967 verbunden ist Marc Arnold (40). Morgenpost Online sprach mit dem sportlichen Leiter der Eintracht über den Höhenflug in Braunschweig, die Entwicklung bei Union und seinen Ex-Klub Hertha BSC.

Morgenpost Online: Die Liga reibt sich ein wenig die Augen über den bisherigen Saisonverlauf der Eintracht. Sind Sie auch überrascht über den tollen Start ihrer Mannschaft, Herr Arnold?

Marc Arnold: Sicher konnten wir nicht davon ausgehen, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon 22 Punkte gesammelt haben. Auf der anderen Seite haben wir eine sehr eingespielte Mannschaft, die über zwei Jahre zusammengewachsen ist und eine überragende Drittliga-Saison gespielt hat. Deshalb hatten wir uns schon erhofft, dass wir nicht so viel schlechter sind als der eine oder andere Zweitligist. Und dank der Euphorie, die nach dem Aufstieg bei den Fans herrscht, haben wir einen guten Start hinlegen können und waren mit den Siegen gegen 1860 München und in Aachen auch schnell in der Liga drin.

Morgenpost Online: Sind Träume vom Durchmarsch in die Bundesliga in Braunschweig erlaubt?

Marc Arnold: Nein.

Morgenpost Online: Warum nicht?

Marc Arnold: Das sind einfach Dinge, die sich entwickeln müssen. Wir haben bewusst „40 Punkte plus X“ als Ziel ausgegeben, weil wir schon optimistisch nach vorne schauen wollen. Man kann natürlich auch Klassenerhalt sagen, was es unter dem Strich auch ist. Aber dann würde der Blick immer nach unten gehen. Wir wollen die Dinge hier aber nach vorne blickend angehen und kontinuierlich weiterarbeiten.

Morgenpost Online: Kann man bei der Eintracht von einem schlafenden Riesen sprechen?

Marc Arnold: Ich weiß nicht, ob er je richtig geschlafen hat. Wenn man die Zuschauerzahlen verfolgt, waren sie selbst während der Drittliga-Zugehörigkeit schon enorm. Durch das überragende Jahr 2010/11 und den Aufstieg gab es noch mal eine Steigerung. Vergangenes Jahr hatten wir 17.000 Zuschauer im Durchschnitt. Jetzt haben wir über 22.000, davon 13.000 Dauerkarten. Wir merken schon, dass die Aufmerksamkeit in Liga zwei eine ganz andere ist. Das tut dem Verein, den wir mit einem stringenten Konsolidierungskurs auf ein gutes Fundament gestellt haben, natürlich auch wirtschaftlich gut. Jetzt wollen wir uns Schritt für Schritt weiter entwickeln und uns in der Liga etablieren.

Morgenpost Online: Der Aufschwung setzte ein, als Sie 2008 als sportlicher Leiter in Braunschweig anheuerten. Sehen Sie sich als Vater des Erfolges?

Marc Arnold: Einer alleine ist es nie. Ich habe mich immer als Teamplayer gesehen. Wir haben hier ein sehr junges Team, das betrifft den Geschäftsführer, den Trainer, das betrifft große Teile der Mannschaft und auch der Geschäftsstelle – junge Leute, die nach vorne kommen wollen. Das ist insgesamt das Geheimnis des Ganzen. Wir sehen uns als Team, dazu gehört auch der Aufsichtsrat, der uns in Ruhe arbeiten lässt.

Morgenpost Online: Am heutigen Freitagabend stehen sich nun zwei Traditionsklubs gegenüber. Was erwarten Sie denn von Union?

Marc Arnold: Union ist uns sicherlich zwei, drei Schritte voraus. Sie waren eine gute Drittliga-Mannschaft und haben es geschafft, sich dauerhaft in der Liga zu etablieren. Union hat es geschafft, sich weiterzuentwickeln, das Stadion wurde ausgebaut, die Rahmenbedingungen verbessert. Sie hatten nun einen holprigen Saisonstart, sind jetzt aber stabil in ihren Leistungen und haben in ihren Reihen mit Torsten Mattuschka einen Lenker, der gefährliche Freistöße schießen kann. Auch in der Offensive ist Union gut aufgestellt. Ich erwarte ein sehr kampfbetontes, rassiges Spiel.

Morgenpost Online: Ist es vielleicht ein kleiner Vorteil für die Eintracht, dass Union seit Monaten auswärts kaum Punkte einfährt?

Marc Arnold: Es ist müßig, sich mit solchen Statistiken zu beschäftigen. Jedes Spiel verläuft anders. Plötzlich fängt man sich früh ein Gegentor durch einen abgefälschten Schuss ein, dann kommt ein ganz anderes Spiel zustande, als wenn es lange 0:0 steht. Wir wollen vor unseren Fans an die Leistungen aus dem Spiel in Fürth anknüpfen.

Morgenpost Online: Als ehemaliger Spieler haben Sie sicherlich auch die Entwicklung ihres Ex-Klubs Hertha BSC in den vergangenen Monaten, vor allem in der Zweiten Liga, verfolgt.

Marc Arnold: Mich hat es einfach gefreut, wie überlegen die Mannschaft aufgestiegen ist. Man darf auch nie vergessen, welche Erwartungshaltung dahinter war. Man ist mit einem sehr großen Etat und einem sehr großen Risiko in die Saison gegangen, an deren Ende nur der Aufstieg stehen durfte. Wie konsequent Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz das durchgezogen haben, war schon sehr souverän. Sie haben es geschafft, die Euphorie mit in die Bundesliga zu nehmen, und nach dem 3:2 beim VfL Wolfsburg steht Hertha auch richtig gut da.

Morgenpost Online: Was, glauben Sie, kann Hertha in den nächsten Jahren erreichen? Einen Platz im Europapokal vielleicht?

Marc Arnold: Das ist wohl noch zu hoch gegriffen. Ich glaube, dass man bei Hertha wieder die Möglichkeit hat, kontinuierliche Arbeit zu leisten. Das ist mittlerweile ein wesentlicher Faktor im Profifußball. Die Erwartungshaltung ist natürlich groß, das sieht man auch an den Zuschauerzahlen. Wenn dem Trainer die Möglichkeit gegeben wird, in Ruhe etwas aufzubauen, hat Hertha sicher das Potenzial, da wieder hinzukommen.