Seit Ende der 90er-Jahre zählt Michael Kölmel zu den Gönnern des 1. FC Union. Nicht nur wegen der insgesamt 15 Millionen Euro, die der Fußball-Zweitligist dem 57-Jährigen immer noch schuldet und die komplett bis 2025 mit Rangrücktritt versehen sind, also nicht zurückgezahlt werden müssen. Als Aufsichtsratsmitglied der neuen Stadion AG rückt Kölmel nun wieder enger an den Klub.
Morgenpost Online: Union verkauft das Stadion an seine Mitglieder, indem der Klub im Dezember Aktien ausgibt. Was sagen Sie zu dieser ungewöhnlichen Maßnahme, Herr Kölmel?
Michael Kölmel: Um den Plan, das Stadion fertigzustellen, verfolgen zu können, braucht man eine solide Finanzierung. Durch die Aktie kommt man in eine gute Position, um nicht nur weniger Kredite in Anspruch zu nehmen, sondern auch die Konditionen für Zinsen zu drücken. Das schafft eine Stabilität, die für einen Fußballverein sehr wichtig ist.
Morgenpost Online: Sie sitzen im Aufsichtsrat der neuen Stadion AG. Erhoffen Sie sich dadurch vielleicht auch, wenigstens einen Teil der Millionen zurückzubekommen, die Sie vor Jahren in den Verein investiert haben?
Michael Kölmel: Meine Entscheidung, in den Aufsichtsrat zu gehen, war davon völlig unabhängig. Ich musste aber nicht lange überlegen, als Dirk Zingler und Oskar Kosche mich fragten. Und der Aufsichtsrat ist ja zunächst nur für ein Jahr gewählt.
Morgenpost Online: Sie sind zudem Union-Mitglied. Werden Sie auch Stadion-Aktionär?
Michael Kölmel: Es geht hier um die finanzielle Stabilisierung des Stadionprojekts. Deshalb werde ich mir natürlich auch eine bis zehn Aktien zulegen (lacht).
Morgenpost Online: Einen wirklichen Gegenwert gibt es jedoch nicht, auch ein Ertrag ist nicht wirklich zu erwarten.
Michael Kölmel: Es handelt sich ja hier um sehr langfristige Engagements. Das Ziel ist nicht die kurzfristige Vermehrung des eingesetzten Kapitals. Man muss das mehr als ein Familien-Unternehmen betrachten. Und da man nur als Union-Mitglied Aktien erwerben kann, hat das Ganze durch Neueintritte noch einen schönen Nebeneffekt.
Morgenpost Online: Der Kaufpreis von 500 Euro pro Aktie ist keine Kleinigkeit. Als Nicht-Unioner kommt man schnell zu dem Schluss: Den Mitgliedern soll zur Tribünenfinanzierung das Geld aus der Tasche gezogen werden.
Michael Kölmel: Das sehe ich nicht so. Alles passiert auf freiwilliger Basis, niemand wird zu etwas gezwungen. Und da der größte Teil des Stadions schon fertig ist, investiert man ja in eine gute Substanz und erhöht diese durch die neue Tribüne sogar.
Morgenpost Online: Vor wenigen Jahren gab es mit dem Senat noch ein zähes Ringen um das Stadiongrundstück. Der Standort Alte Försterei stand vor dem Aus. Jetzt hat sich das Land Berlin sogar bereit erklärt, den Bau mit drei Millionen Euro zu unterstützen.
Michael Kölmel: Die Alternative für das Land Berlin wäre eine Sportstätte gewesen, die immer renovierungsbedürftiger geworden wäre. Der damalige Fürsorgebedarf hätte auch Geld gekostet.
Morgenpost Online: Das Stadion wird fertiggestellt. Macht es da nicht Sinn, auch das Grundstück zu kaufen? Durch den Erbbaurechtsvertrag von 2008 (Laufzeit: 65 Jahre) werden für das 1,8-Millionen-Euro-Grundstück ab 2013 pro Jahr 6,5 Prozent Pachtzins fällig, also 117.000 Euro.
Michael Kölmel: Wenn man die Summe hat oder das Geld günstiger als für 6,5 Prozent Zinsen bekommt, macht es natürlich Sinn, die Stadt auszulösen.




