Der große Frust war am Montag schon wieder verflogen. „Trotzdem ist es immer noch ärgerlich, dass wir zwei Punkte liegen gelassen haben.“ Nein, ganz so einfach wollte Torsten Mattuschka nicht zur Tagesordnung übergehen, nicht, nachdem er am Tag zuvor mit seinen Teamkollegen vom 1. FC Union bei Erzgebirge Aue nicht hatte gewinnen können. Mit jenem 1:1 „kann und darf keiner zufrieden sein“, sagte Mattuschka.
Sicher, die mangelnde Chancenverwertung – ein Manko, dass Union ja schon seit Jahren begleitet – verbaute dem Berliner Fußball-Zweitligisten den ersten Auswärtssieg der Saison. Dennoch sollte auch nicht vergessen werden: Union hat in den vergangenen sechs Partien nur einmal verloren, und wo, wenn nicht beim Bundesliga-Absteiger und Aufstiegs-Topfavoriten Eintracht Frankfurt, darf man sich eine Niederlage erlauben?
Untrennbar verbunden mit der durchaus guten Ausbeute von drei Siegen und zwei Unentschieden – Torsten Mattuschka. Der Kapitän war an zehn der letzten elf Union-Treffer beteiligt, als Vorbereiter, direkter Vorlagengeber oder Torschütze. Dem 31-Jährigen ist es zu verdanken, dass Union sogar einen aktuellen Ligabestwert hält: In den vergangenen acht Partien gelang der Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus stets mindestens ein eigenes Tor. Dass „Tusche“ inzwischen mit drei Toren und fünf Assists Unions bester Scorer ist, versteht sich von selbst.
Es sind vor allem die Standardsituationen, in denen Mattuschka derzeit unersetzlich ist für die Köpenicker. Selbst Rico Schmitt, Aues Coach, zollte Unions Nummer 17 nach dessen herrlichem Freistoßtor aus 25 Metern großen Respekt. „Seine Schlagtechnik bei ruhenden Bällen ist eine Sensation“, sagte Schmitt. Der so Gelobte nahm die Anerkennung durchaus verlegen zur Kenntnis. „Wenn er das sagt, freut mich das natürlich.“ Auch seine Mitspieler wissen um Wirkung der Mattuschka-Freistöße. Mittelfeldspieler Markus Karl spricht gar von einem „rechten Zauberfuß“ und von „Brandbomben“, die vom Kapitän auf die Reise in den gegnerischen Strafraum geschickt werden: „Ich denke, er ist der beste Freistoßschütze der Zweiten Liga. In der Bundesliga gibt es sicherlich Spieler, die auf diesem Niveau schießen, aber da kann er mithalten.“
Hilfe durch die DFL
Mattuschka und Freistöße – das passt schon seit jenen Tagen zusammen, in denen der von den Fans heute besungene „beste Mann“ noch als Jugendspieler seine ersten Gehversuche auf dem Rasen machte. „Freistöße waren schon immer eine Stärke von mir“, erzählte Mattuschka, „selbst als ich noch beim SV Dissenchen war, habe ich mir die Dinger immer genommen.“ Vor zehn Jahren begann dann der Aufstieg Mattuschkas von dem kleinen Cottbuser Klub über Energie Cottbus bis zu Union. Seine Liebe für die ruhenden Bälle ist jedoch geblieben. „Ein, zwei Mal in der Woche lege ich mir schon noch ein paar Bälle hin, mal mit, mal ohne Mauer“, so Mattuschka. Die Stärke, die ihn in der Liga so unverwechselbar macht, will gehegt und gepflegt werden.
Und ganz unfreiwillig kam ihm dabei sogar die Deutsche Fußball-Liga (DFL) entgegen – indem sie zur aktuellen Spielzeit den offiziellen Spielball leicht modifiziert hat. „Das ist nicht mehr so eine Murmel wie in der vergangenen Saison, in der ich nicht so klar gekommen bin mit dem Ball, weil dieser nicht so geflogen ist wie der Ball jetzt. Ich habe wieder ein gutes Gefühl“, erklärte Mattuschka. Gefühl, auf das sich seine Mitspieler verlassen können. Silvios „Tor des Monats“ gegen Ingolstadt, Mosqueras Führungstreffer beim 1:1 in Duisburg oder auch das Anschlusstor beim 1:3 bei Eintracht Frankfurt entsprangen einer direkten Weiterleitung des Spielgeräts durch den Kapitän. Dazu zwei Freistoßvorlagen, eine Ecke, eine Flanke – Mattuschka macht den Unterschied. Das weiß auch sein Trainer. „Natürlich bin ich froh, dass er hier ist. Er hat sein Können ja schon in vielen Standardsituationen bewiesen“, sagte Uwe Neuhaus.
Er ist es wohl auch gewesen, der den entscheidenden Anstoß für Mattuschkas Leistungssteigerung in den vergangenen sechs Partien gegeben hat. Seit der Coach seinen Spielführer im Gastspiel bei 1860 München ohne verletzungsbedingten Grund aus der Startelf nahm und ihn für 70 Minuten auf der Bank schmoren ließ, ist Mattuschka auf dem Platz präsenter denn je. Es dürfte kein Zufall sein, dass er seine drei Saisontreffer erst nach jener kurzen Auszeit erzielte. Aus dem Spiel heraus (Ingolstadt), per Elfmeter (Aachen) und eben durch diesen Freistoß in Aue. Oder wie es die Union-Fans gerne singen: „Hau ihn rein für den Verein!“







